CERVANTES

Was ich bei meiner ersten Australienreise bereits unterschätzt habe ist, wie kalt es dort sein kann. Gerade im Frühling sind die Temperaturen am frühen Morgen noch recht kühl. So wie heute. Für uns beginnt der Tag sehr früh. Das ist auch notwendig, denn die Sonne geht im September schon um 18.00 Uhr unter. Nachts zu fahren möchten wir möglichst vermeiden. So verheißungsvoll ein Frühstück unter freiem Himmel in der schönen Landschaft entlang des Indian Ocean Drives auch zu sein scheint- bei den kühlen Frühlingstemperaturen kann ich es nicht recht genießen. Trotz des dicken Schlafsacks, in den ich mich gehüllt habe, der Wollsocken in den Stiefeln und des Schal um meinen Hals beeile ich mich, das Frühstück so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, um die Reise fortzusetzen. Nur der heiß aufgebrühte Tee spendet ein wenig Wärme von innen.

Der Weg entschädigt alle erbrachten Opfer. Die strahlend weißen Dünen, die nun im Frühling gesäumt sind von einer unzähligen Menge an Wildblumen bieten einen bleibenden Eindruck. Schon nach kurzer Fahrzeit erreichen wir Cervantes. Bei Cervantes handelt es sich um ein verschlafenes Fischerdorf.

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Besonders beeindruckend sind die Kontraste. Der Kontrast aus dem strahlend weißen Sandstrand, der sich weitläufig entlang der Küste erstreckt, zu dem türkisblauen Wasser des Ozeans. Von dem Aussichtspunkt, dem sogenannten `Thirsty Point´hat man einen wunderbaren Blick über den Strand. Diese Idylle gibt nichts Preis von den Tragödien längst vergangener Tage. An dieser Küste mussten sich ettliche Schiffsunglücke ereignet haben. Die Wracks, die davon Zeugen könnten, sind dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen und es ist nichts mehr davon zu sichtbar. Nur auf den Informationstafeln lässt sich noch nachvollziehen, was hier einst vorgefallen sein muss. In der Ferne lassen sich die Meeresbewohner wie Buckelwale erahnen, die von Zeit zu Zeit die ein oder andere Wasserfontäne ausstoßen.

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Thirsty Point. Die weißen Dünen und der weitläufige Strand in Cervantes laden zu einem entspannten Strandspaziergang ein. Wer Glück hat, kann hier auch Seelöwen beobachten oder wie jetzt im australischen Frühling, die übermütigen Wale.
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Lake Thetis. Weißer Schaum bildet sich entlang des Ufers von Lake Thetis. Der salzhaltige See wurde vor 4800 Jahren vom Meer seperiert infolge des Rückgangs des Meeresspiegels.

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Der alkalische Salzsee ist einer der wenigen Plätze der Welt, den die `lebendigen Fossilien´, die sogenannten Stromatolithen, ihre Heimat nennen. Stromatolithen werden als die ersten erkennbar durch Organismen aufgebauten Gebilde betrachtet. Sie entstanden schon im Präkambrium. Also existieren sie seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren. Stromatholiten sehen aus wie krustige, domförmige Fladen. Diese fossilen Gebilde aus Bakterien und Argonit sind allerdings sehr leicht zu zerstören und dürfen daher nicht berührt werden. Ein Rundweg von 1,5 km führt um den See.

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Die Landschaft um den See gehüllt in eine bunte Pracht von Wildblumen.

Unserer Mittagspause am See schließt sich ein ungeladener Gast an. Zuerst denke ich an eine Schlange, als ich den verhältnismäßig großen Kopf des Reptils im Gebüsch sehe. Entsetzt ergreife ich die Flucht, bis ich neugierig werde und bei genauerer Betrachtung feststelle, dass das Tier anstatt eines langen Schlangenkörpers über ein eher kurzes Ende verfügt. Eine Zapfenechse. Beruhigt und fasziniert sehe ich mir das behäbige Tier genauer an und freue mich über die unerwartete Gesellschaft. Den Nachmittag verbringen wir am `Jurien Bay´und damit, die nächste Station unserer Reise anzusteuern.

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Die Zapfenechse. Ein unerwarteter aber gern gesehener Gast bei unserer Mittagspaue.

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Jurien Bay

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