HEIMAT

Für die meisten Menschen ist die Heimat wohl der Ort, wo sie geboren wurden und aufgewachsen sind. Das trifft auch für mich zu. Was mir meine Heimat allerdings wirklich  bedeutet, habe ich erst verstanden, als ich mich auf Reisen begeben habe. Es ist dieser vertraute Stadtkern mit seinen Gebäuden im Inn-Salzach-Stil, die als prachtvolle Patrizierhäuser mehrere Epochen durchlebten und den Max-Josefs-Platz säumen. Es ist dieser gemütliche Grüne Markt, der regelmäßig auf dem Ludwigsplatz stattfindet und noch an vergangene Marktzeiten erinnert, als dort noch lebende Fische verkauft wurden. Um 1890 hatte die Stadt bei einer Einwohnerzahl von rund 10.000 Menschen elf Brauereien, und es wurden schon über 400 Hektoliter Bier konsumiert. Die `griabige´ bayrische Bierkultur wird auch weiterhin zelebriert in den  Biergärten und Wirtschaften. Es sind die freundlichen Leute, die vertrauten Gesichter und die Erlebnisse, die man mit dem Ort verbindet. Und nicht zuletzt ist es der schöne oberbayrische Dialekt, den man hier noch häufig hört, der die Heimat ausmacht.

Und jedes Mal, wenn ich durch die Straßen Rosenheims schlendere und das Lebensgefühl “meiner” Stadt inhaliere, beschleicht mich dieses Gefühl- das Gefühl daheim zu sein.

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For most people, home is probably the place where they were born and grew up. So it is for me as well. What home really means to me, however, I first understood when I went on a journey. It is this familiar town center with its buildings in the Inn-Salzach style, which as a splendid patrician houses survived several epochs and line the Max-Josefs-Platz. It is this cozy green market, which regularly takes place on the Ludwigsplatz and still reminds of past market times, when still living fish were sold. Around 1890 the town had eleven breweries with a population of about 10,000 people, and more than 400 hectoliters of beer were already consumed. The leisurely Bavarian beer culture will continue to be celebrated in beer gardens and pubs. It´s the friendly people, the familiar faces and the experiences that connects someone with the place. And last but not least it is the beautiful Upper Bavarian dialect, which is often heard here, which makes it feel like home.

And every time I stroll through the streets of Rosenheim and inhale the feeling of “my” city, it makes me feel at home.

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Nepumukbrunnen von Bildhauer Franz de Paula Hitzl auf dem Max-Josefs-Platz
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Mosaik auf dem Kirchenschiff der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus

Und was tun, wenn das Wetter mal nicht ganz so mitspielt? Man könnte wie ich mal wieder im Museum vorbei schauen. Das Stadtmuseum von Rosenheim ist im Mittertor untergebracht. Das Tor ziert das Stadtwappen als “Eiserne Rose”. Sie setzt sich aus Nägeln zusammen, von denen jeder Nagel als eine Spende für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs steht.  Man kann nur staunen, was alles in diesem Torbogen seinen Platz findet. Auf mehreren Etagen kann man in diversen Schauräumen durch das Rosenheim vergangener Zeiten wandeln und fühlt sich durch die realitätsgetreuen Inszenierungen gleich in die jeweilige Zeit versetzt. Nicht selten hört man Ausrufe der älteren Besucher wie: “Genau so hat es früher bei uns auch ausgeschaut.” Die “Aschlküche” des früheren Stadtarchivars Albert Aschl  ist ein besonders gelungener Schauraum. Denn diese Einrichtungsgegenstände wurden Mitte des vorigen Jahrhunderts achtlos als Sperrmüll entsorgt und gegen moderne Einrichtungsgegenstände eingetauscht. Die “Aschl-Küche”jedoch blieb erhalten und war von 1926 bis 1982 im Originalzustand in einem Rosenheimer Haushalt zu finden. Sämtliche Gegenstände sind original und wurden nicht aus anderen Quellen hinzugefügt. Sogar der Linoleumboden und die Wandfarbe wurde dem Original möglichst getreu nachempfunden.

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And what to do if the weather does not play so well? You can visit the museum like me again. The Stadtmuseum of Rosenheim is housed in the Mittertor. The gate is decorated by the town coat as an “iron rose”. It is made of nails. Each nail is a donation for the dead of the First World War. You can only marvel, what fits in this arch. On several floors you can dip in past times of Rosenheim and you can walk right through the real-life installations right into the respective time. Not infrequently you hears exclamations of the older visitors like: “Exactly so it has also looked at ours in the past.” The “Aschl kitchen” of the former city archivist Albert Aschl is a particularly speacal. These furnishings were disposed of as bulky waste and replaced by modern furnishings. But the “Aschl kitchen” was preserved and was from 1926 to 1982 in the original state in a  household in Rosenheim. All items are original and have not been added from other sources. Even the linoleum floor and the wall paint were faithfully modeled on the original.

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Die Aschl-Küche
Mittertor Stadt Rosenheim | Michaela Stocker
Mittertor Stadt Rosenheim | Michaela Stocker

Und im Museum sind noch viele weitere Schätze zu finden und viele offene Fragen werden beantwortet. Die Frage, was den Reichtum im 17. und 18. Jhd. n. Chr. wiedergespiegelt hat beispielsweise. Wer hätte da an die Anzahl von Nachttöpfen aus Zinn gedacht? Wenn heute Glockengeläut erklingt, denkt wohl kaum jemand an etwas böses. Als die “Arme-Sünder-Glocke” 1543 gegossen wurde, herrschten aber noch ganz andere Zeiten. Die wurde immer dann geläutet, wenn das letzte Stündchen von Verbrechern geschlagen hatte. Bei dem Gedanken an Rosenheim fällt einem heute gleich ein bekannter Schuhhersteller ein. Und schon zur Zeit des Zunftwesens spielte die Schuhherstellung eine Rolle. Nicht nur die bayrischen Landesfarben sind Blau-Weiß. Dank des Naturfarbstoffs “Indigo” wurde durch den “Blaudruck” der ein oder andere Stoffballen ab dem 17. Jhd. veredelt mit floralen oder abstrakten Mustern. Dabei wird jedoch nicht Blau gedruckt, sondern viel mehr mit Weiß auf Blau gefärbten Stoff. Vom “Römergrab bis zum Nierentisch” ist hier im Museum wiklich alles zu finden.

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And there are many more treasures to be found in the museum and loads of open questions are answered. The question, what reflected wealth in the 17th and 18th century N for example. Who thought of a chamber pot of tin? If bells are ringing today, hardly anyone thinks of something evil. When the “poor-sinner-bell” was poured in 1543, there were quite different times. It always rang when the last hour of criminals had struck. At the thought of Rosenheim, a well-known shoe manufacturer comes to mind. And already at the time of guilding, the shoe manufacturing already played a role. Not only the Bavarian national colors are blue-white. Because of the natural dyestuff “Indigo” the “blue print” of one or the other fabric ball since the 17th century was refined with floral or abstract patterns. But it is not printed in blue. More it´s printed in white on blue dyed fabric. Yes, from the “tomb of a roman to the kidney table” is here in the museum really everything to be found.

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Wirtschaftswunder Warenwelt um 1951
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Das Perthaler-Zimmer

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Perlenstickerein
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Blaudruck
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Warenangebot im Krämerladen

Städtisches Museum | Ludwigsplatz 26 | 83022 Rosenheim
Tel: +49 (0)8031 365-8751 | Fax: +49 (0)8031 365-8758
museum (at) rosenheim.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10-17 Uhr
Jeden 1., 3. und 5. Sonntagim Monat von 13-17 Uhr
Montags und an Feiertagen geschlossen

 

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