KALENDER 2022

Das Jahr 2021 verging wieder einmal wie im Flug und der Jahreswechsel steht vor der Tür. Aus diesem Anlass habe ich meine Arbeiten der letzten Jahre in einem Kalender zusammengefasst. Verschiedene besondere Pferde, die in den letzten Jahren meinen Weg gekreuzt haben, zieren die zwölf Kalenderblätter und das Cover. Mein früheres Pferd Prinz dominiert den Kalender natürlich. Mein schöner Brandenburgischer-Warmblut-Schimmel war einfach etwas ganz besonderes für mich. Nicht zuletzt, da er mich mein halbes bisheriges Leben begleitet hat und es liegt mir am Herzen, ihn in Portraits festzuhalten. Aber natürlich sind auch die andere Pferde wichtige Begleiter auf dem Weg durch mein Leben und keines der Motive ist willkürlich gewählt. Um einem Bild, einem Portrait eine `Seele´zu geben, ist es wichtig sein Motiv zu kennen, sich in es hineinzuversetzen oder zumindest in irgend einer Weise eine Beziehung aufzubauen. Es ist nicht nur ein kurzer Moment, eine Kameraeinstellung und ein Klick, der den Moment einfängt. Es ist eine langwierige auseinandersetzung mit dem Motiv. Von einer schnellen Bildidee über ein Konzept bis hin zu der Umsetzung vergehen viele Tage, Wochen, ja, manchmal auch Monate. Ich stecke all mein Wissen, das ich mir über die Jahre angeeignet habe, meine lebenslange Liebe zu Pferden und ein großes Maß an Anspruch an mich selbst in jede meiner Arbeiten. Ich möchte die einzelnen Motive des Kalenders gerne näher vorstellen.

Januar Saouda. Saouda ist eine Vollbluaraberstute, die einen Reitstall am schönen `bayrischen Meer´, am Chiemsee, ihr Zuhause nennt. Ihre Besitzerin hat mich damit beauftragt ihre Stute in Pastell zu zeichnen. Das Format war DIN A4, was eine ziemlich kleine Größe ist, um mit Pastellkreiden und -stiften Details herauszuarbeiten. Besonders wichtig
war mir, dass die Stelle über dem Auge, die einen hellen Fleck inmitten dunkler Haut aufweist, so darzustellen, dass sich diese kleine Besonderheit dem Betrachter erschließt ohne unnatürlich zu wirken. Gerade das war auf dieses kleine Format gesehen herausfordernd.

Februar John. John habe ich in Australien kennengelernt. Ob es eine zufällige Bekanntschaft war, oder doch eine Fügung des Schicksals ist wohl auslegungssache. Fakt ist, dass ich zu ihm kam, als ich selbst an einem Punkt angekommen war, an dem ich nicht mehr viel Vertrauen und Zuversicht in die Menschen hatte, die mich umgaben. Ich war während eines Work-and-Travel-Jahres in Australien und auf Jobsuche. Da entdeckte ich seine Stellenanzeige und schrieb ihn an. Ohne zu wissen was genau und vor allem wer mich erwarten wird, kam ich an auf einer Farm im südöstlich gelegenen Goondiwindi. Schnell zerstreute sich die anfängliche Skepsis und ich verbrachte einige Monate bei einem der ehrlichsten, aufrichtigsten Menschen den ich bislang kennnlernen durfte. Ich bewundere Farmer in Australien ohnehin für ihren Idealismus angesichts der harten Arbeit, die sie verrichten in dem oft erbarmungslosen Kampf mit oder gegen die Natur. In John´s Fall kam zudem auch noch eine sehr unschöne familiäre Geschichte hinzu, die ihm damals eine harte Zeit bescherte. Trotz alledem steckte er so voller Zuversicht und ließ sich durch nichts und niemanden unterkriegen, dass er nach und nach eine Art Vorbildfunktion für mich einnahm. Er wurde zu einem väterlichen Freund. Noch heute ertappe ich mich manchmal bei der Frage: „Was hätte John in der Situation getan?“ Nur den einen, seinen letzten Kampf gegen einen Hirnstammtumor konnte er nicht gewinnen. Doch selbst der hat seinem Hunger nach Leben und seinem manchmal derben, australischen Humor nichts anhaben können. Lange Zeit jedenfalls nicht. Die Pastellzeichnung für den Februar zeigt ihn, wie ich ihn sehe: Stolz und zielstrebig auf seiner Quarter-Horse-Stute aus eigener Zucht, hinter einer Kuh herjagend beim typisch australischen `Campdrafting´. So wie er am glücklichsten war.

März Hakon. Ich bin das erste Mal mit 2 1/2 Jahren auf einem Pferd gesessen und hatte Reitstunden seit ich 6 Jahre alt war. Trotzdem fiel ich nach der Zeit in Australien in ein Loch. Ohne den Hintergrund, Kühe oder andere Herden zu bewegen, kam mir reiten plötzlich völlig sinnlos vor. Nach dem Tod meines eigenen Pferdes bin ich einige Jahre nicht geritten. Das neu geweckte Interesse an dem Reiten nach klassischen Vorbildern hat mich dann wieder in den Sattel gebracht. Durch das Buch Du entscheidest, das Christin Krischke geschrieben hat, entdeckte ich die Hofreitschule in Bückeburg. Gerne hätte ich die Zeit zurück gedreht, die ich mit Reitunterricht verbracht habe, der nicht zielführend für mich und mein Pferd mit der Diagnose Hufrollenentzündung war. Die Erkenntnis, dass die Dressur für das Pferd ist, nicht das Pferd für die Dressur, hätte ich gerne schon viel früher gehabt. Die Hofreitschule hat sich zum Ziel gesetzt die Reitkunst und den wirklich freundschaftlichen Umgang mit dem Partner Pferd, in die Welt zu tragen. Das Buch war für mich 1. sehr interessant als auch wegweisend und 2. wie ein Befreiungsschlag. Leider hatte die Hofreitschule angesichts der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Sanktionen und Einschränkungen Probleme sich über Wasser zu halten. Ich wollte meinen Beitrag zum Erhalt dieser großartigen Einrichtung leisten und habe ein Gewinnspiel ins Leben gerufen. Hakon, das Pferde-Portrait für den März, ist das Resultat daraus. Er wendet seine Nase der Sonne zu. Ein zuversichtlicher Blick nach vorn in die Zukunft.

April Monsieur le Grand. Zurück in der Hofreitschule Bückeburg. Das Miniaturpferd `Monsieur le Grand´ ist der heimliche Star der Vorführungen mit seinem herausragenden Können und seinem markanten Aussehen. Damit stielt er so manchem Artgenossen von größerem Wuchs die Show. Der Tigerschecke ist selbstverständlich gerade bei den Jüngsten beliebt. Wie oben schon erwähnt habe ich auch ihn im Rahmen des Gewinnspiels gezeichnet und die Originalzeichnung verlost.

Mai Hofbereiter zu Pferde. Und noch einmal: Die Hofreitschule in Bückeburg. Diesmal mit einem Blick auf die Reitkunst-Vorführungen. Nicht nur die Reitweise orientiert sich an historischem Vorbild, sondern auch die Kostüme der Hofbereiter und Eleven. Die Direktorin Christin Krischke gilt als das Herz der Hofreitschule und gibt den Zuschauern einer solchen Vorführung durch ihre Moderation historische Einblicke in die Geschichte der Reitkunst. So werden die Vorführungen nicht nur zu einem visuellen Erlebnis. Der Besucher lernt auch noch etwas dabei. Das `gute Reiten´ soll schließlich in die Welt getragen werden. Ich hatte das Vergnügen eine Vorführung zu besuchen. Im Anschluss an diese postierten sich die Reiter auf ihren Rössern vor dem Reithaus. Eigentlich wäre die Darbietung beendet gewesen. Die Pferde sahen das jedoch etwas anders und haben noch etwas von ihrem Können unter Beweis gestellt. Diesen übermütigen Moment zeigt das Kalenderblatt im Monat Mai.

Juni Showauftakt. Showauftakt im Circus Krone. Zwei Araberhengste eröffnen die Vorstellung, indem sie tun dürfen, wonach ihnen der Sinn steht. Und sie sehen dabei wunderschön aus. Die einfachsten Dinge ohne viel Pomp und Drumherum sind oft die besten und die kleine Einlage der Vollblüter kam sehr gut bei dem Publikum an. So auch bei mir.

Juli Liebste Lektion. Mein Pferd war lange Hengst, bevor er gelegt wurde. So brachte er einige Hengstmanieren, die mein 14-jähriges Ich so manches Mal auf die Probe stellten. Er bot immer wieder einmal den `Spanischen Gruß´ an. Es war seine `Liebste Lektion´. Daher ist das auch der Titel der Pastellzeichnung. Ich habe mich dafür an ein größeres Format von 70 x 100 cm herangewagt.

August Prinz Picado I. Neben dem großformatigen `Liebste Lektion´ ist auch eine Trilogie mit Prinz als Akteurentstanden. Das Kalenderblatt für den Augutst zeigt Teil eins der Serie. Prinz, damals bereits in seinen 20ern aber nach wie vor bildschön wie ich finde, stand auf der Weide und hat entfernt im Wald etwas gehört. Neugierig spitzt er die Ohren.

September Prinz Picado II. Teil zwei der Prinz-Trilogie. Beim Durchsuchen meiner Fotos musste ich feststellen, dass die meisten ihn stehend zeigen. Ich habe nur wenige Fotos, auf denen er in Aktion zu sehen ist. Daher war klar, dass ich ihn im Rahmen dieser Serie wenigstens einmal in Bewegung darstellen möchte.

Oktober Prinz Picado III. Der dritte und letzte Teil der Prinz-Trilogie. Ich hatte überlegt nur einen kleinen Teil des Pferdekopfes zu zeichnen. Vielleicht ein Auge, den Schopf und das Ohr. Oder die Nüstern? Letztendlich entschied ich mich doch den ganzen Kopf zu zeichnen. Wir waren an diesem Tag spazieren. Prinz hatte ein Glaukom und in seinen letzten Jahren dadurch nur noch ein Auge. Er konnte Distanzen nicht mehr richtig einschätzen und seine Fernsicht war eingeschränkt. So war er leichter zu beunruhigen als vorher, wenn etwas in der Ferne auftauchte. Dies war so ein Moment, da er etwas entdeckt hatte. Gegenseitiges Vertrauen war mit nur einem Auge noch wichtiger als zuvor. Wenn wir unterwegs waren, musste er mich auf meine Sicht und Zuversicht verlassen können. Glücklicher Weise waren wir ein eingespieltet Team nach all den Jahren. Der Vertrauensbeweis war am Ende mehr wert, als Schleifchen und Preise jemals sein können.

November Im Damensattel. Gerade vor dem Ausbruch der Pandemie fand an Weihnachten im Circus Krone eine Vorführung statt, die ich mit meiner Familie besuchte. Anja Beran und ihr Team ritten in der Circus-Manege zu der musikalischen Darbietung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Für den November reitet Vera Munderloh den Marbacher Vollblutaraber Hengst Malakil elegant im Damensattel.

Dezember Das Finale. Noch einmal. Die Weihnachtsdarbietung im Circus Krone. Diesmal die Schluss-Szene: Eine Freiheitsdressur der Circus-Chefin mit ihrem Lusitano-Hengst `Feisal´.

Der Kalender ist in meinem Shop bestellbar so lange der Vorrat reicht. Ich wünsche Euch damit ein wunderbares, gesundes Neues Jahr 2022!

2 thoughts on “KALENDER 2022

  1. Sylvia says:

    Du hast die Kalenderblätter mit deinen Werken mit so viel Herz und Liebe zu deinen Modellen kommentiert- man spürt, dass du mit der Seele malst…

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