VAGABUNDENLEBEN

In der heutigen Zeit erleben wir eine Fülle von Informationsfluten. Durch sämtliche Medien werden wir regelrecht überschüttet mit Informationen. Und wie reagieren wir darauf? Zu oft vereinfachen wir uns das Filtern dieser Informationen, indem wir die Dinge auf Stereotypen reduzieren und uns dadurch entlasten. Säuglinge und Kleinkinder kennen diese Vorurteile noch nicht. Sie entwickeln sie erst, wenn sie beginnen ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen und ihre Eindrücke lernen zu verarbeiten. Diese Vorurteile können positiv oder negativ behaftet sein. Beides ist wichtig im Alltagsleben, denn dieses Verarbeiten unserer Erfahrungen steuert unser Tun und Handeln.  Der Mensch ist darauf ausgelegt, seine Wahrnehmungen und Erlebnisse zu beurteilen und dabei findet nun einmal eine gewisse Verallgemeinerung statt.

“Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil.”-
Albert Einstein

Gefährlich wird dieses vorschnelle Urteilen, wenn wir unsere Fehler  und Miserfolge anderen in die Schuhe schieben wollen. Sind die Menschen frustriert oder unglücklich mit ihrer derzeitigen Lebenssituation, so richten sie ihre Aggression oft auf Menschen oder Gruppen die unbeliebt, leicht identifizierbar und in der Regel machtlos sind. Dieses Verhalten gibt es wohl schon, seit die Menschheit auf der Erde verweilt.

„Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ –
Immanuel Kant, Leitspruch der Aufklärung 1784

Meine Inspiration für diesen Beitrag geht auf ein Theaterstück zurück, das ich am Heiligen Abend vorigen Jahres zusammen mit meiner Familie gesehen habe. Es spielt in der Zeit des 16. Jahrhunderts und handelt davon, dass Menschen aus fernen südlichen Ländern nach Bayern kommen und um eine Bleibe bitten. Natürlich werden sie nicht überall mit offenen Armen empfangen und die Handlung zieht den Zuschauer durch seine Dramatik schnell in seinen Bann. Mich hat dieses Stück sehr ergriffen und es ist kein seichter Stoff, der einmal gesehen wieder in Vergessenheit gerät. Es bewegt nicht nur- es regt auch zum Nachdenken an. Wer der bayrischen Mundart mächtig ist, dem kann ich das Theaterstück `Der Zigeunerbauer´ sehr ans Herz legen.

Vielleicht ist es aber auch manchmal nur der Neid darauf, ein freies ungebundenes Leben zu führen, allen Zwängen und Konventionen zu entfliehen und so viel zu sehen von der Welt wie die, die keinen festen Wohnsitz haben? In der Geschichte wird diese Lebensform oft romantisiert dargestellt am Lagerfeuer bei Tanz und Gesang- doch wie angenehm kann diese Art zu Leben sein, wenn man keine Heimat hat und nur vertrieben wird? Selten ist auf unserer Welt alles nur gut oder durchweg böse. Meistens befinden wir uns irgendwo in einer Grauzone, wenn wir den gesunden Menschenverstand einsetzen und die Dinge hinterfragen, anstatt eine Meinung aus dem Stegreif zu bilden. Und wer erwischt sich nicht das ein oder andere Mal dabei vorschnell zu urteilen? Oder ist das alles nur wieder ein Vorurteil?

vagabundenleben
zigeuner_2vagabundenlebenvagabundenlebenvagabundenleben4IMG_1177.a.thg..jpgIMG_1179.a.thg..jpgIMG_1180.a.thg..jpgAuch Modedesigner lassen sich immer wieder von diesem Stil inspirieren. Designer wie Romeo Gigli, Etro, Giorgio di Sant’Angelo und natürlich Yves Saint Laurent in den 70ern lassen  Elemente in ihre Kollektionen einfließen, die man von der Bekleidung der Sinti und Roma kennt wie Kopftücher, Stickereien, auffällige, farbenfrohe orientalsich anmutende Muster, weit schwingende Röcke und als Accessoires jede Menge Schmuck wie breite Armreifen und auffällige Ketten. Für die Bilder habe ich einige Vintage-Stücke aus meinem persönlichen Fundus kombiniert und umgenäht.fashion_illustration_vagabundenleben

INSPIRATION

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The gypsy girl | Frans Hals, 1628
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The Bohemian – William Adolphe Bouguereau, 1890
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The tambourine player | Thomas Couture
Jean-François Portaels 1818 - 1895
Jean-Francoise Portales
Jean-Francois Portaels, Beautés Orientales
Beaut´s Orientales | Jean-Francois Portales
vogue_70er
Vogue, aus den 70ern

2 thoughts on “VAGABUNDENLEBEN

  1. Cooler Beitrag, denn du hast den Bogen von einem kritischen Thema zur Mode perfekt gespannt. Faszinierend finde ich, dass Worte wie Gypsy noch vor ein paar Jahren einen beleidigenden Unterton hatten, jetzt aber ein (Life-)style sind. Den Reiz dahinter verstehe ich aber. Dein Outfit ist auch sehr ausgefallen aber gelungen 🙂
    Liebe Grüße, Dorie
    http://www.thedorie.com

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  2. Liebe Dorie,
    dankeschön für Dein Feedback. An der Modewelt finde ich besonders spanend, dass sie immer auch ein Spiegel der jeweiligen Zeit und der herrschenden Lebensumstände ist. Mir gefällt es, die Dinge zu hinterfragen und finde jede Menge Anregungen im Alltag- wie dieses Theaterstück. Ich möchte die Beiträge immer interessant und informativ gestalten und freue mich umso mehr, wenn die Themen, die mich beschäftigen, anklang finden.
    Viele Grüße, Michaela

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