DANDY

Wer der Meinung ist, dass es eine neuzeitliche Erscheinung ist, dass Männer oft mehr Zeit im Badezimmer und vor dem Kleiderschrank verbringen als manche Frau, derr irrt. Seit der Mensch begonnen hat, sich zu bekleiden, spielt auch Schmuck und Zierrat zur Selbstdarstellung eine Rolle- und das nicht nur für die Frau. Ganz im Gegenteil. In der Modegeschichte steht die Herrenmode der Damenmode in nichts nach und zeigt sich oft sogar farbenfroher und ideenreicher.

Im 18. Jhd. begannen einige Querdenker gegen die Gepflogenheiten ihrer Zeit zu rebellieren und waren so die Begründer eines schlichten, aber auch dekadenten Stils. Ein Dandy war ursprünglich ein Lebemann und galt als perfekter Gentleman, der britische Höflichkeit mit exklusivem Kleidungsstil, Humor und Eleganz verband. Während viele seiner adligen Zeitgenossen noch dem Vorbild der höfischen französischen Mode folgten mit ihrem Protz und Prunk, den gepuderten Perücken, üppigen Mänteln und Juwelen, propagierte George Bryan Brummell, auch Beau Brummell genannt, bereits die neue Schlichtheit. Und für diesen Lebensstil betrieb er unglaublichen Aufwand, den man ihm auf den ersten Blick nicht unbedingt ansah. Er lehnte alles Laute, Schrille und Bunte wehement ab. Entgegen der üblichen Gepflogenheiten dieser Zeit wechselte er mehrmals täglich seine Wäsche, Parfüm und Schmuck waren ihm jedoch zuwider. Perücken waren durch seinen Einfluss ohnehin aus der Mode gekommen. Stattdessen hatte er drei Frisöre, die sich seiner Haarpracht annahmen. Einer war für die Stirn, einer für die Seiten und ein weiterer für den Hinterkopf zuständig.  Er machte einen schlichten Herrenanzug, welcher enganliegend geschneidert war und die V-Silhouette des Mannes hervorhebt, solonfähig. Dieser Anzug hat bis heute Bestand in der Modewelt und ist kaum mehr wegzudenken . Gefertigt war er aus festem Stoff in gedeckten Farben. Getragen hatte er ihn zusammen mit langen, geradlinigen Hosen. Ein ganz besonderes Anliegen waren ihm wohl seine Handschuhe und deren Passform. Diese ließ er stets von zwei verschiednen Herstellen fertigen, wobei der eine für den Daumen, der andere für die weiteren Finger zuständig war. Seine Schuhe sollen immer so geglänzt haben, weil er sie angeblich mit Champagner poliert hat. Dieser Aufwand nahm eibige Zeit in Anspruch. Nach eigenen Angaben benötigte er fünf Stunden um sich anzuziehen.  Mr. Brummell wurde zum Prototypen für den Dandy, der seine Persönlichkeit zu einer Kunstfigur erschaffen hatte und gute Manieren mit geistreicher Konversation zu verbinden wusste. Dabei wirkte er wohl niemals künstlich und zog die Menschen mit seinem Charme in seinen Bann.

„Der Dandy ist ein Mann, dessen Status, Arbeit und Existenz im Tragen von Kleidung besteht. Er widmet jedes Vermögen seiner Seele, seines Geistes, seiner Geldbörse und seiner Person heldenhaft der Kunst, seine Kleidung gut zu tragen: Während die anderen sich kleiden um zu leben, lebt er, um sich zu kleiden.“ – Thomas Carlyle (Sartor Resartus, 1834)

Unter dem Einfluss der Vertreter des Ästhetizismus entwickelte sich der Stil des Dandies weiter. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden samtene Kniehosen und Westen zu ihren äußerlichen Kennzeichen. Die Ästhetizisten öffneten die von bürgerlicher Enge und vom Moralismus geprägte viktorianische Gesellschaft für eine neue Sinnlichkeit in Farben und Formen. Sie bekämpften den herrschenden Geschmack des mainstream mit ritualisierter Ästhetik. Dandyismus ist eine Lebenseinstellung, zu der Selbstinszenierung und ein eher ungezwungenes Verhältnis zum Geld gehörten. Wichtig war ihnen die Unabhängigkeit von bürgerlichen Zwängen wie Brotberuf oder Ehe.

Und auch Frauen fanden an diesem Stil gefallen. Die Schauspielerin Marlene Dietrich war eine der Ersten, die diesen Look Anfang des 20. Jhd. in der Damenmode populär machte.

Der Dandy zeichnet sich vor allem durch seinen Müßiggang und seine perfekte Selbstinszenierung aus. In der heutigen Zeit gilt er als ausgestorben und es sind nur noch die modischen Aspekte wie Gilets, die unter einem Blazer getragen werden, seidene Krawatten, eine Schleife am Kragen, Schuhe im Two-Tone-Look oder Lacklederschuhe, die den Dandy zumindest stilistisch weiterhin am Leben erhalten.

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Whoever thinks it is a modern phenomenon, that men often spend more time in the bathroom and in front of the wardrobe than some woman does. Since humans has begun to dress, accessories and ornamentation play a role – not only for women. But on the contrary. In history men´s clothing is in no way inferior to the ladies’ fashion and is often even more colorful and rich in ideas.

In the 18th century, a number of cross-thinkers began to rebel against the habits of their time and were the founders of a simple but decadent style. A dandy was originally a living man and was considered as a perfect gentleman who combined British courtesy with exclusive clothing, humor and elegance. While many of his noble contemporaries followed the example of courtly French fashion with their prodigy and pomp, powdered wigs, lavish coats and jewels, George Bryan Brummell, also called Beau Brummell, already propagated the new simplicity. And for this way of life, he had an incredible amount of effort, which was not necessarily seen at first sight. He rejected everything colourful and shrillness. Contrary to the usual habits of this time, he changed his clothes several times a day, but he refused perfume and jewelry. Wigs had gone out of fashion by his influence anyway. Instead, he had three hairdressers who took care about his hairstyle. One was responsible for the forehead, one for the sides and another for the back. He made a simple men’s suit, which was tightly tailored and emphasized the men´s V silhouette popular. This suit is still existing today  and is hardly imaginable without it in the fashion world. It was made of solid fabric in muted colors. He had worn it with long straight trousers. A very special concern were his gloves and their fit. They were tailored in two different manufactures, one for the thumb, one for the other fingers. His shoes should have always shone so well, because he supposed to polished them with champagne. This effort took a considerable amount of time. According to his own words, it took five hours to get dressed. Mr. Brummell became a prototype for the dandy, who had created his personality as an art figure and was able to combine good manners with intellectual conversation. He never acted artificially and drew the people with his charm.


“The dandy is a man whose status, work and existence consists in wearing clothes. He devotes every faculty of his soul, his mind, his purse, and his person heroically to the art of wearing his clothing well: while the others clothe themselves to live, he lives to dress. “- Thomas Carlyle (Sartor Resartus, 1834)


Under the influence of the representatives of aestheticism the style of the Dandies developed further. Towards the end of the nineteenth century, velvet knee-trousers and vests became their external characteristics. The aestheticists opened the Victorian society, marked by bourgeois narrowness and moralism, for a new sensuality in colors and forms. They fought the ruling taste of the mainstream with ritualized aesthetics. Dandyism is a life setting that included self-portraying and a rather casual relationship with money. It was important for them to be independent of bourgeois constraints such as general work or marriage.

And also women liked this style. The actress Marlene Dietrich was one of the first to make this look popular in the women’s fashion at the beginning of the 20th century.

The dandy is distinguished by its idleness and perfect self-portraying. In today’s world, dandyism is considered extinct and only the fashionable aspects like Gilets worn under a blazer, silk ties, a bow at the collar, two-tone shoes or lacquer leather shoes, continue at least to keep the style alive.

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Inspiration:

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George Bryan ‘Beau’ Brummell
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Oscar Wilde
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Charles Baudelaire

„Der Dandy muss sein ganzes Streben darauf richten, ohne Unterlass erhaben zu sein, er muss leben und schlafen vor einem Spiegel.” – Charles Baudelaire (Tagebücher)

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Marlene Dietrich

“Ich trage Männerkleidung nicht um Sensation zu erregen. Ich bin einfach der logischen Folge großer Pyjamamode nachgekommen und muss gestehen, dass ich mich niemals angenehmer und besser gekleidet fühlte wie jetzt.” – Marlene Dietrich

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