QUARABS, BOABS UND WELLBLECHPISTEN

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Der Tank ist gefüllt, die Lebensmittelreserven aufgestockt und das Wichtigste bei sengender Hitze: Wir haben genug Wasser mit uns. Vor uns liegen 660 km Staub, Schlaglöcher und Wellblechpisten. Dabei handelt es sich um unbefestigte Straßenabschnitte, die quer zur Fahrtrichtung liegende Bodenwellen aufweisen, die an ein Waschbrett oder eben an Wellblech erinnern. Verursacht werden diese sogenannten „corrugations“ durch schwere Fahrzeute wie die Roadtrains, für die diese Strecke ursprünglich entstanden ist. Kurz vor dem Ort Derby machen wir jedoch noch einen kurzen Stopp und sehen uns den Prison Tree an. 1.500 Jahre ist er alt und soll um 1890 als Gefängniszelle für australische Ureinwohner gedient haben. Zumindest wird die Geschichte eines anderen Prison Trees, welcher in Wyndham zu finden ist, auf diesen nahe Derby projeziert. Belegt ist dies jedoch nicht. Eine Attraktion ist der Boab Baum auf jeden Fall und als wir dort ankommen, da wird der gewaltige Methusalem bereits in ein warmes Abendlicht gehüllt. Eine absolut mysthische Stimmung. Sehr weit kommen wir am ersten Abend auf der Gibb River Road nicht. Wir verbringen die Nacht in Birdwood Downs. Gerade wenn man es am wenigsten erwartet, trifft man auf Landsmänner, bzw. -frauen. Eine junge Mutter, die von Dresden nach Australien ausgewandert ist, hat sich zusammen mit ihren beiden kleinen Kindern das Gleiche Ziel gesetzt wie wir: Die Gibb River Road. Doch ihr Sohn hat sich den Arm verletzt und so bleiben sie vorerst in Birdwood Downs, um schnell Zugang zu ärztlicher Versorgung zu haben. Zeitdruck haben die Drei nicht. Die Kinder gehen nicht zur Schule, denn die Mutter erteilt ihnen Unterricht. Sie helfen auf dem Hof mit und erhalten im Gegenzug Kost und Logie. Sicherlich ist das klassische Lebensmodell Karriere zu machen, sich zu verheiraten, einen Baum zu Pflanzen, Kinder zu zeugen und sich einen Hund anzuschaffen, Vorreiter bei der Lebensplanung. Doch es ist sehr interessant festzustellen, dass es auch noch andere auf ihre Art und Weise funktionierende Wege gibt, die im bürokratischen Deutschland sicher unmöglich wären. Wir schlafen ein im Freien unter einem unvergleichlichen Sternenhimmel den es so nur im australischen Outback gibt.

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Am Morgen weckt mich der Kookaburra- der Lachende Hans- mit seinem Gelächter, das stark an einen Affen erinnert. Danach stimmen immer weitere Vögel lautstark in diesen Morgengruß ein. Oje. Ich habe mich bereits so an diesen morgendlichen Gesang gewöhnt, dass ich ihn nie wieder missen möchte. An den Abschied aus diesem Land voller Wunder möchte ich noch gar nicht denken. Erst jetzt, bei Tageslicht, bemerke ich, welch ein schöner, liebevoll gepflegter Ort Birdwood Downs eigentlich ist. Nach einem schnellen Frühstück schlendere ich vorbei den Bananenplantagen und den “Savannah huts”in Richtung der Stallungen. Dort erwarten mich eine Schimmelstute namens “Saltana” und einen junge Frau, die derzeit die Reitbegeisterten auf dem Anwesen betreut. Sie ist ebenfalls aus Deutschland. Sie führt mich hoch zu Ross über den Grund und Boden von Birdwood Downs. Ich bin eigentlich eher große Pferde wie Warmblüter gewohnt und ein so kleines, zierliches Pferd zu reiten ist gewöhnungsbedürftig für mich. Nichts desto trotz genieße ich es wieder auf dem Pferd zu sitzen nach so langer Zeit der Abstinenz. Wir galoppieren über den trockenen Boden, bevor es zu heiß wird und verschwinden in einer roten Staubwolke.

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Nach einer herzlichen Verabschiedung von unseren neuen Bekanntschaften setzen wir unseren Weg entlang der Gibb River Road fort. Das Windjana Gorge ist unser nächster Zwischenstopp. Zum Baden eignet sich dieses Gorge nicht und uns wird schnell der Grund dafür klar, als wir die Frischwasserkrokodile  bei ihrem Sonnenbad im schlammigen Wasser entdecken. Die Schluchtenwände, die einst ein Korallenriff waren, sind beeindruckend. Neben einer Vielzahl von Schmetterlingen finden sich auch Versteinerungen von Meerestieren in den Felsen.

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“An jeder Sache etwas zu sehen suchen was noch niemand gesehen und woran noch niemand gedacht hat. “

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), deutscher Physiker

 

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Unser nächstes Ziel ist das Bell Gorge. Der Weg beginnt mit einer kurzen, entspannten Wanderung durch das Bell Creek. Je näher wir dem Ziel kommen, desto rutschiger werden die Felsen und das letzte Stück erfordert Trittsicherheit. Auch schwindelfrei sollte man sein, wenn man dem Steig hinunter in das Gorge folgt. Bei der Überquerung des Creeks stören wir einen Goana bei seinem Sonnenbad. Die Echse ist sicher genauso erschrocken ist durch unsere Anwesenheit wie wir durch die seine und schnell setzen wir unseren Weg fort. Im Gorge erwartet uns kaltes, klares Wasser. Die perfekte Abkühlung bei den heißen Temperaturen.

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Die malerische Landschaft des Bell Gorge gesäumt durch die King Leopold Ranges.

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Früh am nächsten Morgen erreichen wir die Mount Elizabeth Station. Als wir den Eingangsbereich betreten, bemerke ich sogleich die Bilder an der Wand. Eines davon zeigt ein Gorge, in das ein breiter Wasserfall fließt. Die Frau an der Rezeption erklärt mir, dass es sich hierbei um das sogenannte “Wunnamurra Gorge” handelt. Das Wasser würde aufgrund der trockenen Witterung momentan nicht so stark fließen, doch es gäbe wundervolle Felsmalereien zu bestaunen dort. Sie spricht aber auch eine Warnung vor der Strecke bis zu dem Gorge aus. Wir müssten äußerst langsam fahren, da die Straßenverhältnisse nicht die besten seien. Den Ratschlag befolgen wir. Das heißt, uns bleibt gar keine andere Wahl. Die Dame hat keineswegs untertrieben mit der Behauptung, dass die Straßenverhältnisse schlecht seien. Oftmals grübelten wir, ob wir uns überhaupt noch auf der sogenannten “Straße” befinden, oder ob wir längst vom Weg abgekommen sind. Der Weg ist nicht nur holprig, er versetzt uns teilweise in eine derartige Schräglage, dass wir befürchten umzukippen. Und der Weg zieht sich. Sind wir noch richtig? Sollten wir nicht längst am Ziel sein? Hätten wir vielleicht doch anders fahren müssen? All diese Fragen stellen wir uns, bis wir an eine Stelle kommen, die möglicher Weise der angekündigte “Parkplatz” sein könnte. Zumindest ist die Stelle etwas breiter als der Weg zuvor. Zu Fuss marschieren wir weiter unserem Ziel entgegen. Gerade als uns der Mut verlassen will, hören wir ein Rauschen. Der Wasserfall. Und dann stehen wir vor dem Gorge mit seiner urzeitlich anmutenden Fauna und türkisblauem, klaren Wasser. Was für eine Schönheit. Wir steigen die Metallleitern herab und klettern die Felsen hinunter bis zum Wasser. Übervorsichtig wie ich einmal bin überlege ich noch eine Weile, doch die Hitze und die Wohltat des kalten Wassers, das meine Knöchel umspült, lassen mir keine andere Wahl als in dieser paradisischen Oase zu schwimmen. Es ist traumhaft. Ein kleines Paradies nur für uns.

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Am Wegesrand der 30 km von der Gibb River Road gelegenen Mount Elizabeth Station.
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Wunnamurra Gorge | Mount Elizabeth Station

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Abendstimmung am Hann River Gorge | Mount Elizabeth Station. Das Erkunden der Gorges ist ein idealer Ausgleich zu der Fahrt auf der holprigen Gibb River Road. Nach dem ohrenbetäubenden Krach, der durch die Waschbrettpisten verursacht wird, weiß man die Stille erst richtig zu schätzen.
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Die kleine Chloe. So haben Kinder auf dem Campingplatz der Mount Elizabeth Station das neugierige Wallaby getauft, das ab und an bei den Campern vorbei schaut und sich dabei auch streicheln lässt.

 

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