DIE FÜNFTE JAHRESZEIT

Am letzten Samstag im August beginnt Jahr für Jahr auf der Loretowiese das Herbstfest. Was als Landwirtschaftsausstellung auf einem freien Stück Fläche am Stadtrand begann, entwickelte sich 1861 durch ein Schützenfest und einen Gesangswettbewerb weiter zu einem Volksfest. Traditionell beginnt die Wies´n mittags mit  einem Trachtenzug. Dieser führt vom Bahnhof durch die Innenstadt  Loretowiese. Offiziell eröffnet wird das Fest mit drei Böllerschüssen und dem O´zapfen durch den Oberbürgermeister und den Landrat in den Festzelten. Auch am mittleren Sonntag findet jedes Jahr in der Innenstadt ein Erntedankumzug statt. Dort und bei der Eröffnung kann man dann die prachtvollen Trachtengewänder der ortsansässigen Verbände bestaunen. Die Rosenheimer sind als Bergvolk sehr traditionell verwurzelt und tragen ihre Tracht voller Stolz. Und das sicher nicht um Touristen zu beeindrucken. Viel mehr geht es dabei um gelebtes Kulturgut, das es gilt weiter zu führen.

Nun stellt sich die Frage, ob das Erntedankfest denn noch zeitgemäß ist in der heutigen Zeit des Überschusses. Die Rituale des Erntedankes zählen wohl zu den ältesten der Menschheit. Über Jahrtausende war der Mensch direkt von der Ernte abhängig. So konnte ein regenarmer Sommer Hunger und Tod bedeuten.Was sind uns die Gaben der Natur heute noch wert? Eine reichhaltige Ernte erscheint nicht zuletzt durch den Einsatz von Chemie und Maschinen als etwas Selbstverständliches. Längst ist man gewohnt daran, dass die Lebensmittel im Ausland bezogen werden. Auch, wenn die Güter einen Weg von tausenden Kilometern hinter sich haben, macht sich das noch nicht einmal am Preis bemerkbar. Es leben weit mehr Menschen auf der Erde als jemals zuvor und eigentlich müsste die Abhängigkeit von Lebensmitteln entsprechend viel höher sein. Doch gerade in Deutschland wird achtlos mit Nahrungsmitteln umgegangen. Elf Millionen Tonnen werden im Jahr auf Müllhalden entsorgt. Und die Gründe, die Lebensmittel zu entsorgen sind oft banal. Es reicht eine Druckstelle, ein schiefer oder nicht normgerechter Wuchs oder ein gerade abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum aus.

Und die beste Form der Dankbarkeit ist der respektvolle Umgang mit allem, was das Leben einem schenkt.

Viel mehr sollte man sich die Frage stellen, was uns die Gaben der Natur langfristig wert sind.  Die Erzeuger, die dafür arbeiten, ökologisch erzeugte Gaben der Natur auf unseren Tisch zu bringen, müssen auf jeden Fall gerecht entlohnt werden um von ihrer Hände Arbeit menschenwürdig leben können. Aber die Lebensmittel regional und saisonal zu beziehen hilft nicht nur der lokalen Wirtschaft. Auch die Qualität der Lebensmittel ist besser. Durch die kurzen Transportwege können die Lebensmittel voll ausreifen und sind daher wesentlich besser im Geschmack. Der positive Effekt einer ökologischen Landwirtschaft liegt vor allem im Verzicht auf Pestiziden und synthetischen Düngemitteln. Das sorgt für eine bessere Boden- und Grundwaserqualität, eine geringere Belastung unserer Nahrungsmittel sowie eine eine dadurch entstehende größere Artenvielfalt.

Vielleicht sollte man vor dem nächsten Einkauf einmal sein Gewissen fragen, ob der Gang zum nächsten Hofladen nicht ausreichend ist, anstatt durch lange Supermarktregale zu irren. Schmeckt die in einer wieder verwendbaren Glasflasche abgefüllte Milch zum fairen Preis von glücklichen Weidekühen aus der Zapfanlage beim Bauern um die Ecke nicht doch besser als die `totgekochte´ haltbare aus dem Tetrapack? Muss es wirklich der von weit her importierte Apfel sein oder erfüllt nicht auch der aus der Region seinen Zweck? Das Erntedankfest ist ein Tag der Besinnung und gibt Anlass über das eigene Konsumverhalten und über eine nachhaltige Ernährung nachzudenken. Und die beste Form der Dankbarkeit ist der respektvolle Umgang mit allem, was das Leben einem schenkt.

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On the last Saturday in August, the autumn festival begins every year at the Loretowiese.What began as an agricultural exhibition on a free piece of land on the outskirts of the town developed into a folk festival in 1861 through a shooting festival and a singing contest. Traditionally, the Wies’n starts at noon with a traditional costume procession. This leads from the station through the inner city to Loretowiese. Officially the festival is opened with three shots and the `O’zapfen´ by the Lord Mayor and the district council in the tents. On the middle Sunday every year in the town center there is a thanksgiving procession. There and at the opening you can admire the magnificent traditional costumes of the local associations. The Rosenheimer are traditionally rooted as mountain people and wear their traditional costumes full of pride. And certainly not to impress tourists. Much more is about living cultural assets, which must be continued.

Now the question arises whether the thanksgiving is still contemporary in the present time of the surplus. The rituals of thanksgiving are probably one of the oldest of mankind. Over a thousand years people was directly dependent on the harvest. So a rainy summer could mean hunger and death. What are the gifts of nature still worth? A rich harvest appears to be a matter of course, not least through the use of chemistry and machines. You have long been accustomed to the fact that the food is purchased abroad. Even if the goods have a distance of thousands of kilometers behind, this does not even affects the price. There live far more people on earth than ever before, and the dependence on food should be much higher. But it is precisely in Germany that food is bypassed. Eleven million tonnes are disposed of on landfill sites every year. And the reasons that dispose of food are often banal. A blessure, a bend or non-standard growth or a minimally exceeded expiry date is sufficient.

And the best form of gratitude is the respectful dealings with all that life gives to one.

Much more should be asked what nature’s gifts are worth in the long term. Producers who work with their hands for the ecologically produced gifts of nature on our table must at all be justly rewarded. But the regional and seasonal food helps not only the local economy. Also the quality of the food is better. Due to the short transport distances, the food can be fully ripened and is therefore much better in the taste. The positive effect of organic farming is mainly the absence of pesticides and synthetic fertilizers. This results in better soil and ground water quality, a lower load on our foodstuffs and a greater diversity of species.

Perhaps you should ask your conscience before the next purchase once, if the walk to the next farm shop is not sufficient instead of long walks through supermarkt. Does the milk from the tapping system from the farm around the corner which is bottled in a reusable glass bottle at a fair price from happy cows  do not taste better than the ‘dead-cooked’ milk out of a box? Does it really have to be an imported apple or does not also a regional one fulfill the purpose? The thanksgiving is a day of reflection and gives reason to think about your own consumption behavior and about a sustainable diet. And the best form of gratitude is the respectful dealings with all that life gives to you.

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