ORIENTALISMUS

Schon immer schweifte die Menschheit gerne in die Ferne. Gerade zu Zeiten, als das Reisen noch sehr beschwerlich und ausschließlich den Obersten der Gesellschaft vorbehalten war, traten verstärkt Gestaltungsmerkmale aus dem Fernen Osten in der Malerei, im Kunsthandwerk und der Architektur in Erscheinung. Orientalische Darstellungen traten so bereits im Mittelalter auf. Später, im 18. Jahrhundert spielte vor allem das wertvolle Porzellan eine tragende Rolle als exklusives Importgut. In China fanden sich die Rohstoffe für Porzellan bereits in der benötigten Zusammensetzung als Bodenschatz, während hier zu Lande aufopfernd nach dem sogannten “Arkanum” geforscht werden musste. Chionoiserien erfreuten sich zu dieser Zeit größter Beliebtheit. Im 19. Jahrhundert wird der Orient von europäischen Kunstschaffenden als Ort der Dekadenz und Sinnlichkeit verstanden und diese Wahrnehmung fließt somit auch in deren Werke mit ein. Gerne in der Form von Haremsszenen. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts beeinflusst der aufkommende Japonismus berühmte Maler des Impressionismus.

Natürlich spiegelte sich diese Faszination für fremdländische Kulturen auch in der Welt der Mode wieder. Gerade die Kleidung um 1910 ist sehr stark von einer dekadenten Form des Orientalismus geprägt. Kleidungsstücke, die an japanische Kimonos oder romantisierte Versionen von Haremsmoden erinnerten, galten als modern. Die großen Hüte verschwanden langsam aus der Modewelt und wurden durch den Turban ersetzt. Verspielte Kleider des Jugendstils mit ihrer organischen Formensprache wurden ebenfalls ersetzt durch geradlinige, geometrische Muster und die schimmernden, oft reich bestickten Stoffen im Zeitalter des Art Deco.

Und heute? Da Erleben wir nun die Rückkehr des Orientalismus in die Welt der Mode. Was sich langsam durch geknotete Stirnbänder angekündigt hat, findet sich nun in voller Formvollendung wieder im Turban. Nicht nur auf den Laufstegen wie bei der Herbst/ Winter Kollektion für 2018, die das Haus GUCCI gerade auf der Mailänder Modewoche vorgestellt hat, sondern auch im Streetstyle hat dieses Kopfbedeckung längst ihren Stellenwert gefunden. Heute liegt der Hintergrund dieses Modetrends wohl weniger an den für uns unerreichbar scheinenden Entfernungen und der experimentellen Neugier an dem unerreichbaren Exotischen, wie bei den voraus gegangenen Modebewegungen. Es ist mehr unsere Lust zu Reisen, die uns diesen Trend beschert. Schließlich sind Souveniers aus fernen Ländern immer gefragt. Und nun ist es also der Turban, der den Weg aus dem Orient in europäische Länder gefunden hat. Die Formen des Turbans sind dabei unterschiedlich. Es gibt Modelle aus Strick, die die klassischen Mützen ersetzen, oder aber edlere Varianten aus Samt und glänzenden Materialien wie der Seidenturban von GUCCI, die somit auch bei der Abendgarderobe anklang finden. Ich für meinen Teil freue mich über diesen Trend. Schon seit geraumer Zeit bin ich stolze Besitzerin einiger Vintage-Modelle in Samt und habe nun jegliche Scheu verloren, sie auch im Alltag zu tragen.

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HAT: VINTAGE | BLOUSE: ASOS |TROUSERS: GIORGIO ARMANI

 

INSPIRATION

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Frederik Arthur Bridgman

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Renoir

 

 

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