WILDNIS

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Cockburn Range
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Regenbogen Bienenfresser

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Langsam erreichen wir das Ende der Gibb River Road. Einerseits genießen wir die wilde Schönheit der Gegend und die abenteuerliche Fahrt auf den Schotterstraßen, andererseits freuen wir uns aber auch auf die befestigten Straßen, damit das permanente Rütteln während der Fahrt ein Ende hat. Der Geräuschpegel während der Fahrt kann nach einigen Tagen schon sehr anstrengend werden. Aber wie gesagt- die Landschaft, durch die unsere Reise führt, macht einiges wieder wett. Nach einem Frühstück auf dem Campingplatz der Mount Elizabeth Station in der Gesellschaft von Wallaby “Chloe” und eines vorwitzigen Federviehs, das es auf mein Frühstück abgesehen hat, setzen wir unseren Weg fort. Natürlich nicht ohne noch einmal ausgiebig den weichen Pelz des zahmen Wallabies gekrault zu haben.

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Pigeon Hole Lookout mit Blick auf den Chamberlain River

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Unser nächstes Ziel ist der El Questro Wildnispark. Eigentlich bin ich immer skeptisch gegenüber touristischen Attraktionen. Und obwohl die einstige Rinderfarm sehr auf Tourismus ausgerichtet ist, bin ich trotzdem begeistert. Der Campingplatz ist direkt an einem kleinen Fluss gelegen, der bei der Hitze sehr zu einem Bad einläd. Vorausgesetzt dass einen die kleinen Fische nicht stören, die gerne mal an einem herumknabbern. Um das Wasser herum lassen sich auch verschiedene Vogelarten wie Corellas oder die farbenfroh schillernden Lories gut beobachten. Mittags essen wir in dem Restaurant. Was soll ich sagen. Australien hat so viele Facetten, die eine Reise wirklich lohnen. Was die australische Küche betrifft, so sollte man als Europäer vielleicht nicht zu große Erwartungen haben. Gleich drei Kookaburras gleichzeitig leisten uns Gesellschaft in der Hoffnung, dass auch etwas für sie abfällt von unseren Speisen. Am Abend fahren wir zu dem sogenannten “Pigeon Hole Lookout”. Von dort aus hat man einen wunderbaren Ausblick über das Areal und begreift erst wirklich, wie gigantisch groß El Questro eigentlich ist. Es umfasst bald fünf mal die Fläche von Berlin. Am Abend besuchen wir noch die Bar und lassen den Tag entspannt bei Gitarrenmusik und einem `Stubbie´Bier ausklingen.

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Früh am nächsten Morgen brechen wir auf. Unser Ziel ist das El Questro Gorge. Schon der Weg dort hin ist spektakulär.

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Auch an unserem 2. Tag in El Questro können wir nicht genug bekommen von dem Blick über die Kimberley Region

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Die Tage vergehen wie im Flug. Den letzten Tag beginnen wir in den Zebedee Thermal Springs. Sie sind nur bis mittags geöffnet und es lohnt sich früh aufzustehen, da der Andrang sehr groß ist. Inmitten von riesigen Livistonia Palmen befinden sich kleine Pools, die sich kaskadenförmig furch die Felsen schrauben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gorges ist das Wasser in den Zebedee Springs sehr warm. Oben ist das Wasser am wärmsten uns kühlt auf seiem Weg nach unten etwas ab. Dem Wasser wird eine heilende Wirkung nachgesagt.

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Zebedee Springs

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Der berühmteste Anlaufpunkt auf El Questro ist wohl das Emma Gorge. Es führen gut gekennzeichnete Wege durch die felsige Landschaft in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Auch wenn der Weg etwas lang erscheint, so lohnt er sich am Ende auf jeden Fall. Das kalte Wasser ist erfrischend, auch wenn diese Erfrischung bei den heißen Temperaturen nicht lange vor hält. Der Blick auf die Felsen, die ein beeindruckendes Farbspiel je nach Lichteinfall bieten und über die kleine Rinnsäle herabfallen, ist sehr faszinierend. Auf dem Rückweg bin ich einen Moment unachtsam und stürze. Wie schnell doch ein Misgeschick Pläne durchkreuzen kann. Zum Glück kann ich mich noch abstützen, bevor mein Kopf auf dem Stein aufschlägt und so sind nur meine Knie in Mitleidenschaft gezogen. Die Rast für die Glieder kommt mir auf der  anschließenden Fahrt nach Kununurra sehr gelegen.

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Emma Gorge

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QUARABS, BOABS UND WELLBLECHPISTEN

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Der Tank ist gefüllt, die Lebensmittelreserven aufgestockt und das Wichtigste bei sengender Hitze: Wir haben genug Wasser mit uns. Vor uns liegen 660 km Staub, Schlaglöcher und Wellblechpisten. Dabei handelt es sich um unbefestigte Straßenabschnitte, die quer zur Fahrtrichtung liegende Bodenwellen aufweisen, die an ein Waschbrett oder eben an Wellblech erinnern. Verursacht werden diese sogenannten „corrugations“ durch schwere Fahrzeute wie die Roadtrains, für die diese Strecke ursprünglich entstanden ist. Kurz vor dem Ort Derby machen wir jedoch noch einen kurzen Stopp und sehen uns den Prison Tree an. 1.500 Jahre ist er alt und soll um 1890 als Gefängniszelle für australische Ureinwohner gedient haben. Zumindest wird die Geschichte eines anderen Prison Trees, welcher in Wyndham zu finden ist, auf diesen nahe Derby projeziert. Belegt ist dies jedoch nicht. Eine Attraktion ist der Boab Baum auf jeden Fall und als wir dort ankommen, da wird der gewaltige Methusalem bereits in ein warmes Abendlicht gehüllt. Eine absolut mysthische Stimmung. Sehr weit kommen wir am ersten Abend auf der Gibb River Road nicht. Wir verbringen die Nacht in Birdwood Downs. Gerade wenn man es am wenigsten erwartet, trifft man auf Landsmänner, bzw. -frauen. Eine junge Mutter, die von Dresden nach Australien ausgewandert ist, hat sich zusammen mit ihren beiden kleinen Kindern das Gleiche Ziel gesetzt wie wir: Die Gibb River Road. Doch ihr Sohn hat sich den Arm verletzt und so bleiben sie vorerst in Birdwood Downs, um schnell Zugang zu ärztlicher Versorgung zu haben. Zeitdruck haben die Drei nicht. Die Kinder gehen nicht zur Schule, denn die Mutter erteilt ihnen Unterricht. Sie helfen auf dem Hof mit und erhalten im Gegenzug Kost und Logie. Sicherlich ist das klassische Lebensmodell Karriere zu machen, sich zu verheiraten, einen Baum zu Pflanzen, Kinder zu zeugen und sich einen Hund anzuschaffen, Vorreiter bei der Lebensplanung. Doch es ist sehr interessant festzustellen, dass es auch noch andere auf ihre Art und Weise funktionierende Wege gibt, die im bürokratischen Deutschland sicher unmöglich wären. Wir schlafen ein im Freien unter einem unvergleichlichen Sternenhimmel den es so nur im australischen Outback gibt.

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Am Morgen weckt mich der Kookaburra- der Lachende Hans- mit seinem Gelächter, das stark an einen Affen erinnert. Danach stimmen immer weitere Vögel lautstark in diesen Morgengruß ein. Oje. Ich habe mich bereits so an diesen morgendlichen Gesang gewöhnt, dass ich ihn nie wieder missen möchte. An den Abschied aus diesem Land voller Wunder möchte ich noch gar nicht denken. Erst jetzt, bei Tageslicht, bemerke ich, welch ein schöner, liebevoll gepflegter Ort Birdwood Downs eigentlich ist. Nach einem schnellen Frühstück schlendere ich vorbei den Bananenplantagen und den “Savannah huts”in Richtung der Stallungen. Dort erwarten mich eine Schimmelstute namens “Saltana” und einen junge Frau, die derzeit die Reitbegeisterten auf dem Anwesen betreut. Sie ist ebenfalls aus Deutschland. Sie führt mich hoch zu Ross über den Grund und Boden von Birdwood Downs. Ich bin eigentlich eher große Pferde wie Warmblüter gewohnt und ein so kleines, zierliches Pferd zu reiten ist gewöhnungsbedürftig für mich. Nichts desto trotz genieße ich es wieder auf dem Pferd zu sitzen nach so langer Zeit der Abstinenz. Wir galoppieren über den trockenen Boden, bevor es zu heiß wird und verschwinden in einer roten Staubwolke.

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Nach einer herzlichen Verabschiedung von unseren neuen Bekanntschaften setzen wir unseren Weg entlang der Gibb River Road fort. Das Windjana Gorge ist unser nächster Zwischenstopp. Zum Baden eignet sich dieses Gorge nicht und uns wird schnell der Grund dafür klar, als wir die Frischwasserkrokodile  bei ihrem Sonnenbad im schlammigen Wasser entdecken. Die Schluchtenwände, die einst ein Korallenriff waren, sind beeindruckend. Neben einer Vielzahl von Schmetterlingen finden sich auch Versteinerungen von Meerestieren in den Felsen.

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“An jeder Sache etwas zu sehen suchen was noch niemand gesehen und woran noch niemand gedacht hat. “

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), deutscher Physiker

 

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Unser nächstes Ziel ist das Bell Gorge. Der Weg beginnt mit einer kurzen, entspannten Wanderung durch das Bell Creek. Je näher wir dem Ziel kommen, desto rutschiger werden die Felsen und das letzte Stück erfordert Trittsicherheit. Auch schwindelfrei sollte man sein, wenn man dem Steig hinunter in das Gorge folgt. Bei der Überquerung des Creeks stören wir einen Goana bei seinem Sonnenbad. Die Echse ist sicher genauso erschrocken ist durch unsere Anwesenheit wie wir durch die seine und schnell setzen wir unseren Weg fort. Im Gorge erwartet uns kaltes, klares Wasser. Die perfekte Abkühlung bei den heißen Temperaturen.

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Die malerische Landschaft des Bell Gorge gesäumt durch die King Leopold Ranges.

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Früh am nächsten Morgen erreichen wir die Mount Elizabeth Station. Als wir den Eingangsbereich betreten, bemerke ich sogleich die Bilder an der Wand. Eines davon zeigt ein Gorge, in das ein breiter Wasserfall fließt. Die Frau an der Rezeption erklärt mir, dass es sich hierbei um das sogenannte “Wunnamurra Gorge” handelt. Das Wasser würde aufgrund der trockenen Witterung momentan nicht so stark fließen, doch es gäbe wundervolle Felsmalereien zu bestaunen dort. Sie spricht aber auch eine Warnung vor der Strecke bis zu dem Gorge aus. Wir müssten äußerst langsam fahren, da die Straßenverhältnisse nicht die besten seien. Den Ratschlag befolgen wir. Das heißt, uns bleibt gar keine andere Wahl. Die Dame hat keineswegs untertrieben mit der Behauptung, dass die Straßenverhältnisse schlecht seien. Oftmals grübelten wir, ob wir uns überhaupt noch auf der sogenannten “Straße” befinden, oder ob wir längst vom Weg abgekommen sind. Der Weg ist nicht nur holprig, er versetzt uns teilweise in eine derartige Schräglage, dass wir befürchten umzukippen. Und der Weg zieht sich. Sind wir noch richtig? Sollten wir nicht längst am Ziel sein? Hätten wir vielleicht doch anders fahren müssen? All diese Fragen stellen wir uns, bis wir an eine Stelle kommen, die möglicher Weise der angekündigte “Parkplatz” sein könnte. Zumindest ist die Stelle etwas breiter als der Weg zuvor. Zu Fuss marschieren wir weiter unserem Ziel entgegen. Gerade als uns der Mut verlassen will, hören wir ein Rauschen. Der Wasserfall. Und dann stehen wir vor dem Gorge mit seiner urzeitlich anmutenden Fauna und türkisblauem, klaren Wasser. Was für eine Schönheit. Wir steigen die Metallleitern herab und klettern die Felsen hinunter bis zum Wasser. Übervorsichtig wie ich einmal bin überlege ich noch eine Weile, doch die Hitze und die Wohltat des kalten Wassers, das meine Knöchel umspült, lassen mir keine andere Wahl als in dieser paradisischen Oase zu schwimmen. Es ist traumhaft. Ein kleines Paradies nur für uns.

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Am Wegesrand der 30 km von der Gibb River Road gelegenen Mount Elizabeth Station.
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Wunnamurra Gorge | Mount Elizabeth Station

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Abendstimmung am Hann River Gorge | Mount Elizabeth Station. Das Erkunden der Gorges ist ein idealer Ausgleich zu der Fahrt auf der holprigen Gibb River Road. Nach dem ohrenbetäubenden Krach, der durch die Waschbrettpisten verursacht wird, weiß man die Stille erst richtig zu schätzen.
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Die kleine Chloe. So haben Kinder auf dem Campingplatz der Mount Elizabeth Station das neugierige Wallaby getauft, das ab und an bei den Campern vorbei schaut und sich dabei auch streicheln lässt.

 

PERLENSTADT

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Cable Beach in Broome

Wir würden gerne länger bleiben. In der Pilbara Region haben Geologen anhand der 3,52 Milliarden Jahre alten Mineralien das älteste Festland unseres Planetens nachgewiesen. Die bizaren Formen und die Farbenvielfalt der karminroten Felsen, die von Reichtum an Eisenerz zeugen, faszinieren uns sehr und wir können uns nur schwer loseisen. Wir folgen der von Spinifex-Gras und Termitenhügeln gesäumten, wüstenähnlichen Landschaft Richtung Norden. Unser nächstes Ziel ist die Hafenstadt Portheadland. Dort angekommen, wünschen wir uns einmal mehr zurück in die urzeitliche Landschaft, die wir zuvor erkunden durften. Port Headland ist aus einer Mienenstadt entstanden und bietet nicht wirklich Anreiz dort zu verweilen. Wir nutzen lediglich die Gelegenheit, um unseren Lebensmittelvorrat wieder aufzustocken und setzen unseren Weg dann fort. Beide haben wir den Eindruck, dass in dieser Stadt gewisse Spannungen wahrnehmbar sind. So setzen wir die Reise Richtung Broome fort. Eine lange Reise.

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Das “Sun Pictures” ist das weltweit älteste Kino,  das heute noch in Betrieb ist.

Die Stadt Broome war einst bekannt als die “Perlenhauptstadt der Südhalbkugel” und was andernorts als `Goldrausch´bezeichnet wurde, war hier die Besessenheit, die schönsten und größten Perlen zu finden. Zahlreiche neue Siedler wurden mit der Aussicht auf Arbeit auf einem Perlen-Lugger nach Australien gelockt. Der Japanische Friedhof zeigt, dass dies keine leichten Aufgaben waren, die die Perlentaucher erbringen mussten. Das Aufkommen von Kunst- und Zuchtperlen stürzte die Region in die Kriese und Broome hatte wirtschaftlich keine Bedeutung mehr. Im 2. Weltkrieg setzte ein Bombenangriff der Stadt zusätzlich zu. Heute ist die Perlenindustrie in kleinerem Ausmaß zurück gekehrt.

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Broome hat einiges an Freizeitaktivitäten zu bieten. Besonders bekannt ist der Cable Beach. Den ungewöhnlichen Namen trägt er, da die ehemaligen Telegraphenleitungen zwischen Broome und der Insel Java hier entlang führten. Der weiße Sand des Strands bildet einen unwirklich erscheinenden Kontrast zu der vorherschenden Farbe des Bodens: Einem tiefen Rot. Bei um die 40°C schließen wir unser einer Kamelsafari entlang des endlos erscheinenden Strands. In meiner Erinnerung ist ein Ritt auf einem Kamel sehr holprig und nicht wirklich zu genießen. So bin ich recht postitiv überrascht, dass der Ritt sich doch weit angenehmer gestaltet, als erwartet. Sicher würde ich ein Pferd für einen Ausritt noch immer bevorzugen. Aber auf diesem hochbeinigen Tier dem Sonnenuntergang entgegen zu reiten, hat durchaus seinen Reiz. Der Cable Beach ist zu bestimmten Zeiten mit Fahrzeugen mit Allradantrieb befahrbar. Erschöpft von dem Ritt in der Hitze und den weiteren Erkundungstouren durch die Stadt, lassen wir den Tag entspannt bei einem Picknik am Strand ausklingen und wir warten, bis die spektakuläre rote Sonne in das Meer eintaucht und versinkt.

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WUNDERLAND

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Ein früher Aufbruch in Exmouth. Dieser Himmel ist es auf jeden Fall wert, früh aus den Federn zu kommen.

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Teppiche von Wildblumen säumen unsere Wege durch das Outback.

Wir beginnen unsere Reise in Exmouth früh, denn wir sind uns dessen bewusst, was vor uns liegt: Eine lange Autofahrt entland des North West Coastal Highway bis zu unserem nächsten Ziel. Doch die Strecke der Pilbara Region von der Küsten in das Inland ist wieder einmal faszinierend. Die flache Gegend wird nach und nach zu einer bergigen, felsigen Landschaft mit in der heißen Sonne rot leuchtenden Erde. Der Boden erzittert nur so, wenn einer der bis zu  53,50 Meter langen Roadtrains unseren Weg kreuzt. Die Gegend ist reich an Bodenschätzen und die Aufgabe der Roadtrains ist, die abgebauten Rohstoffe zu den Häfen nach Dampier oder Port Headland zu transportieren. In Tom Price bietet sich uns ein spektakulärer Panoramablick über die Stadt und die Hamersley Ranges vom Gipfel des Mt. Nameless aus. Erst am Abend erreichen wir unser Ziel: Den Karijini National Park. Wir campen die Nacht auf dem Campingplatz am Dales Gorge.

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Es zahlt sich aus früh auszustehen und ein morgendliches Bad in einem der Gorges zu nehmen und sich so etwas Abkühlung zu verschaffen, bevor die üblichen Tagestemperaturen erreicht werden. Es führen einige Wanderwege durch die tiefen Schluchten und es finden sich immer wieder faszinierende Aussichten auf die roten Felsen des Parks, die zusammen mit der Pflanzenwelt an ein Land lange vor unserer Zeit erinnern Auf den Felsen entdecken wir immer wieder Echsen, die sich in der Sonne aalen und durch ihre Färbung perfekt getarnt sind. Wir haben leider etwas Zeit verloren, durch unseren Aufenthalt in Exmouth, der sich unerwartet etwas in die Länge gezogen hat. So blieb uns nur ein Tag an diesem magischen Ort. Es lohnt sich allerdings etwas mehr Zeit mitzubringen.

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HINTERLAND

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Wenn man eine Reise tut, so trifft man von Zeit zu Zeit auf Gleichgesinnte. Man tauscht sich aus über die Reisepläne und gibt, bzw. erhält auch gerne die ein oder andere Empfehlung. So geschehen ist uns das in der Shark Bay Region beispielsweise. Eine Amerikanerin schwärmte uns dort so vor von einer Übernachtungsmöglichkeit namens Bullarra Station, dass wir diese Unterkunft in unserer Reiseplanung mit berücksichtigen. Erst spät in der Nacht erreichen wir unser Ziel. Gerade noch wundern wir uns, wer denn hier große Steine auf die Zufahrtsstraße der Ranch gelegt hat, da sehen wir, dass der vermeintliche Stein bei genauerer Betrachtung mit den Ohren wackelt. Die farblich der roten Erde angepassten Kühe sehen liegend in der Dunkelheit durch ihre Silhouette wirklich ein wenig aus wie ein Stein. Tatsächlich ist der Hof so spät abends noch belebt. Nach dem wir uns angemeldet haben, verweilen wir noch eine Weile mit Reisenden aus Südaustralien in der Küche. Doch dann gehen wir zu Bett. Wie schön es ist, auf dem Autodach zu schlafen. Über uns dieser gigantische Mond, der auf dem Rücken liegt und millionen von Sterne, die mitten im Nirgendwo und ohne all die künstliche Beleuchtung so viel größer und klarer erscheinen. Nur wir, die warme Nachtluft und dieser beeindruckende Sternenhimmel.

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Tags darauf sehen wir uns erst eimal um auf der Station. Wir beginnen den Tag so, wie unsere amerikanische Bekannte es uns empfohlen hat: Mit Kaffee und frisch gebackenen Scones mit Marmelade und Sahne. Wir bewundern, mit wie viel Liebe zum Detail alles hier gestaltet wurde. Auf einem alten Herd neben unserem Tisch steht ein großer Strauß mit Wildblumen und überall auf dem Gelände sind nette, handwerkliche Spielereien zu finden. Wir werden sehr aufmerksam umsorgt und können unseren Aufenthalt in vollen Zügen genießen. An unser Frühstück schließen wir noch einen kleinen Spaziergang an. Wir wandern über den von der Sonne verbrannten, roten Boden und sehen neben den Rindern und Pferden unterschiedliche Vögel wie Corellas und winzige Finken, die durch die trockenen Büsche huschen. Mein Opa hat Vögel gezüchtet, als ich noch klein war und sie haben mich immer schon fasziniert. Ich bin mir sicher, dass auch er begeistert gewesen wäre, wenn er seine geliebten Nymphensittiche in freier Natur hätte bewundern können.

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SCHLÜSSELSZENEN

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Wir kommen an in Exmouth. Trotz der Wärme weht der Wind weht uns nur so um die Ohren. Unsere erste Anlaufstelle ist der Cape Range National Park. Der Standabschnitt Lakeside soll sich hier besonders eignen, um dort zu schnorcheln. Das möchten wir natürlich ausprobieren. Wie es durch den Wind schon fast zu erwarten war, ist der Wellengang relativ stark. Max stürzt sich auch sogleich mitsamt seiner Schnorchelausrüstung in das Wasser. Skeptisch sehe ich mir das Geschehen erst einmal vom Strand aus an. Als wir am Vortag in der Coral Bay geschnorchelt sind, war das Wasser ruhig und. Doch der starke Wind und die Wellen erschweren unser Vorhaben und wenn man mehr damit beschäftigt ist, zu kontrollieren, dass kein Wasser in den Schnorchel gerät und einem dadurch die Luft raubt, so lässt sich die Unterwasserwelt auch nicht wirklich genießen. Kurzum: Wir kapitulieren. Anstatt zu schnorcheln, aalen wir uns am Strand in der Sonne. Und was das für ein Strand ist. Der Sand auf den Dünen ist ganz weiß und bildet einen so schönen Kontrast zu den intensiven Blautönen des Meeres.

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Traumstrand Lakeside
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Das Wrack der SS Mildura ist vom Strand etwa 20 km nördlich von Exmouth aus sichtbar. Von Schnorchelexkursionen wird in dem Bereich aber abgeraten, weil sich hier auch gern Haie tummeln. Und zwar nicht nur der Riffhai. Die Mildura sollte Rinder von den Kimbery´s Richtung Süden bringen. Durch einen Cyclon lief das Schiff jedoch auf Grund. Während die Crew gerettet wurde, überließ man die Rinder ihrem Schicksal.

Und als wir unsere Erkundungstour durch den Nationalpark dann fortsetzen wollen, geschieht es. Die Erkenntnis, dass der Autoschlüssel verschwunden ist, trifft uns wie ein Schlag. Auch die Suche am Strand bleibt erfolglos. Einen Ersatzschlüssel haben wir nicht. Zwar sind die vorderen Türen offen, doch das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Durch das windige Wetter hat es nicht allzu viele Besucher nach Lakeside verschlagen. Neben uns hält sich nur noch ein weiteres Pärchen am Strand auf. Sie kommen aus der Bretagne und sprechen nur wenig Englisch. Doch wir können uns in soweit verständigen, dass sie uns mitnehmen in das Zentrum von Exmouth. Diese etwa 50 km ziehen sich ewig hin und es gilt, erst einmal das Gedankenwirrwarr im Kopf zu ordnen. Unser Fazit ist, dass wir zwangsläufig erst einmal vor Ort bleiben müssen, bis ein Ersatzschlüssel organisiert ist, die Parkranger müssen informiert werden, dass nicht am Ende noch unser Auto abgeschleppt wird und  wir benötigen ein Quartier in Exmouth.

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Campingplatz-Romantik

Den nächsten Tag widmen wir all diesen Organisationen. Jetz heißt es warten. Warten bis der Ersatzschlüssel eintrifft. Dieser befindet sich in Brisbane, an der Ostküste des Landes. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass der Schlüssel schon in zwei Tagen eintreffen soll. Den dritten Tag, den wir in Exmouth verbingen, beschließen wir dann, das Bestmögliche aus der Situation zu machen. Max´ Traum ist es, mit einem Walhai zu schwimmen. Gut, meiner ist es nun nicht unbedingt. Viel zu viel Respekt habe ich vor deren Größe und weit kleinere Tiere können schon enormen Schaden anrichten. Nicht, dass ich den Walhaien unterstellen möchte, sie wären angriffslustig. Das nicht. Ich denke nur, dass es auch bei der Spezies tollpatschige Exemplare geben kann und da wäre ich dann ungerne zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir einigen uns daruf, uns einer Tour im Glasbodenboot anzuschließen. Das Kompetente Team der Ningaloo Ecology Cruises nimmt uns mit hinaus in das große Blau. Wir sehen jahrhunderte alte Korallen, sogenannte “Bommies” die so groß sind, dass sie nur knapp unterhalb des Meeresspiegels liegen, eine vielzahl von Fischen und auch eine Schildkröte kreuzt unsere Wasserwege. Bei einem Schnorchelgang können wir uns all da noch einmal genauer ansehen. Leider ist es immer noch recht windig und der Seegang entsprechend. Trotzdem ist diese Unterwasserwelt sehr faszinierend. Etwas enttäuscht bin ich allerdings, weil das Riff bei weitem nicht die Farbintensität des Great Barriere Riffs aufweist. Alek, unser Bootsführer erklärt, dass es sich bei dem Riff auf der Westseite Australiens um ein suptropisches, nicht um ein tropisches Riff wie das der Ostküste handelt. Da sind die Farben einfach nicht ganz so leuchtend. Beeindruckend ist es- so oder so. Auf der Rückfahrt mit dem Bus machen wir noch einen Abstecher auf der Anhöhe, auf dem der Vlamingh Head Leuchtturm steht. Von hier aus hat man eine herrliche Sicht über die ganze Region.

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Vlamingh Head Lighthouse

Auch am Abend stechen wir wieder in See. Diesmal möchten wir uns das Treiben der Buckelwale zum Sonnenuntergang ansehen. Bei einem Glas Wein und Fingerfood genießen wir das Spektakel, das die übermütigen Kolosse dort  im Meer vorführen. Hauptsächlich die übermütigen Jungtiere springen immer wieder in die Höhe und lassen sich zurück in das Wasser platschen. Ich hätte damit gerechnet irgendwo in weiter Ferne vielleicht einen Wal zu sehen, doch mit dieser Vielzahl habe ich ganz und gar nicht gerechnet. Immer wieder und in allen Richtungen schießen sie empor und mir kommt es vor, als würden sie regelrecht Theater für uns spielen. Und was für eine beeindruckende Vorstellung da geboten wird.

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Nach diesem wundervollen Abend werden wir aber wieder auf den Boden der Realität geholt. Unser Ersatzschlüssel trifft nicht ein und wir bezweifeln stark, ob er überhaupt verschickt wurde. Gerade, als ich dabei war die Hoffnung zu verlieren, da kam die frohe Botschaft. Unser Schlüssel wurde gefunden! Der Finder hat ihn irgendwo am Strand entdeckt und ihn im Handschuhfach hinterlegt. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Sofort organisieren wir einen Mietwagen, mit dem wir in den Cape Range National Park fahren um unser Auto abzuholen. Der Weg dort hin ist malerisch. In der Abendstimmung säumen Wallabies unsere Wege und die untergehende Sonne taucht die Landschaft in einen warmen Orangeton. Das Auto steht noch genau so da, wie wir es verlassen haben. Das finde ich so beeindruckend an Autralien. Wohin man auch kommt, trifft man auf aufrichtige, hilfsbereite Menschen, die uns wildfremden Menschen helfen, wo sie nur können. Vielleicht ist das die Moral dieser Geschichte.

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Überall im Ort stehen Verkehrsschilder, die mittels Emu-Piktogrammen vor den großen Vögeln warnen, die immer wieder mal die Straßen und Vorgärten unsicher machen.
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Emus sind nicht die einzigen Vögel ohne Scheu. Auch der Rosakakadu, genannt Galah, bleibt bei der Anwesenheit von Zweibeinern entspannt und lässt sich gut beobachen.
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Kängurus in der Abendstimmung
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Jurabi Turtle Centre. Hier lassen sich Meeresschildkröten bei der Eiablage finden, wenn man zur rechten Zeit am rechten Ort ist.

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MEERESGEYSIRE

mia_und_ich_ontheroad_westaustralien_blog_reise_travelIMG_5257Was bei einem Roadtrip durch Australien in Kauf genommen werden muss, sind die gewaltigen Entfernungen, die gut und gerne endlos erscheinen. So ergeht es uns bei der Strecke zwischen der Shark Bay Region und dem Ort Carnarvon. Die Straße zieht sich hier oft schnurgerade durch die Landschaft und scheint in der etwas trostlosen Landschaft nahezu unendlich. Interessant ist allerdings, wie häufig sich die Vegetation innerhalb der Strecke verändert. Der Boden um Carnarvon ist sehr fruchtbar und so ist es nicht erstaunlich, dass dort eine große Vielfalt an Obst angebaut wird. Natürlich musste ich das testen und ich bin begeistert. Mein Testobjekt ist die in Australien gezüchtete Apfelsorte namens `Bravo´. Schon als Kind war habe ich die `Roten Delicious´Äpfel aus Opa´s Garten geliebt und die Sorte`Bravo´ toppt ihn sogar noch mit seiner dunkelroten Schale und dem sehr hellen, fast schon weißen Fruchtfleich. Dabei geht es mir natürlich nicht um die Äußerlichkeiten. Der Geschmack ist einfach unbeschreiblich. Er schmeckt förmlich von der Sonne geküsst und die knackige, saftige Konsistenz ergänzt dies wunderbar. In Carnarvon habe ich also meine neue liebste Apfelsorte gefunden. Doch ansonsten sehen wir nicht viel davon, denn wir verbringen hier nur die Nacht und setzen unsere Reise am Morgen fort.

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Unser Weg führt uns durch die Schaffarm in Quobba. Dort erwartet uns das Naturschauspiel der Blowholes. In Höhlen, welche sich in den Klippen befinden, sammelt sich Wasser und wird je nach Wasserstand und Wellenbewegung nach oben gedrückt. Wir hatten Glück und konnten diese Meeresgeysire in voller Aktion bewundern. Zahlreiche Lebewesen wie Krebse und kleine Fische finden in den ausgeschwemmten Felsen, die oft wie eine bizarre, ausserirdische Landschaft erscheint, ihre Heimat.

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Die bizarr ausgewaschenen Felsen erscheinen wie eine Landschaft eines andern Planeten.

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Erst am späten Nachmittag erreichen wir Coral Bay. Immer wieder ist es interessant, wenn man stundenlang nichts und niemanden ausser ein paar vereinzelten Autofahrern sieht, in Ballungsgebiete gelangt. Nur diesmal sind wir besonders überrascht über den Andrang. Wohin man auch blickt schlendern überall entpannt junge Menschen umher, Musik schallt über den Strand und einige Leute machen es sich bereits auf einer Decke mit einer Flasche Wein gemütlich und fiebern dem Sonnenuntergang entgegen. Wir sind total ermüdet und verschwitzt von der Fahrt. So springen wir sofort bewaffnet mit Schnorchelausrüstung ins Wasser um uns zu erfrischen. Was wir dort erleben, versetzt uns abermals in Staunen. Denn sofort befinden wir uns mitten im Riff und eine Vielzahl unterschiedlicher Fische tummelt sich um uns herum. Wir hören leise Knuspergeräusche und sehen, dass einige Papageienfische an Korallen knabbern. Die Zeit vergeht rasend schnell und wir würden diese fabelhafte Unterwasserwelt am liebsten gar nicht mehr verlassen. Die Abendfrische zwingt uns dann aber doch dazu. Frierend in Handtücher eingehüllt warten dann auch wir auf den großen, pastellfarbenen Ball, der in das Meer eintaucht und den Tag beendet.

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TRANSPARENZ

IMG_9359.JPGTransparenz
Transparenz ist in der Modewelt gerade ein großes Thema, das viele Designer aufgegriffen haben. Leider ist dabei nicht die Art von Transparenz gemeint, die man sich in Bezug auf die Produktionswege wünschen würde. Viel mehr dreht es sich bei dem Thema um die Auswahl der Stoffe. Tüll-, Ausbrenner- oder Spitzenstoffe transportieren ein Gefühl sommerlicher Leichtigkeit und sind geschickt kombiniert auch durchaus alltagstauglich. In diesem Beitrag möchte ich mich vorwiegend dem Spitzenstoff widmen.

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Mein Kleid für den Abend ist ein Vintage-Kleid aus Plauener Spitze.

Spitze aus Deutschland
Anlass dazu ist unser Besuch des Plauener Spitzenfests. Die Herstellung von Spitze hat in Plauen eine lange Tradition. Erste Entwicklungen im Bereich der Veredelung von Baumwollstoffen heraus gab es bereits im 16. Jahrhundert. Während zu Anfang des 18. Jahrhunderts noch per Hand gestickt wurde, war die Technik zur Mitte des 18. Jahrhunderts bereits so weit ausgereift, dass die Produktion industrialisiert wurde und die Herstellung von da an maschinell erfolgte. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Stick-und Spitzenindustrie einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. Die Luftspitze in der “Plauener Musterung” wurde 1900 auf der Weltausstellung in Paris präsentiert und erlangte so internationalem Ruhm.  Heute sind noch 35 Familienbetriebe an der Herstellung von Plauener Spitze ® beteiligt. Das einzige Spitzenmuseum in Deutschland beleuchtet die Geschichte der Spitzenherstellung auf interessante Weise. Besonders spannende Einblicke in die Welt der Stickereibetriebe bietet die Schaustickerei. Dort sind neben den Maschinen auch Arbeiten der Musterentwerfer ausgestellt, die früher in der Kunstschule für Textilindustrie ausgebildet wurden.

Dentelles de Saxe, Saxon Lace, Plauen Lace oder Dentelles de Plauen waren die internationalen Bezeichunungen für die Plauener Spitze ®.

Alles ist möglich
Anything goes– das war das Motto der diesjährigen Spitzenfestgala. Unter dem imposanten Kronleuchter des Vogtlandtheaters erlebten wir ein Programm aus Musik verschiedenster Stilrichtungen. Neben klassischen Klängen u. a. des Philharmonischen Orchesters Plauen-Zwickau sorgten das Duo Stiehler/ Lucaciu mit  Saxophon- und Keyboard sowie die BigBand des Vogtlandkonservatoriums gekonnt für einen abwechslungsreichen Abend. Desweiteren präsentierte die Hamburger Modedesignerin Julia Starp eine Kollektion, bei der sie auch Spitze aus Plauen verarbeitete. Ihre Philosophie beruht auf einem bewussten und schonenden Umgang mit Ressourcen und fairen Bedingungen bei der Umsetzung ihrer Kreationen. Neben der in Deutschland produzierten Plauener Spitze ® greift sie vorwiegend zu zertifizierten Textilien und recyceltem Material. Die Herstellung erfolgt in EU-Ländern wie eben Deutschland. So wurde auch mein Wunsch nach mehr Transparenz in der Herstellung in dieser inspirierenden Show erfüllt.

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Spitzengala im Voglandtheater

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Designerin Julia Starp

 

 

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ROSENGARTEN

mia_und_ich_mode_blog_lifestyle_rosen_garten_vintage_dresden_cantoier_newlookRosen. Sie scheinen mich auf meinen Wegen zu verfolgen. Geboren in Rosenheim, aufgewachsen im Rosenweg und selbstverständlich auch mit üppig blühenden roten Kletterrosen im Garten hat mich die Königin der Blumen mich von Anfang an begleitet. Ganz besonderen Rosen statten wir heute einen Besuch ab. Am Dresdner Carusufer gelegen finden wir den Rosengarten vor, der in der Zeit um 1935 entstanden ist. Beim Betreten des Gartens fühle ich mich sogleich in eine andere Zeit zurück versetzt.

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Das liegt mitunter natürlich auch an meinem Vintage-Kleid, das ursprüng aus Schweden stammt und wohl um 1950 hergestellt wurde. Der schwere Jacquard-Stoff ist kein Vergleich mit den Stoffen, die für die heutigen Kleider im Retro-Look verwendet werden. Es entstammt einer Zeit, in der die Menschen wenig Besitztümer hatten, vom Krieg gezeichnet waren und doch wesentlich mehr auf Qualität bei der Herstellung geachtet haben als es heute der Fall ist. Mein Kleid ergänze ich durch einen flachen Canotier-Hut mit Rosenprint. Hergestellt wurde er aus Stroh und Holz. Ein kleines bisschen fühle ich mich wie zurück versetzt in die Zeit um 1954, als Audrey Hepburn in ihrer Rolle als “Sabrina”, in der sie  in Kreationen von Hubert de Givenchy über den Bildschirm flanierte. Der “New Look” von Christian Dior bestimmte damals die Modewelt und führte dazu, dass ungeheuere Massen an Stoff in die Rockteile der Kleider verarbeitet wurden. Die von Givenchy entworfene Gaderobe Audrey Hepburns stand dem in nichts nach und zeichnete sich aus durch die Sanduhr-Silhouette, erzeugt durch weit schwingende Rockteile im Kontrast zu eng anliegenden Oberteilen.

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Quand il me prend dans ses bras
Il me parle tout bas
Je vois la vie en rose

– Edith Piaf –

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Zurück zu dem Rosengarten. Die Bronzeplastiken “Die Genesung” und zwei Bären ebenfalls aus Bronze setzen künstlerische Aspekte.  Ich schlendere hindurch durch Beete mit Rosen, die teilweise seit der Gründung des Gartens dort wachsen. Insgesamt sind etwa 120 ausgewählte Rosensorten hier zu finden und stammen hauptsächlich aus den 1930er Jahren. Neben den historischen Rosen und den ergänzten Züchtungen aus den Zeiten der DDR befindet sich in einer Querachse ein Rittersporn-Garten, dessen Blaunuancen mich schlichtweg faszinieren. Im Ohr habe ich “La vie en Rose”, das Lied, das Audrey alias Sabrina im Film singt. Der Nachmittag endet im Café Rosengarten bei einem Milchshake. Natürlich mit Roseneis.

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Hat: ELIURPI | Dress: Vintage | Shoes: Roger Vivier | Purse: Vintage | Belt: Vintage (Markennennung)

DAS KAISERLICHE BAD

Wieder ist ein Jahr vorbei. Im April wiederholt sich unser Jahrestag bereits zum 6. Mal und so stehe ich abermals vor der Frage: “Was soll ich ihm schenken?” Etwas materielles? Wenn ich dann die Wunschliste meines Freundes durchgehe, merke ich schnell, dass das wenig romantische Geschenke werden würden, sondern eher praktische. Also finde ich es schöner ein Geschenk zu machen, bei dem man etwas Zeit zu zweit verbringen kann. Und gemeinsame Erlebnisse verbinden. So habe ich mir überlegt, dass wir ja mal dieses “Wellness-Ding” ausprobieren könnten, von dem alle so schwärmen. Direkt im Anschluss an die Tage in Venedig war das auch wirklich eine gute Idee, um uns von den zahlreichen Erkundungstouren durch die Stadt ein wenig zu erholen und die schmerzenden Füße zu kurieren.

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Auch wenn Wellness gerade erscheint wie eine Erfindung der Neuzeit geht dieser Badekult doch weit zurück in die Zeit um 2.500 v. Chr. in die Kultur der Indus. Es muss damals schon Badeanlagen gegeben haben, die wohl nicht nur der Reinigung, sondern auch dem Vergnügen gedient haben sollen. Das Antike Griechenland und später das Antike Rom war ebenfalls bekannt dafür, dass des Körperbewusstsein dort schon weit verbreitet gewesen sein muss. Es gab nicht nur Badeanstalten für die Allgemeinheit, sondern auch in Privatäusern muss es Wannen und Waschbecken gegeben haben. Die Badeanlagen ließen sich bereits temperieren und man erkannte die jeweiligen Vor- und Nachteile des Badens in warmem oder kaltem Wasser. Im europäischen Raum geriet Körperhygiene zur Zeit des Mittelalters bekanntlich wieder völlig in Vergessenheit, was Krankheiten und Seuchen zur Folge hatte. Erst durch Kreuzfahrer wurde die Badekultur neu entdeckt in den islamischen Ländern. Zahlreiche Maler haben sich dadurch inspirieren lassen.

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Aber erst einmal zurück in das Hier und Heute. Kössen in Österreich ist Schifahrern sicher am ehesten ein Begriff. Doch uns verschlägt es dort bei sommerlich warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein hin. Und wir staunen nicht schlecht, denn uns erwartet ein regelrechter Palast, der die kommenden Tage unsere Bleibe sein wird. Die goldenen Kuppeln reflektieren die Sonne und lässt das ganze Anwesen noch prunkvoller erscheinen. Auch das Interieur in unserem Chalet ist sehr geschmackvoll gewählt und verbindet neue Elemente mit Traditionellem, wie beispielsweise der Verwendung von Zirbenholz. Die Zirbe wächst nur im Hochgebirge und sondert einen ganz besonderen Geruch ab. Bei Interesse an diesem Gehölz kann ich den Zirbenweg auf dem Patscherkofel ans Herz legen. An der Wand unseres Zimmers hängt über dem schlichten Sofa ein nostalgisches Bild einer Trachtlerin, das natürlich wunderbar in diese Alpenregion passt.

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Wir durchwandern während unseres Aufenthalts allerdings viele Themenbereiche und glatt könnten wir vergessen, dass wir in uns nicht im fernen Marrakesch, sondern im ländlichen Österreich befinden. Um dem herrlichen Wetter zu fröhnen, gibt es einen groß angelegen Außenbereich  mit mehreren Bade- und Liegemöglichkeiten. Ansonsten hat es mir vor allem das schön gestaltete Becken angetan, über dem sich eine Metalltreppe hoch zu einem Liegebereich windet, das Dampfbad, in dem es nach Blüten duftet und die Infarotkabine, bei der sich die Bestrahlung hauptsächlich auf die Wirbelsäule konzentriert. Unser Mittagessen genießen wir auf der Terasse mit Blick in die Bergkulisse, während nebenan einige Haflinger gemütlich grasen. Selten haben wir ein so gut organisiertes Team an Personal erlebt wie hier. Das Abendessen war perfekt nach saisonalen Gesichtspunkten abgestimmt und das Frühstücksbuffet mit frischem Obst und Honig aus der Wabe ließ ebenfalls keine Wünsche offen.

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Unser Fazit ist, dass es uns sicher wieder einmal in diese schöne Gegend ziehen wird um zu Wandern oder auch an den nahe gelegenen Walchsee. Jetzt wird es erst einmal schwer, sich nach all dem Gesehenen und Erlebtem in Venedig und der vollkommenen Entspannung im Kaiserwinkl, sich wieder in den Alltag einzufinden.

 

INSPIRATION:

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Jean Léon Gérôme | Femmes au bain
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John Reinhard Weguelin | Reflection