SCHLÜSSELSZENEN

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Wir kommen an in Exmouth. Trotz der Wärme weht der Wind weht uns nur so um die Ohren. Unsere erste Anlaufstelle ist der Cape Range National Park. Der Standabschnitt Lakeside soll sich hier besonders eignen, um dort zu schnorcheln. Das möchten wir natürlich ausprobieren. Wie es durch den Wind schon fast zu erwarten war, ist der Wellengang relativ stark. Max stürzt sich auch sogleich mitsamt seiner Schnorchelausrüstung in das Wasser. Skeptisch sehe ich mir das Geschehen erst einmal vom Strand aus an. Als wir am Vortag in der Coral Bay geschnorchelt sind, war das Wasser ruhig und. Doch der starke Wind und die Wellen erschweren unser Vorhaben und wenn man mehr damit beschäftigt ist, zu kontrollieren, dass kein Wasser in den Schnorchel gerät und einem dadurch die Luft raubt, so lässt sich die Unterwasserwelt auch nicht wirklich genießen. Kurzum: Wir kapitulieren. Anstatt zu schnorcheln, aalen wir uns am Strand in der Sonne. Und was das für ein Strand ist. Der Sand auf den Dünen ist ganz weiß und bildet einen so schönen Kontrast zu den intensiven Blautönen des Meeres.

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Traumstrand Lakeside
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Das Wrack der SS Mildura ist vom Strand etwa 20 km nördlich von Exmouth aus sichtbar. Von Schnorchelexkursionen wird in dem Bereich aber abgeraten, weil sich hier auch gern Haie tummeln. Und zwar nicht nur der Riffhai. Die Mildura sollte Rinder von den Kimbery´s Richtung Süden bringen. Durch einen Cyclon lief das Schiff jedoch auf Grund. Während die Crew gerettet wurde, überließ man die Rinder ihrem Schicksal.

Und als wir unsere Erkundungstour durch den Nationalpark dann fortsetzen wollen, geschieht es. Die Erkenntnis, dass der Autoschlüssel verschwunden ist, trifft uns wie ein Schlag. Auch die Suche am Strand bleibt erfolglos. Einen Ersatzschlüssel haben wir nicht. Zwar sind die vorderen Türen offen, doch das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Durch das windige Wetter hat es nicht allzu viele Besucher nach Lakeside verschlagen. Neben uns hält sich nur noch ein weiteres Pärchen am Strand auf. Sie kommen aus der Bretagne und sprechen nur wenig Englisch. Doch wir können uns in soweit verständigen, dass sie uns mitnehmen in das Zentrum von Exmouth. Diese etwa 50 km ziehen sich ewig hin und es gilt, erst einmal das Gedankenwirrwarr im Kopf zu ordnen. Unser Fazit ist, dass wir zwangsläufig erst einmal vor Ort bleiben müssen, bis ein Ersatzschlüssel organisiert ist, die Parkranger müssen informiert werden, dass nicht am Ende noch unser Auto abgeschleppt wird und  wir benötigen ein Quartier in Exmouth.

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Campingplatz-Romantik

Den nächsten Tag widmen wir all diesen Organisationen. Jetz heißt es warten. Warten bis der Ersatzschlüssel eintrifft. Dieser befindet sich in Brisbane, an der Ostküste des Landes. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass der Schlüssel schon in zwei Tagen eintreffen soll. Den dritten Tag, den wir in Exmouth verbingen, beschließen wir dann, das Bestmögliche aus der Situation zu machen. Max´ Traum ist es, mit einem Walhai zu schwimmen. Gut, meiner ist es nun nicht unbedingt. Viel zu viel Respekt habe ich vor deren Größe und weit kleinere Tiere können schon enormen Schaden anrichten. Nicht, dass ich den Walhaien unterstellen möchte, sie wären angriffslustig. Das nicht. Ich denke nur, dass es auch bei der Spezies tollpatschige Exemplare geben kann und da wäre ich dann ungerne zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir einigen uns daruf, uns einer Tour im Glasbodenboot anzuschließen. Das Kompetente Team der Ningaloo Ecology Cruises nimmt uns mit hinaus in das große Blau. Wir sehen jahrhunderte alte Korallen, sogenannte “Bommies” die so groß sind, dass sie nur knapp unterhalb des Meeresspiegels liegen, eine vielzahl von Fischen und auch eine Schildkröte kreuzt unsere Wasserwege. Bei einem Schnorchelgang können wir uns all da noch einmal genauer ansehen. Leider ist es immer noch recht windig und der Seegang entsprechend. Trotzdem ist diese Unterwasserwelt sehr faszinierend. Etwas enttäuscht bin ich allerdings, weil das Riff bei weitem nicht die Farbintensität des Great Barriere Riffs aufweist. Alek, unser Bootsführer erklärt, dass es sich bei dem Riff auf der Westseite Australiens um ein suptropisches, nicht um ein tropisches Riff wie das der Ostküste handelt. Da sind die Farben einfach nicht ganz so leuchtend. Beeindruckend ist es- so oder so. Auf der Rückfahrt mit dem Bus machen wir noch einen Abstecher auf der Anhöhe, auf dem der Vlamingh Head Leuchtturm steht. Von hier aus hat man eine herrliche Sicht über die ganze Region.

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Vlamingh Head Lighthouse

Auch am Abend stechen wir wieder in See. Diesmal möchten wir uns das Treiben der Buckelwale zum Sonnenuntergang ansehen. Bei einem Glas Wein und Fingerfood genießen wir das Spektakel, das die übermütigen Kolosse dort  im Meer vorführen. Hauptsächlich die übermütigen Jungtiere springen immer wieder in die Höhe und lassen sich zurück in das Wasser platschen. Ich hätte damit gerechnet irgendwo in weiter Ferne vielleicht einen Wal zu sehen, doch mit dieser Vielzahl habe ich ganz und gar nicht gerechnet. Immer wieder und in allen Richtungen schießen sie empor und mir kommt es vor, als würden sie regelrecht Theater für uns spielen. Und was für eine beeindruckende Vorstellung da geboten wird.

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Nach diesem wundervollen Abend werden wir aber wieder auf den Boden der Realität geholt. Unser Ersatzschlüssel trifft nicht ein und wir bezweifeln stark, ob er überhaupt verschickt wurde. Gerade, als ich dabei war die Hoffnung zu verlieren, da kam die frohe Botschaft. Unser Schlüssel wurde gefunden! Der Finder hat ihn irgendwo am Strand entdeckt und ihn im Handschuhfach hinterlegt. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Sofort organisieren wir einen Mietwagen, mit dem wir in den Cape Range National Park fahren um unser Auto abzuholen. Der Weg dort hin ist malerisch. In der Abendstimmung säumen Wallabies unsere Wege und die untergehende Sonne taucht die Landschaft in einen warmen Orangeton. Das Auto steht noch genau so da, wie wir es verlassen haben. Das finde ich so beeindruckend an Autralien. Wohin man auch kommt, trifft man auf aufrichtige, hilfsbereite Menschen, die uns wildfremden Menschen helfen, wo sie nur können. Vielleicht ist das die Moral dieser Geschichte.

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Überall im Ort stehen Verkehrsschilder, die mittels Emu-Piktogrammen vor den großen Vögeln warnen, die immer wieder mal die Straßen und Vorgärten unsicher machen.
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Emus sind nicht die einzigen Vögel ohne Scheu. Auch der Rosakakadu, genannt Galah, bleibt bei der Anwesenheit von Zweibeinern entspannt und lässt sich gut beobachen.
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Kängurus in der Abendstimmung
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Jurabi Turtle Centre. Hier lassen sich Meeresschildkröten bei der Eiablage finden, wenn man zur rechten Zeit am rechten Ort ist.

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