EISBLUME

In den eisigen Winternächten überzieht der Frost Wald und Flur mit einer kalten, glitzernden Schicht und färbt die Natur weiß ein. Dabei entstehen zauberhafte Meisterwerke aus Reif und Eis, deren Existenz nur von sehr kurzer Dauer und ganz von den Launen der Natur abhängig ist. In den Bächen sind Teppiche und bizarre Zapfen aus Eis entstanden, die das gefrorene Wasser ganz zufällig in ihre faszinierenden Formen gebracht hat. Jetzt, zu der kalten Winterzeit, da die meisten Blumen und Pflanzen ruhen und auf den Frühling warten, um sich wieder in ihrer vollen Pracht zu entfalten, da finden sich die Schätze der Natur an anderer Stelle. Wer genau hinsieht, der kann floral anmutende Muster im Eis erkennen. Mich erinnern diese Ornamente an zarte Spitze oder Devor’estoffe.

Devor’estoffe sind auch als Ausbrennerstoffe bekannt und sie entstehen, indem Ätzpaste auf Teile des Stoffs aufgetragen wird. Dadurch werden Segmente des Gewebes zerstört und es entstehen Muster, welche aus blickdichten und transparenten Bereichen bestehen. Es können synthetische oder natürliche Rohstoffe für die Produktion dieses Stoffs verwendet werden. Da jedes Material  anders auf die Chemikalie reagiert, ist die Herstllung eine Kunst für sich. Leinen, Viskose und Baumwolle reagieren sehr empfindlich auf die Behandlung mit Säure, während sich ein Stoff aus Seide relativ unempfindlich verhält. Idealerweise werden für diese Art der Fertigung Mischgewebe wie Seide mit Baumwolle verwendet. Auch die Dosierung der Chemikalien spielt eine entscheidende Rolle. Bei zu geringen Mengen  wird das Muster nicht richtig eingebrannt.  Wird allerdings zu viel von dem Ätzmittel benutzt, so können die Konturen verlaufen. Korrekturen sind während des Trocknungsprozesses noch möglich. Durch Wärmeeinwirkung kann der Trocknungsprozess beschleunigt werden. Im Anschluss muss die Chemikalie ausgewaschen werden.  Charakteristisch für Ausbrennerstoffe ist, dass sie sehr leicht sind. dscn8330dscn8229dscn8491dscn8333dscn8240dscn8335dscn8311dscn8337dscn8314dscn8339dscn8315eisblume_illustrationdscn8396DSCN8338.jpgdscn8308dscn8409dscn8334

KATER!

Sie sind unnahbar, launisch und wirklich schlau werden wir sowieso nie aus ihnen. Trotzdem sind sie als sie seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. domestiziert wurden nicht mehr als Haustier wegzudenken. Katzen führen weltweit die Liste der beliebtesten Haustiere an. Es gitbt kein anderes Tier, das eine so enge Verbindung zum Menschen aufgebaut hat, ohne sich zu unterwerfen und sie vereint in sich Unabhän­gig­keit und Stolz mit Anschmieg­sam­keit und Rückzug. Vermutlich leben derzeit etwa 8,4 Millionen Hauskatzen in Deutschland und 27,4 Millionen in ganz Mittel- und Westeuropa. Dabei ist die Katze keineswegs auf den Menschen angewiesen. Auch in isolierten Gebieten in Neuseeland oder Australien, wo sie durch den Menschen eingebracht wurde, konnte sie sich schnell an ihre Umwelt anpassen. Weltweit gibt es mehr als eine Milliarde Katzen. Während die älteste Hauskatze ein stolzes Alter von 38 Jahren erreicht hat, ist die Lebenswerwartung bei freilaufenden Katzenpopulationen ohne menschliche Zuwendung und medizinische Betreuung wesentlich geringer und liegt zwischen 1,4 und 4,2 Jahren.

Schon die kleinste Katze ist ein Meisterwerk. – Leonardo da Vinci –

Seither erfreuen sich die kleinen Tiger auch in der bildenden Kunst großer Beliebtheit. In den unterschiedlichsten Situationen ihres Lebens wurden die Samtpfoten seit rund 4000 Jahren verewigt. Sie stehen als Sinnbild menschlicher Zuneigung und kuschliges Schoßtier oder als dämonisches Jagdtier und Verkörperung des Teufels in der christlichen Ikonografie. Die Katze scheint Vernunft- und vor allem eroti­sches Triebwesen in einem zu sein und kann sich so ausleben, wie es dem Menschen nur bedingt möglich ist. Daher setzte man sie auch für eroti­sche Anspie­lun­gen oder Spiegel­bil­der des Mensch­li­chen ein.

Und seien wir mal ehrlich- neben der zauberhaften Audrey Hepburn spielt auf jeden Fall der rote Kater die Hauptrolle im Film Frühstück bei Tiffany´s. Hubert Givenchy entwarf die Kleider für Audrey privat als auch für die Filmrolle der Holly Golightly. Schon am Filmset von Sabrina lernten sich der Designer und die Schauspielerin kennen und er stattete sie über 40 Jahre lang mit seinen kreativen Schöpfungen aus. Trotz der Vorliebe von Givenchy für grelle Farben wie Pink und Königsblau erlange vor allem das berühmte Kleine Schwarze, das Audrey Hepburn im Film tug, Weltruhm und wurde im Jahr 2006 als teuerstes Textil der Filmgeschichte versteigert.  Auch seine Hutkreationen, die oftmals das halbe Gesicht der Trägerin verdeckten, kommen im Film zur Geltung und sind Teil dieses charakteristischen Looks der Hauptdarstellerin. Der rotgetigerte Kater der Protagonistin soll im Film das Streben nach Feiheit und Unabhängigkeit verkörpern- ganz wie Holly selbst. Der Kater ist den gesamten Film über present indem er aus dem Nichts auf die Schultern der Menschen springt und das komödiantische Drama, das sich zu seinen Füßen abspielt von der höchsten Etage des leeren Bücherregals aus beobachtet. Das eigenständige Wesen der Katze kommt bis dahin in keinem anderen Film so zur Geltung wie in Fühstück bei Tiffany´s. Der Filmkater ist auch selbst ein kleiner Hollywoodstar. Orangey, wie sein richtiger Name ist, hat in einigen Filmproduktionen mitgewirkt und hatte sogar richtige Starallüren. Er biss und kratzte die Protagonisten am Filmset, was ihm den Namen the worlds meanest cat einbrachte.

»Armer alter Kater. Armes Vieh, hast keinen Namen. Ich finde, daß ich kein Recht habe, ihm einen Namen zu geben. Wir gehören eigentlich gar nicht zusammen. Er ist mir mal über den Weg gelaufen. Und ich will auch gar keinen Besitz haben, bevor ich nicht richtig weiß, wo ich hingehöre.« (Holly Golightly | Frühstück für Tiffany´s)

Ich bin schon öfter auf die Handlung des Films im Bezug auf meinen Kater angesprochen worden, denn auch mein kleiner Stubentiger und ich haben eine ähnliche Geschichte. Eigentlich war ich nie ein Katzenliebhaber, bis der kleine Kerl dann vor mir stand. Und zufälliger Weise ist er ja auch noch rot getigert dazu…

Ja, die Katze spricht unsere Gefühls­welt an – ob es im Sinne der Liebe, im Sinne der Angst oder Abneigung sei -sie wird uns trotz aller Faszination immer ein Rätsel bleiben.

kater_3kater_1kater_1kater_2kater_illustrationkater_4kater_5kater_6

Inspiration

breakfast_at_tiffanys_1
Frühstück bei Tiffany’s

breakfast_at_tiffanys_2breakfast_at_tiffanys_3

gerrude_des_clayes_woman_and_cat
Gertrude des Clayes | Woman with a cat
renoir_femme_au_chat
Renoir | Femme au chat
fritz_zuber_buhler
Fritz Zuber Buhler
edward_penfield
Edward Penfield
john_william_godward_the-favourite_1901
John William Godward | The favorite

MELANGE

Wenn es draußen ungemütlich wird und so stürmisch ist wie heute, zieht man sich doch gerne zurück nach drinnen ins Warme. Wer sich nicht gerade auf einem der zahlreichen Christkindlmärkten aufhält, der hat sich wohl schon in ein Café geflüchtet, um sich dort aufzuwärmen. Und genau dort finde ich meine Inspiration für diese Bilder. Mein Mantel erinnert mich an die sogenannte Wiener Melange, bei der dem Kaffee Kakao beigemischt ist. Wahre Kaffeeliebhaber werden an dieser Stelle sicher entsetzt den Kopf schütteln. In der richtigen Wiener Melange hat Kakao nämlich nichts verloren. Zumindest nicht in der österreichischen Variante. Seit dem Jahre 1830 wird in Wien unter dieser Bezeichnung eine Mischung aus einem Teil Kaffee, Zucker oder Honig und einem Teil Milch mit einer Haube aus geschäumter Milch angeboten.

Die Schweizer trinken ihren Café mélange oder Kafi Melange genannt, bestehend aus Kaffee mit einer Schlagsahnehaube. Die Schlagsahne wird auch oft seperat serviert und mit einer Kaffeebohne verziert. Heißer Kakao wird nur in den niederländischen Variante der Wiener Melange getrunken, denn dieser ersetzt in dem Fall die Milch. Zusätzlich wird es mt einem gezuckerten Eigelb zubereitet. In diesem Sinne wünsche ich eine entspannte Kaffeepause.

melange_1melange_4melange_7melange_8melange_9melange_10melange_11melangemelange_1melange_2melange_4melange_121frkn8

Inspiration:

ron_hicks_cafe_kiss
Café kiss | Ron Hicks
hopperautomat
Automat | Edward Hopper
ury_lesser_cafe_bauer
Café Bauer | Ury Lesser

DANDY

Wer der Meinung ist, dass es eine neuzeitliche Erscheinung ist, dass Männer oft mehr Zeit im Badezimmer und vor dem Kleiderschrank verbringen als manche Frau, derr irrt. Seit der Mensch begonnen hat, sich zu bekleiden, spielt auch Schmuck und Zierrat zur Selbstdarstellung eine Rolle- und das nicht nur für die Frau. Ganz im Gegenteil. In der Modegeschichte steht die Herrenmode der Damenmode in nichts nach und zeigt sich oft sogar farbenfroher und ideenreicher.

Im 18. Jhd. begannen einige Querdenker gegen die Gepflogenheiten ihrer Zeit zu rebellieren und waren so die Begründer eines schlichten, aber auch dekadenten Stils. Ein Dandy war ursprünglich ein Lebemann und galt als perfekter Gentleman, der britische Höflichkeit mit exklusivem Kleidungsstil, Humor und Eleganz verband. Während viele seiner adligen Zeitgenossen noch dem Vorbild der höfischen französischen Mode folgten mit ihrem Protz und Prunk, den gepuderten Perücken, üppigen Mänteln und Juwelen, propagierte George Bryan Brummell, auch Beau Brummell genannt, bereits die neue Schlichtheit. Und für diesen Lebensstil betrieb er unglaublichen Aufwand, den man ihm auf den ersten Blick nicht unbedingt ansah. Er lehnte alles Laute, Schrille und Bunte wehement ab. Entgegen der üblichen Gepflogenheiten dieser Zeit wechselte er mehrmals täglich seine Wäsche, Parfüm und Schmuck waren ihm jedoch zuwider. Perücken waren durch seinen Einfluss ohnehin aus der Mode gekommen. Stattdessen hatte er drei Frisöre, die sich seiner Haarpracht annahmen. Einer war für die Stirn, einer für die Seiten und ein weiterer für den Hinterkopf zuständig.  Er machte einen schlichten Herrenanzug, welcher enganliegend geschneidert war und die V-Silhouette des Mannes hervorhebt, solonfähig. Dieser Anzug hat bis heute Bestand in der Modewelt und ist kaum mehr wegzudenken . Gefertigt war er aus festem Stoff in gedeckten Farben. Getragen hatte er ihn zusammen mit langen, geradlinigen Hosen. Ein ganz besonderes Anliegen waren ihm wohl seine Handschuhe und deren Passform. Diese ließ er stets von zwei verschiednen Herstellen fertigen, wobei der eine für den Daumen, der andere für die weiteren Finger zuständig war. Seine Schuhe sollen immer so geglänzt haben, weil er sie angeblich mit Champagner poliert hat. Dieser Aufwand nahm eibige Zeit in Anspruch. Nach eigenen Angaben benötigte er fünf Stunden um sich anzuziehen.  Mr. Brummell wurde zum Prototypen für den Dandy, der seine Persönlichkeit zu einer Kunstfigur erschaffen hatte und gute Manieren mit geistreicher Konversation zu verbinden wusste. Dabei wirkte er wohl niemals künstlich und zog die Menschen mit seinem Charme in seinen Bann.

„Der Dandy ist ein Mann, dessen Status, Arbeit und Existenz im Tragen von Kleidung besteht. Er widmet jedes Vermögen seiner Seele, seines Geistes, seiner Geldbörse und seiner Person heldenhaft der Kunst, seine Kleidung gut zu tragen: Während die anderen sich kleiden um zu leben, lebt er, um sich zu kleiden.“ – Thomas Carlyle (Sartor Resartus, 1834)

Unter dem Einfluss der Vertreter des Ästhetizismus entwickelte sich der Stil des Dandies weiter. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden samtene Kniehosen und Westen zu ihren äußerlichen Kennzeichen. Die Ästhetizisten öffneten die von bürgerlicher Enge und vom Moralismus geprägte viktorianische Gesellschaft für eine neue Sinnlichkeit in Farben und Formen. Sie bekämpften den herrschenden Geschmack des mainstream mit ritualisierter Ästhetik. Dandyismus ist eine Lebenseinstellung, zu der Selbstinszenierung und ein eher ungezwungenes Verhältnis zum Geld gehörten. Wichtig war ihnen die Unabhängigkeit von bürgerlichen Zwängen wie Brotberuf oder Ehe.

Und auch Frauen fanden an diesem Stil gefallen. Die Schauspielerin Marlene Dietrich war eine der Ersten, die diesen Look Anfang des 20. Jhd. in der Damenmode populär machte.

Der Dandy zeichnet sich vor allem durch seinen Müßiggang und seine perfekte Selbstinszenierung aus. In der heutigen Zeit gilt er als ausgestorben und es sind nur noch die modischen Aspekte wie Gilets, die unter einem Blazer getragen werden, seidene Krawatten, eine Schleife am Kragen, Schuhe im Two-Tone-Look oder Lacklederschuhe, die den Dandy zumindest stilistisch weiterhin am Leben erhalten.

***


Whoever thinks it is a modern phenomenon, that men often spend more time in the bathroom and in front of the wardrobe than some woman does. Since humans has begun to dress, accessories and ornamentation play a role – not only for women. But on the contrary. In history men´s clothing is in no way inferior to the ladies’ fashion and is often even more colorful and rich in ideas.

In the 18th century, a number of cross-thinkers began to rebel against the habits of their time and were the founders of a simple but decadent style. A dandy was originally a living man and was considered as a perfect gentleman who combined British courtesy with exclusive clothing, humor and elegance. While many of his noble contemporaries followed the example of courtly French fashion with their prodigy and pomp, powdered wigs, lavish coats and jewels, George Bryan Brummell, also called Beau Brummell, already propagated the new simplicity. And for this way of life, he had an incredible amount of effort, which was not necessarily seen at first sight. He rejected everything colourful and shrillness. Contrary to the usual habits of this time, he changed his clothes several times a day, but he refused perfume and jewelry. Wigs had gone out of fashion by his influence anyway. Instead, he had three hairdressers who took care about his hairstyle. One was responsible for the forehead, one for the sides and another for the back. He made a simple men’s suit, which was tightly tailored and emphasized the men´s V silhouette popular. This suit is still existing today  and is hardly imaginable without it in the fashion world. It was made of solid fabric in muted colors. He had worn it with long straight trousers. A very special concern were his gloves and their fit. They were tailored in two different manufactures, one for the thumb, one for the other fingers. His shoes should have always shone so well, because he supposed to polished them with champagne. This effort took a considerable amount of time. According to his own words, it took five hours to get dressed. Mr. Brummell became a prototype for the dandy, who had created his personality as an art figure and was able to combine good manners with intellectual conversation. He never acted artificially and drew the people with his charm.


“The dandy is a man whose status, work and existence consists in wearing clothes. He devotes every faculty of his soul, his mind, his purse, and his person heroically to the art of wearing his clothing well: while the others clothe themselves to live, he lives to dress. “- Thomas Carlyle (Sartor Resartus, 1834)


Under the influence of the representatives of aestheticism the style of the Dandies developed further. Towards the end of the nineteenth century, velvet knee-trousers and vests became their external characteristics. The aestheticists opened the Victorian society, marked by bourgeois narrowness and moralism, for a new sensuality in colors and forms. They fought the ruling taste of the mainstream with ritualized aesthetics. Dandyism is a life setting that included self-portraying and a rather casual relationship with money. It was important for them to be independent of bourgeois constraints such as general work or marriage.

And also women liked this style. The actress Marlene Dietrich was one of the first to make this look popular in the women’s fashion at the beginning of the 20th century.

The dandy is distinguished by its idleness and perfect self-portraying. In today’s world, dandyism is considered extinct and only the fashionable aspects like Gilets worn under a blazer, silk ties, a bow at the collar, two-tone shoes or lacquer leather shoes, continue at least to keep the style alive.

dandy_2dandy_1dandy_3dandy_2dandy_5

Inspiration:

dandy_beau_brummel
George Bryan ‘Beau’ Brummell
dandy_oscar_wilde
Oscar Wilde
dandy_baudelaire_charles_
Charles Baudelaire

„Der Dandy muss sein ganzes Streben darauf richten, ohne Unterlass erhaben zu sein, er muss leben und schlafen vor einem Spiegel.” – Charles Baudelaire (Tagebücher)

3-female-dandy-lede-w245-h368
Marlene Dietrich

“Ich trage Männerkleidung nicht um Sensation zu erregen. Ich bin einfach der logischen Folge großer Pyjamamode nachgekommen und muss gestehen, dass ich mich niemals angenehmer und besser gekleidet fühlte wie jetzt.” – Marlene Dietrich