DUNKLE ZEITEN

Ich drehe die Zeit zurück, als ich noch ein Kind war. Irgendwann war ich aus meinem kleinen Kinderbett herausgewachsen. Als ich mit dem Wunsch nach einem größeren Bett an meinen Vater heran trat, meinte der: “Warte nur. Da findet sich bestimmt irgendwann etwas passendes auf der Versteigerung.” So war es dann auch. Irgendwann findet sich das Passende auf einer Versteigerung. Man muss nur abwarten können.

Und heute? Da habe ich mir viele Gedanken gemacht und am Ende festgestellt: Ich denke ganz genau so. Kürzlich bin ich umgezogen. Ich habe mich gefreut, dass ich mich neu einrichten kann und war mehr als enttäuscht von dem Standardrepertoire der Möbelhäuser. Da ich im Reich der Sperrholz , Span- und Faserplatten nicht fündig wurde, kam mir die Idee, mich nach aniken Möbeln umzusehen. Ich bin absolut begeistert von der Epoche des Jugendstils Anfang des 20. Jhd. und habe gezielt nach Möbeln aus dieser Zeit Ausschau gehalten. Die organische Formensprache, die diffizilen, floralen Schnitzereien und die bunten Tiffany-Glasarbeiten lassen seit jeher mein Herz höher schlagen. Natürlich verstehe ich, dass dieser Stil nicht jedem gefällt. Trotzdem habe ich hier zehn Gründe aufgeführt, die für die Anschaffung von antiken Möbeln sprechen.

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1. Kurze Lieferwege. Es ist erstaunlich, welch umfangreiches Angebot an antiken oder alten Möbeln auf dem Markt kursiert. Wer nicht den Antiquitätenhändler des Vertrauens zu Rate ziehen möchte, der wird ganz sicher über Kleinanzeigen in Zeitungen oder natürlich das Internet fündig. Oft finden sich in nächster Nähe die tollsten Schätze, die auf der Suche nach neuen Liebhabern sind. Selbst wenn das Möbel in weiterer Entfernung seinen derzeitigen Standort hat, ist die Anlieferung kein Problem. Es gibt Kleinspeditionen, die sich auf eben solche Möbeltransporte spezialisiert haben. Die Spediteure sammeln ihre Aufträge und organisieren selbstständig die Abholung und Lieferung, wenn sie genügend Fracht zu ähnlichen Auslieferungsorten zusammen getragen haben. Selbst wenn das Objekt der Begierde also am anderen Ende von Deutschland stehen sollte, so ist der Weg trotzdem noch kürzer, als der, den die Möbelstücke zurück legen, die unter den menschenunwürdigen Bedingunen billig in Litauen oder Weißrussland im Namen des schwedischen Möbelhauses mit den vier gelben Buchstaben produziert werden. Genaueres zu dem Thema: hier.

2. Win-win-Situation. Dies führt mich auch gleich zu dem nächsten Punkt. Wie schon erwähnt ist der Markt voll von alten Möbelstücken. Die Besitzer sind oft froh, wenn sie das Stück abgeben können und es  in guten Händen wissen. Der Verkäufer ist zufrieden. Der Käufer ebenso. Und das ganz ohne Arbeitskräfte in Billiglohnländern auszubeuten. Außerdem gefällt mir der Gedanke sehr, das Erbe unserer Vorfahren zu erhalten und zu hüten wie seinen Augapfel. Welchen größeren Respekt kann man den hoch talentierten Handwerkern vergangener Zeiten entgegen bringen?

3. Qualität. Meine `neuen´alten Möbel haben schon etwa hundert Jahre auf dem Buckel und bei guter Pflege habe ich keinen Zweifel daran, dass die noch mal die selbe Dauer überstehen werden. Natürlich ist die Zeit nicht sprulos an ihnen vorüber gegangen und es ist deutlich zu erkennen, dass sie in Gebrauch waren: Es gibt Wasserränder auf dem Holz hier und da sind sie etwas berieben, die Schlösser sind nicht mehr ganz unversehrt. Trotzdem sind sie qualtitativ hochwertig und für längere Benutzung konzepiert. Dies ist in der heutigen Zeit leider ein Fremdwort und der Profit steht immer im Vordergrund. Kleine Reparaturen sind bei alten Massivholzmöbeln kein Problem und es ist ja auch eine Investition für die Zukunft.

4. Preis- Leistungsverhältnis. Da die privat verkaufenden Vorbesitzer oft froh sind, wenn ihr Möbelstück den Besitzer wechselt und der Markt voll ist mit ungeliebten Stücken ist davon auszugehen, dass das antike Möbel ein nicht ganz so großes Loch in die Haushatskasse reißen wird. Kleine Makel müssen meist aber in Kauf genommen werden.

5. Individuell. Wir sehnen uns nach Individualität und möchten uns selbst verwirklichen. Alte Möbel passen perfekt zu dieser Lebensphilosophie, denn sie sind immer individuell. Je nach Alter des Möbels sind die Stücke nostalgische Zeugen der Zeit, in der sie hergestellt wurden. Jede Epoche hat ihren ganz eigenen Stil. Ein originales Produkt des jeweiligen Zeitalters sein Eigen nennen zu können ist oft dankbarer, als auf Reproduktionen in meist schlechterer qualitativer Ausführung zurück zu greifen. Die kleinen Makel, wie bei Punkt drei erwähnt, verleihen den Stücken nur noch zusätzlichen Charme. Sie sind vergleichbar mit der Patina einer Vintage-Tasche. Alte Möbel lassen sich gut aufbereiten und auch immer mit Neuem kombinieren. Die Maserung von Naturholzmöbeln allein sorgt für eine ganz besondere Ästhetik.

6. Massiv. Eine heute verbindliche Regelung der Bezeichnungen wird durch die DIN 68871 gewährleistet. Wenn sämtliche Teile außer Rückwand und Schubladenböden nicht funiert sind, sondern aus massivem Holz sind, dann gelten sie nach heutigem Maßstab als massiv. Bei antiken Möbeln sind auch die Rückwand und die Schublandenböden massiv.

7. Nachhaltig. Die legale Abholzung der Nadelwälder in Nordeuropa, von Skandinavien bis nach Sibirien für günstige Möbelproduktionen alarmiert Umweltschützer und wird in absehbarer Zeit zu massiven Umweltproblemen führen. Genauere Informationen hier. Antike Möbel sind oft aus heimischen Hölzern in kunstvoller Handarbeit gefertigt. Und das Gute ist: Sie sind bereits vorhanden und müssen nicht erst produziert, nur wieder entdeckt werden.

8. Raumklima. Holz ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff. Das Material sorgt für die Feuchtigkeitsregulierung der Luft, sofern es naturbelassen ist und die Poren nicht verstopft wurden. Wenn das Holz weiterhin atmen kann, nimmt es Feuchtigkeit aus der Luft auf. Dabei quillt es etwas auf – ein Knacken ist oft die Folge davon, aber nicht weiter besorgniserregend. Das Holz gibt die aufgenommene Feuchtigkeit wieder ab, wenn die Luft im Winter trockener wird. So erhält man ganz nebenbei ein gesundes Raumklima.

9. Kapitalanlage. Die Möbelstücke, welche sich in ihrer Formensprache klar einer Kunstepoche zuordnen lassen, können nicht mehr Hergestellt werden und sind auf dem Markt begrenzt. Ihr Wert wird also deutlich steigen zu den Möbeln, die heute als Massenware hergestellt werden. Ein perfekter Restaurationszustand ist dabei Voraussetzung. Antike Möbel der Art Deco, Bauhaus und Barock Epoche sind besonders international gefragt. Sie sind sicher gegen Inflation und bis zu ihrem Verkauf kann man sich an ihnen erfreuen.

10. Optik. Ganz klar ist die Optik der antiken Möbel ein Vorteil zu den heute in Massen produzierten Möbeln. Ich könne die kunstvollen Schnitzereien an meinen Schränken ewig bestaunen und entdecke immer wieder neue Details. Und sie erzählen immer eine Geschichte. Ich für meinen Teil bin dem Charme dieses dunklen Holzes absolut verfallen und hoffe freue mich, wenn mein Text etwas zum Nachdenken anregen wird, wenn der nächste Möbelkauf bevor steht.

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