DIE MACHT DES MYTHOS

Das Einhorn. Das Einhorn habe ich schon länger als Motiv in meinem Kopf. Die Idee wurde geboren, als ich noch mit dem Malen der Jahreszeiten beschäftigt war. Dieses sagenumwobene Fabelwesen begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit, denn der Film „Das letzte Einhorn“ war mein unangefochtener Lieblingsfilm. Während andere gleichaltrige Kinder sich mit Gameboy und Tamagochi die Zeit vertrieben, tollte ich in der Rolle des Einhorns durch den Garten und dachte mir Geschichten aus, die dieses Einhorn erleben könnte. Grund genug also, dass ich mich viele Jahre später diesem damals für mich so wichtigen Thema widme. Oft kam ich mit selbst vor wie dieses Einhorn- in seinem Wald, umgeben von Tieren und verzweifelt auf der Suche nach seinesgleichen. Wo sind die anderen? Die, die auch sehen, dass die Wälder immer kleiner werden? Die Tiere des Waldes dadurch ihren Lebensraum verlieren? Die, welche die saftigen grünen Wiesen und Wälder noch kannten, bevor sie zu Straßen, Parkplätzen und kalten, seelenlosen Zweckbauten wurden?

„Es hat nie eine Zeit ohne Einhörner gegeben. Wir leben für immer. Wir sind so alt wie der Himmel, so alt wie der Mond. Man kann uns jagen, man kann uns fangen. Man kann uns sogar töten, wenn wir den Wald verlassen. Aber wir verschwinden nicht.“

Filmzitat aus „Das Letzte Einhorn“.

Die Pandemie hat der Bildidee zusätzlichen Nährboden geliefert. Nicht die Pandemie selbst, denn mir ist klar, dass sich die Natur bei Übervölkerung unseres Lebensraums irgendwann selbst regulieren muss. Nein. Es war eher der Umgang miteinander. Das Zwischenmenschliche. Hass und Anfeindungen, sicherlich befeuert durch die Medien, waren an der Tagesordnung. Diese teils schockierend niederträchtigen Kommentare zogen ihre ätzende Spur durch die sozialen Medien, Leserbriefe und Foren. Mir hat es gezeigt, dass wir von Hexenverbrennungen und den Ideologien, die wir eigentlich dem Mittelalter zuschreiben, gar nicht so weit entfernt sind. Eher das Gegenteil ist der Fall in unserer globalisierten Welt. Wie leicht es doch ist, Hass und Hetzte zu schüren in einer ach so aufgeklärten, von technischen Neuerungen gesegneten oder verblendeten Gesellschaft. Wir könnten so viel Gutes bewirken, wenn wir unser Wissen und Können dafür einsetzen würden. Doch der Ballast unschöner Charakterzüge lastet schwer auf uns und viel zu leicht fallen wir in uralte Verhaltensmuster zurück. Lernen wir eigentlich nie dazu?

Mein Modell für das Einhorn ist eigentlich ein Pura Raza Espanõla und hört auf den Namen ‚Pino‘. Die helle Fell- und Augenfarbe erinnert an die Darstellungen, wie sich die Menschen im Mittelalter schon Einhörner vorgestellt haben. Und was soll ich sagen? Ich habe wirklich das perfekte Modell dafür gefunden bis hin zu den Feinheiten wie den leicht gelockten Fesselbehängen. Das Einhorn symbolisiert das Gute, das Reine und naturverbundene. Der drapierte Stoff auf seinem Rücken steht für den rückwärtsgewandten charakterlichen Ballast, den wir mit uns herum schleppen. Das Motiv darauf ist eine Szene aus ‚The Lady and the Unicorn‘, eine Serie von Tapesserien. Sie gelten als eines der größten Meisterwerke, welches im Mittelalter geschaffen wurde. Mich hat es besonders gereizt und herausgefordert, den Faltenwurf darzustellen. Um mir dies besser zu verbindlichen, habe ich das Motiv auf Bettwäsche drucken lassen und so drapiert, wie ich sie für das Gemälde beenötige. Ja, ich musste erst Mitte dreißig werden, um wieder in Einhorn – Bettwäsche zu schlafen.

Mein Einhorn in Pastell ist weit gereist. Begonnen habe ich das Gemälde in Rosenheim während meiner Solo – Ausstellung ‚Gefährten‘ im Kunstverein Bad Aibling. Desweiteren habe ich das Bild auf der Messe ‚Pferd International‘ dabei gehabt und außerdem noch in Straubing im Rahmen von ‚Klassik an der Donau‘ fortgesetzt. Ich werde es einreichen zu dem DA! Kunstwettbewerb unter dem Thema ‚Macht des Mythos‘. Außerdem werden neben dem Original Kunstdrucke zu erwerben sein.

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