IM WEISSEN RÖSSEL

Es ist schon wieder ein paar Jahre her, seit ich die Operette “Im Weißen Rössel”gesehen habe, die in der Staatsoperette in Dresden aufgeführt wurde. Was davon jedoch geblieben ist sind die Ohrwürmer, die sich, einmal gehört, einprägen und einen auf Schritt und Tritt verfolgen. Die Handlung ist schnell erzählt. Der charismatische Oberkellner Leopold hat zwar ein Händchen für ungeduldige Gäste, bei seiner Angebeteten, der Wirten Josepha Vogelhuber stehen seine Chancen jedoch schlecht. Im Hotel herrscht Hochsaison und die beteiligten haben nicht nur mit den Gästen alle Hände voll zu tun, sondern auch damit, ihre wirren Gefühlswelten zu ordnen. Geschrieben hat Ralph Benatzky die Operette 1929/30 und sofort wurde sie zur beliebtesten Revueoperette dieser Zeit.

Die ganze Welt ist himmelblau…

Das bekannte Singspiel und die Verfilmung dessen mit Peter Alexander aus dem Jahr 1960 verhalfen nicht nur dem Hotel zu großer Popularität. Auch das Dirndl wurde bei der Damenwelt zum Verkaufsschlager- und das nicht nur in Alpenregionen. Es galt als Stilmittel für die heimattreue  Gesinnung und wurde zu dem Kleidungsstück schlechthin in den Heimatfilmen der Nachkriegszeit. Zu er Zeit haben sich auch die ersten Konfektionsbetriebe für Trachtenmode gegründet, die sich meist als Familienbetriebe auf die Herstellung von Dirndln, Walkmoden sowie Trachtenanzügen- und kostümenden verstanden. Die Hersteller sprachen mit ihren Entwürfen ein kosmopolitisches Publikum an und das Dirndl war zu den aufwändigen und kostspieligen traditionellen Frauentrachten eine preiswerte Alternative. Bei dem reisefreudigen Sommerfrischepublikum aus den Städten erfreute sich das Dirndl großer Beliebtheit als “ländliches” Sommerkleid. So oft die Heimatfilme belächelt und als  kitschig bezeichnet werden- der Wunsch nach einer `heilen Welt´schlummert doch in fast jedem von uns. Nicht ohne Grund besinnt man sich in dieser turbulenten Zeit wieder auf alte Werte und Dirndl sind wieder so beliebt wie einst.

weises_rossel_24Mein Vintage-Dirndl entstammt nicht dem Salzkammergut sondern wurde in München entworfen. Charakteristisch dafür ist der sogenannte Münchner Ausschnitt. Auf den Knöpfen und eingewebt im Seidenjacquardstoff ist die Münchner Frauenkirche abgebildet. Auch ein kleines Rössel ist in den Stoff gewebt. Typisch für die Zeit der 50er und 60er Jahre sind die üppigen Borten um den Ausschnitt, die gerafften Ärmel und die Einsätze im Brustbereich. Damals war es nicht unbedingt üblich, eine Bluse unter dem Dirndl zu tragen. Wenn das Dirndl Ärmel hatte, dann waren oft nur Spitzeneinsätze mittels Druckknöpfen im Ausschnitt befestigt. Es besteht aus einem Mieder mit einem angesetzten Schößchen und aus einem seperaten gefältelten Rock. Einige der erwähnten Details tauchen auch bei den Dirndln auf, die Waltraut Haas als Wirtin Josepha Vogelhuber im Film trägt.

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Typische Illustrationen eines Schnittmusterbogens aus den 50er Jahren

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Inspiration:
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Szenen aus “Im Weißen Rössel” von 1960

2 thoughts on “IM WEISSEN RÖSSEL

    1. Lieber Max, vielen Dank für dein Feedback. Ich gebe mir stets größte Mühe, die Artikel in Wort und Bild interessant und authentisch zu gestalten. Und ich freue mich natürlich sehr, wenn das positiv aufgenommen wird. Vielen Dank dafür.

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