HAUS DER PALMEN

Mint würde ich nicht unbedingt als meine Lieblingsfarbe bezeichnen, auch wenn sie im Moment wieder überall gegenwärtig ist. Als grafischer Blumenprint in Kombination mit Schwarz, Flieder und Chromgrün wirkt Mint auf  Samtstoff sogar sehr edel und erinnert nicht an Krankenhauskleidung. Besonders schön finde ich den Kontrast von dem festem Baumwollsamt des Rocks und der leichten, semitransparenten Baumwoll-Seidenmischung meiner Bluse. Gerne kombiniere ich neue Stücke wie den bestickten Blazer mit Vintageschätzen wie der geflochtenen Strohtasche und meinem geliebten Leonard-Maxirock.

Seit 1958 existiert das Label Leonard in Paris und wurde von  Jacques Leonard und Daniel Tribouillard ins Leben gerufen. Daniel Tribouillard entwickelte 196o ein spezielles Druckverfahren für Englische Webstoffe, die damals als modern, jedoch auch als unbedruckbar galten. Ein weiteres Highlight ereigete sich 1968, als Leonard seine Kollektion mit äußerst leichten Kleidern aus bedrucktem Seiden-Jersey präsentierte. Dies und die farbintensiven Blumenprints machten das Label populär. Orchideen sind immer wieder ein wichtiges Gestaltungselement ‚ohne geometrische Grenzen‘ bei den Entwürfen. Und die Orchidee ist auch auf meinem Samtrock zu entdecken bei genauerer Betrachtung.

Auch im Palmenhaus des Schlossparks in Pillnitz ist die Orchidee vertreten. Das Gewächshaus entstand unter dem Kurfürsten Friedrich August III, der sich äußerst interessiert an Flora und Fauna zeigte und so die einstige Lust- und Spielstätte des Barocks in eine naturwissenschaftliche Pflanzensammelstätte verwandelte. Gerade im der kalten Jahreszeit können sich die Besucher an den Winterblühern erfreuen und sich- wie wir- ins Trockene fliehen bei Schauerwetter.

***

Mint, I would not necessarily describe as my favorite color, even if it is currently present everywhere. As a graphic floral print in combination with black, lilac and chrome green, mint looks very elegant on velvet and does not remind of hospital clothing. I especially like the contrast of the solid cotton velvet the skirt is made of and the light, semitransparent cotton-silk blend of my blouse. I like to combine new pieces like the embroidered blazer with vintage treasures such as the braided straw bag and my beloved Leonard skirt.

Since 1958 the label Leonard exists in Paris and was founded by Jacques Leonard and Daniel Tribouillard. In 196o, Daniel Tribouillard developed a special printing process for English woven fabrics, which at the time were regarded as modern, but also as unprintable. Another highlight came in 1968, when Leonard presented his collection with extremely light clothes of printed silk jersey. This and the color-intensive floral prints made the label popular. Orchids are always an important design element ‚without geometrical limits‘ in the designs. And the orchid is also to be discovered on my velvet skirt on closer inspection.

The orchid is also present in the palm house of the park in castle Pillnitz. The greenhouse was built under the Elector Frederick August III, who was extremely interested in flora and fauna and thus turned the once baroque place of pleasure into a natural scientific greenhouse. Especially in the cold season visitors can enjoy the winter blooms and flee into the dry from rainy weather like us.
palmenhaus_pillnitzpalmenhaus_pillnitzpalmenhaus_pillnitzhand_mint_leonard_parishaus_der_palmenpalmenhaus_pillnitz

haus_der_palmen1haus_der_palmen2IMG_0197.JPGIMG_0240IMG_0279IMG_0280IMG_0283IMG_0295

IMG_0209.JPG
Auch andere Blüten entdecke ich abgesehen von der Orchidee, die sich in dem Muster meines Rocks wiederfinden.

IMG_0317.JPGimg_0248.jpgIMG_0370.JPGIMG_0353.JPGIMG_0326IMG_0396

Hat: Mayser | Earrings: Antique Art Nouveau | Blouse: Kinga Mathe | Blazer: Hallhuber | Skirt: Leonard Paris | Boots: Hallhuber

INSPIRATIONS

pierre_auguste_renoir_woman_with_a _parrot_ henriette_darras
Woman with a parrot (Henriette Darras) | Pierre Auguste Renoir
rousseau.femme-exotique
Femme exotique | Henri Auguste Renoir
Schlangenbeschwoererin_henri_rousseau
Die Schlangenbeschwörerin | Henri Auguste Renoir
edgar_maxence_femme_de_la_orchidee
Femme de la Orchidee | Edgar Maxence

VAGABUNDENLEBEN

In der heutigen Zeit erleben wir eine Fülle von Informationsfluten. Durch sämtliche Medien werden wir regelrecht überschüttet mit Informationen. Und wie reagieren wir darauf? Zu oft vereinfachen wir uns das Filtern dieser Informationen, indem wir die Dinge auf Stereotypen reduzieren und uns dadurch entlasten. Säuglinge und Kleinkinder kennen diese Vorurteile noch nicht. Sie entwickeln sie erst, wenn sie beginnen ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen und ihre Eindrücke lernen zu verarbeiten. Diese Vorurteile können positiv oder negativ behaftet sein. Beides ist wichtig im Alltagsleben, denn dieses Verarbeiten unserer Erfahrungen steuert unser Tun und Handeln.  Der Mensch ist darauf ausgelegt, seine Wahrnehmungen und Erlebnisse zu beurteilen und dabei findet nun einmal eine gewisse Verallgemeinerung statt.

„Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil.“-
Albert Einstein

Gefährlich wird dieses vorschnelle Urteilen, wenn wir unsere Fehler  und Miserfolge anderen in die Schuhe schieben wollen. Sind die Menschen frustriert oder unglücklich mit ihrer derzeitigen Lebenssituation, so richten sie ihre Aggression oft auf Menschen oder Gruppen die unbeliebt, leicht identifizierbar und in der Regel machtlos sind. Dieses Verhalten gibt es wohl schon, seit die Menschheit auf der Erde verweilt.

„Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ –
Immanuel Kant, Leitspruch der Aufklärung 1784

Meine Inspiration für diesen Beitrag geht auf ein Theaterstück zurück, das ich am Heiligen Abend vorigen Jahres zusammen mit meiner Familie gesehen habe. Es spielt in der Zeit des 16. Jahrhunderts und handelt davon, dass Menschen aus fernen südlichen Ländern nach Bayern kommen und um eine Bleibe bitten. Natürlich werden sie nicht überall mit offenen Armen empfangen und die Handlung zieht den Zuschauer durch seine Dramatik schnell in seinen Bann. Mich hat dieses Stück sehr ergriffen und es ist kein seichter Stoff, der einmal gesehen wieder in Vergessenheit gerät. Es bewegt nicht nur- es regt auch zum Nachdenken an. Wer der bayrischen Mundart mächtig ist, dem kann ich das Theaterstück `Der Zigeunerbauer´ sehr ans Herz legen.

Vielleicht ist es aber auch manchmal nur der Neid darauf, ein freies ungebundenes Leben zu führen, allen Zwängen und Konventionen zu entfliehen und so viel zu sehen von der Welt wie die, die keinen festen Wohnsitz haben? In der Geschichte wird diese Lebensform oft romantisiert dargestellt am Lagerfeuer bei Tanz und Gesang- doch wie angenehm kann diese Art zu Leben sein, wenn man keine Heimat hat und nur vertrieben wird? Selten ist auf unserer Welt alles nur gut oder durchweg böse. Meistens befinden wir uns irgendwo in einer Grauzone, wenn wir den gesunden Menschenverstand einsetzen und die Dinge hinterfragen, anstatt eine Meinung aus dem Stegreif zu bilden. Und wer erwischt sich nicht das ein oder andere Mal dabei vorschnell zu urteilen? Oder ist das alles nur wieder ein Vorurteil?

vagabundenleben
zigeuner_2vagabundenlebenvagabundenlebenvagabundenleben4IMG_1177.a.thg..jpgIMG_1179.a.thg..jpgIMG_1180.a.thg..jpgAuch Modedesigner lassen sich immer wieder von diesem Stil inspirieren. Designer wie Romeo Gigli, Etro, Giorgio di Sant’Angelo und natürlich Yves Saint Laurent in den 70ern lassen  Elemente in ihre Kollektionen einfließen, die man von der Bekleidung der Sinti und Roma kennt wie Kopftücher, Stickereien, auffällige, farbenfrohe orientalsich anmutende Muster, weit schwingende Röcke und als Accessoires jede Menge Schmuck wie breite Armreifen und auffällige Ketten. Für die Bilder habe ich einige Vintage-Stücke aus meinem persönlichen Fundus kombiniert und umgenäht.fashion_illustration_vagabundenleben

INSPIRATION

800px-frans_hals_008
The gypsy girl | Frans Hals, 1628
william-adolphe_bouguereau_the_bohemian_1890
The Bohemian – William Adolphe Bouguereau, 1890
the_tambourine_player_thomas_couture
The tambourine player | Thomas Couture
Jean-François Portaels 1818 - 1895
Jean-Francoise Portales
Jean-Francois Portaels, Beautés Orientales
Beaut´s Orientales | Jean-Francois Portales
vogue_70er
Vogue, aus den 70ern

KATER!

Sie sind unnahbar, launisch und wirklich schlau werden wir sowieso nie aus ihnen. Trotzdem sind sie als sie seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. domestiziert wurden nicht mehr als Haustier wegzudenken. Katzen führen weltweit die Liste der beliebtesten Haustiere an. Es gitbt kein anderes Tier, das eine so enge Verbindung zum Menschen aufgebaut hat, ohne sich zu unterwerfen und sie vereint in sich Unabhän­gig­keit und Stolz mit Anschmieg­sam­keit und Rückzug. Vermutlich leben derzeit etwa 8,4 Millionen Hauskatzen in Deutschland und 27,4 Millionen in ganz Mittel- und Westeuropa. Dabei ist die Katze keineswegs auf den Menschen angewiesen. Auch in isolierten Gebieten in Neuseeland oder Australien, wo sie durch den Menschen eingebracht wurde, konnte sie sich schnell an ihre Umwelt anpassen. Weltweit gibt es mehr als eine Milliarde Katzen. Während die älteste Hauskatze ein stolzes Alter von 38 Jahren erreicht hat, ist die Lebenswerwartung bei freilaufenden Katzenpopulationen ohne menschliche Zuwendung und medizinische Betreuung wesentlich geringer und liegt zwischen 1,4 und 4,2 Jahren.

Schon die kleinste Katze ist ein Meisterwerk. – Leonardo da Vinci –

Seither erfreuen sich die kleinen Tiger auch in der bildenden Kunst großer Beliebtheit. In den unterschiedlichsten Situationen ihres Lebens wurden die Samtpfoten seit rund 4000 Jahren verewigt. Sie stehen als Sinnbild menschlicher Zuneigung und kuschliges Schoßtier oder als dämonisches Jagdtier und Verkörperung des Teufels in der christlichen Ikonografie. Die Katze scheint Vernunft- und vor allem eroti­sches Triebwesen in einem zu sein und kann sich so ausleben, wie es dem Menschen nur bedingt möglich ist. Daher setzte man sie auch für eroti­sche Anspie­lun­gen oder Spiegel­bil­der des Mensch­li­chen ein.

Und seien wir mal ehrlich- neben der zauberhaften Audrey Hepburn spielt auf jeden Fall der rote Kater die Hauptrolle im Film Frühstück bei Tiffany´s. Hubert Givenchy entwarf die Kleider für Audrey privat als auch für die Filmrolle der Holly Golightly. Schon am Filmset von Sabrina lernten sich der Designer und die Schauspielerin kennen und er stattete sie über 40 Jahre lang mit seinen kreativen Schöpfungen aus. Trotz der Vorliebe von Givenchy für grelle Farben wie Pink und Königsblau erlange vor allem das berühmte Kleine Schwarze, das Audrey Hepburn im Film tug, Weltruhm und wurde im Jahr 2006 als teuerstes Textil der Filmgeschichte versteigert.  Auch seine Hutkreationen, die oftmals das halbe Gesicht der Trägerin verdeckten, kommen im Film zur Geltung und sind Teil dieses charakteristischen Looks der Hauptdarstellerin. Der rotgetigerte Kater der Protagonistin soll im Film das Streben nach Feiheit und Unabhängigkeit verkörpern- ganz wie Holly selbst. Der Kater ist den gesamten Film über present indem er aus dem Nichts auf die Schultern der Menschen springt und das komödiantische Drama, das sich zu seinen Füßen abspielt von der höchsten Etage des leeren Bücherregals aus beobachtet. Das eigenständige Wesen der Katze kommt bis dahin in keinem anderen Film so zur Geltung wie in Fühstück bei Tiffany´s. Der Filmkater ist auch selbst ein kleiner Hollywoodstar. Orangey, wie sein richtiger Name ist, hat in einigen Filmproduktionen mitgewirkt und hatte sogar richtige Starallüren. Er biss und kratzte die Protagonisten am Filmset, was ihm den Namen the worlds meanest cat einbrachte.

»Armer alter Kater. Armes Vieh, hast keinen Namen. Ich finde, daß ich kein Recht habe, ihm einen Namen zu geben. Wir gehören eigentlich gar nicht zusammen. Er ist mir mal über den Weg gelaufen. Und ich will auch gar keinen Besitz haben, bevor ich nicht richtig weiß, wo ich hingehöre.« (Holly Golightly | Frühstück für Tiffany´s)

Ich bin schon öfter auf die Handlung des Films im Bezug auf meinen Kater angesprochen worden, denn auch mein kleiner Stubentiger und ich haben eine ähnliche Geschichte. Eigentlich war ich nie ein Katzenliebhaber, bis der kleine Kerl dann vor mir stand. Und zufälliger Weise ist er ja auch noch rot getigert dazu…

Ja, die Katze spricht unsere Gefühls­welt an – ob es im Sinne der Liebe, im Sinne der Angst oder Abneigung sei -sie wird uns trotz aller Faszination immer ein Rätsel bleiben.

kater_3kater_1kater_1kater_2kater_illustrationkater_4kater_5kater_6

Inspiration

breakfast_at_tiffanys_1
Frühstück bei Tiffany’s

breakfast_at_tiffanys_2breakfast_at_tiffanys_3

gerrude_des_clayes_woman_and_cat
Gertrude des Clayes | Woman with a cat
renoir_femme_au_chat
Renoir | Femme au chat
fritz_zuber_buhler
Fritz Zuber Buhler
edward_penfield
Edward Penfield
john_william_godward_the-favourite_1901
John William Godward | The favorite

DANDY

Wer der Meinung ist, dass es eine neuzeitliche Erscheinung ist, dass Männer oft mehr Zeit im Badezimmer und vor dem Kleiderschrank verbringen als manche Frau, derr irrt. Seit der Mensch begonnen hat, sich zu bekleiden, spielt auch Schmuck und Zierrat zur Selbstdarstellung eine Rolle- und das nicht nur für die Frau. Ganz im Gegenteil. In der Modegeschichte steht die Herrenmode der Damenmode in nichts nach und zeigt sich oft sogar farbenfroher und ideenreicher.

Im 18. Jhd. begannen einige Querdenker gegen die Gepflogenheiten ihrer Zeit zu rebellieren und waren so die Begründer eines schlichten, aber auch dekadenten Stils. Ein Dandy war ursprünglich ein Lebemann und galt als perfekter Gentleman, der britische Höflichkeit mit exklusivem Kleidungsstil, Humor und Eleganz verband. Während viele seiner adligen Zeitgenossen noch dem Vorbild der höfischen französischen Mode folgten mit ihrem Protz und Prunk, den gepuderten Perücken, üppigen Mänteln und Juwelen, propagierte George Bryan Brummell, auch Beau Brummell genannt, bereits die neue Schlichtheit. Und für diesen Lebensstil betrieb er unglaublichen Aufwand, den man ihm auf den ersten Blick nicht unbedingt ansah. Er lehnte alles Laute, Schrille und Bunte wehement ab. Entgegen der üblichen Gepflogenheiten dieser Zeit wechselte er mehrmals täglich seine Wäsche, Parfüm und Schmuck waren ihm jedoch zuwider. Perücken waren durch seinen Einfluss ohnehin aus der Mode gekommen. Stattdessen hatte er drei Frisöre, die sich seiner Haarpracht annahmen. Einer war für die Stirn, einer für die Seiten und ein weiterer für den Hinterkopf zuständig.  Er machte einen schlichten Herrenanzug, welcher enganliegend geschneidert war und die V-Silhouette des Mannes hervorhebt, solonfähig. Dieser Anzug hat bis heute Bestand in der Modewelt und ist kaum mehr wegzudenken . Gefertigt war er aus festem Stoff in gedeckten Farben. Getragen hatte er ihn zusammen mit langen, geradlinigen Hosen. Ein ganz besonderes Anliegen waren ihm wohl seine Handschuhe und deren Passform. Diese ließ er stets von zwei verschiednen Herstellen fertigen, wobei der eine für den Daumen, der andere für die weiteren Finger zuständig war. Seine Schuhe sollen immer so geglänzt haben, weil er sie angeblich mit Champagner poliert hat. Dieser Aufwand nahm eibige Zeit in Anspruch. Nach eigenen Angaben benötigte er fünf Stunden um sich anzuziehen.  Mr. Brummell wurde zum Prototypen für den Dandy, der seine Persönlichkeit zu einer Kunstfigur erschaffen hatte und gute Manieren mit geistreicher Konversation zu verbinden wusste. Dabei wirkte er wohl niemals künstlich und zog die Menschen mit seinem Charme in seinen Bann.

„Der Dandy ist ein Mann, dessen Status, Arbeit und Existenz im Tragen von Kleidung besteht. Er widmet jedes Vermögen seiner Seele, seines Geistes, seiner Geldbörse und seiner Person heldenhaft der Kunst, seine Kleidung gut zu tragen: Während die anderen sich kleiden um zu leben, lebt er, um sich zu kleiden.“ – Thomas Carlyle (Sartor Resartus, 1834)

Unter dem Einfluss der Vertreter des Ästhetizismus entwickelte sich der Stil des Dandies weiter. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden samtene Kniehosen und Westen zu ihren äußerlichen Kennzeichen. Die Ästhetizisten öffneten die von bürgerlicher Enge und vom Moralismus geprägte viktorianische Gesellschaft für eine neue Sinnlichkeit in Farben und Formen. Sie bekämpften den herrschenden Geschmack des mainstream mit ritualisierter Ästhetik. Dandyismus ist eine Lebenseinstellung, zu der Selbstinszenierung und ein eher ungezwungenes Verhältnis zum Geld gehörten. Wichtig war ihnen die Unabhängigkeit von bürgerlichen Zwängen wie Brotberuf oder Ehe.

Und auch Frauen fanden an diesem Stil gefallen. Die Schauspielerin Marlene Dietrich war eine der Ersten, die diesen Look Anfang des 20. Jhd. in der Damenmode populär machte.

Der Dandy zeichnet sich vor allem durch seinen Müßiggang und seine perfekte Selbstinszenierung aus. In der heutigen Zeit gilt er als ausgestorben und es sind nur noch die modischen Aspekte wie Gilets, die unter einem Blazer getragen werden, seidene Krawatten, eine Schleife am Kragen, Schuhe im Two-Tone-Look oder Lacklederschuhe, die den Dandy zumindest stilistisch weiterhin am Leben erhalten.

***


Whoever thinks it is a modern phenomenon, that men often spend more time in the bathroom and in front of the wardrobe than some woman does. Since humans has begun to dress, accessories and ornamentation play a role – not only for women. But on the contrary. In history men´s clothing is in no way inferior to the ladies‘ fashion and is often even more colorful and rich in ideas.

In the 18th century, a number of cross-thinkers began to rebel against the habits of their time and were the founders of a simple but decadent style. A dandy was originally a living man and was considered as a perfect gentleman who combined British courtesy with exclusive clothing, humor and elegance. While many of his noble contemporaries followed the example of courtly French fashion with their prodigy and pomp, powdered wigs, lavish coats and jewels, George Bryan Brummell, also called Beau Brummell, already propagated the new simplicity. And for this way of life, he had an incredible amount of effort, which was not necessarily seen at first sight. He rejected everything colourful and shrillness. Contrary to the usual habits of this time, he changed his clothes several times a day, but he refused perfume and jewelry. Wigs had gone out of fashion by his influence anyway. Instead, he had three hairdressers who took care about his hairstyle. One was responsible for the forehead, one for the sides and another for the back. He made a simple men’s suit, which was tightly tailored and emphasized the men´s V silhouette popular. This suit is still existing today  and is hardly imaginable without it in the fashion world. It was made of solid fabric in muted colors. He had worn it with long straight trousers. A very special concern were his gloves and their fit. They were tailored in two different manufactures, one for the thumb, one for the other fingers. His shoes should have always shone so well, because he supposed to polished them with champagne. This effort took a considerable amount of time. According to his own words, it took five hours to get dressed. Mr. Brummell became a prototype for the dandy, who had created his personality as an art figure and was able to combine good manners with intellectual conversation. He never acted artificially and drew the people with his charm.


„The dandy is a man whose status, work and existence consists in wearing clothes. He devotes every faculty of his soul, his mind, his purse, and his person heroically to the art of wearing his clothing well: while the others clothe themselves to live, he lives to dress. „- Thomas Carlyle (Sartor Resartus, 1834)


Under the influence of the representatives of aestheticism the style of the Dandies developed further. Towards the end of the nineteenth century, velvet knee-trousers and vests became their external characteristics. The aestheticists opened the Victorian society, marked by bourgeois narrowness and moralism, for a new sensuality in colors and forms. They fought the ruling taste of the mainstream with ritualized aesthetics. Dandyism is a life setting that included self-portraying and a rather casual relationship with money. It was important for them to be independent of bourgeois constraints such as general work or marriage.

And also women liked this style. The actress Marlene Dietrich was one of the first to make this look popular in the women’s fashion at the beginning of the 20th century.

The dandy is distinguished by its idleness and perfect self-portraying. In today’s world, dandyism is considered extinct and only the fashionable aspects like Gilets worn under a blazer, silk ties, a bow at the collar, two-tone shoes or lacquer leather shoes, continue at least to keep the style alive.

dandy_2dandy_1dandy_3dandy_2dandy_5

Inspiration:

dandy_beau_brummel
George Bryan ‚Beau‘ Brummell
dandy_oscar_wilde
Oscar Wilde
dandy_baudelaire_charles_
Charles Baudelaire

„Der Dandy muss sein ganzes Streben darauf richten, ohne Unterlass erhaben zu sein, er muss leben und schlafen vor einem Spiegel.“ – Charles Baudelaire (Tagebücher)

3-female-dandy-lede-w245-h368
Marlene Dietrich

„Ich trage Männerkleidung nicht um Sensation zu erregen. Ich bin einfach der logischen Folge großer Pyjamamode nachgekommen und muss gestehen, dass ich mich niemals angenehmer und besser gekleidet fühlte wie jetzt.” – Marlene Dietrich

SCHATZSUCHE

Seit der Winter seine eisigen Flügel über das Land ausbreitet, fühle ich mich magisch angezogen von  Dingen, die mein Herz erwärmen. Dazu zählen alte Filme wie „Marokko“ aus den „Goldenen 1930er Jahren“. Der Film besticht nicht nur durch die eindrucksvollen Bilder, die in ihrer Aussagekraft an den Stummfilm erinnern. Was heute das selbstverständlichste der Welt ist, galt damals als Skandal. Marlene Dietrich ist im Film in ihrer Rolle als Tingeltangelsängerin „Amy Jolly“ in weit geschnittenen Hosen zu sehen, die damals nur von Männern getragen wurden. Dieser Look erregte nicht nur Aufsehen, sondern führte auch zu reichlichen Nachahmungen und revolutionierte die Modewelt- bis heute. Heute tragen wir Hosen in sämtlichen Formen und Stilrichtungen und ich greife auch sehr gern auf die klassische Marlene-Hose zurück. Besonders schön wirkt sie, wenn sie das Bein weit umschmeichelt und mit femininen Accessoires kombiniert wird. Bei kaltem Wetter hülle ich mich gerne in warme Farben wie Rostrot, Rosenholz und Rotbraun. Diese Töne finden sich im Moment auch in der Natur wieder. Das bunt gefärbte Laub erinert mich in seinem Farbspiel und seiner segmenthaften Aufteilung an die Werke von Alphonse Mucha oder Gustav Klimt.

Hinter dem Schloß Moritzburg war bis zum Jahre 1996 noch ein restlicher Teil eines Wettiner Schatzes vergraben. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs vergruben die Söhne von Ernst Heinrich Prinz von Sachsen zusammen mit dem Revierförster sage und schreibe 43 Kisten des Schatzes. Unter Folter gab der Revierförster das Versteck des Schatzes der sowjetischen Besatzungsmacht preis. Der größte Teil des Familienschatzes wurde widerrechtlich in die einstige Sowjetunion gebracht und ist heute in der Eremitage von St. Petersburg zu besichtigen. Drei weitere Kisten des Schatzes wurden 1996 gefunden. Es wird gemunkelt, dass noch immer ein Teil des Schatzes in den Wäldern vergraben sein soll.

***

Since the winter spread its cold wings across the country, I feel magically attracted to heart warming things. These include old films like „Morocco“ from the „Golden 1930s“. The film captivates not only through the impressive images, which remind on the aera of the silent film. What today is the most self-evident in the world was considered a scandal. Marlene Dietrich can be seen in the film in her role as „Amy Jolly“ in the loose fitting boyish trousers, which were worn only by men at that time. This look not only caught the eye. It also led to copious imitation and revolutionized the fashion world to this day. Today, we wear trousers in all shapes and styles and I also like to go back to the classic Marlene trousers. It is particularly beautiful when the leg is flattered and combined with feminine accessories. In cold weather, I like to cover warm colors such as roasty red, rosewood and redbrown. At the moment these tones are also found in nature. The colorful tinted foliage remembers me in its coloring and its segmented distribution to the works of Alphonse Mucha or Gustav Klimt.

Behind the Moritzburg castle until the year 1996 a remaining part of a Wettiner treasure was buried. Towards the end of the Second World War, the sons of Ernst Heinrich Prince of Saxony, together with the district forester, buried forty-four boxes of the treasure. Under torture, the district ranger told the Soviet occupation power the hiding place of the treasure. The largest part of the family treasure was illegally transferred to the former Soviet Union and is now to be visited in the Hermitage of St. Petersburg. Three more boxes of the treasure were found in 1996. It is rumored that still a part of the treasure should be buried in the woods.

moritzburg_3moritzburg_4moritzburg_16moritzburg_5moritzburg_8moritzburg_6moritzburg_17moritzburg_11moritzburg_12moritzburg_13moritzburg_18

moritzburg_15
Coat: Denier Cri | Scarf: Vintage | Trousers: Vintage | Purse: Abro | Boots: Botas y Botines

schatzsuche_farben

 

Inspiration

marlene_dietrich_1930
Marlene Dietrich 1930
ruby_alphonse_mucha4
Ruby | Alphonse Mucha
franklin-carmichal-autumn-in-orillia-1924
Autumn in Oril | Franklin Carmichal
birkenwald_klimt
Birkenwald | Gustav Klimt
3988c8ce1b0cfc1ee0247f51f0faf6f9
Dance – Alphonse Mucha

DER BÖSE BRUDER

Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter. Damit einem all das nicht ganz so tragisch erscheint, zeigt sich die Natur im Herbst noch ein letztes Mal von Ihrer farbenfrohen Seite. Die Zeit um Allerheiligen und die freien Tage verlocken zum Verweilen in der Natur. In wem wird nicht das kleine Kind geweckt, wenn das Herbstlaub in dichten Schichten auf dem Boden liegt? Das Laub rauscht, wenn man hindurch schlurft und vertraute Geräusche versetzen einen zurück in längst vergangene Zeiten.

Ich nutze die Zeit für einen Spaziergang im Schlosspark bei Diesbar-Seußlitz. Früh am Morgen ist es dort noch ganz ruhig und idyllisch. Nur die Enten schnattern im verwunschenen Schlossteich. Diesbar-Seußlitz gilt als größte Weinbaugemeinde in Sachsen. Um dies zu zelebrieren, wurde hier seit dem Jahr 2001 die Federweißermeile am ersten Oktoberwochenende ins Leben gerufen. Eine längere Tradition hat der Heiratsmarkt, der eine weitere Attaktion in der Region darstellt. Das kleine Schloss entstand in seiner heutigen Form 1722. Der einstige Besitzer beauftragte George Bähr, den Erbauer der Dresdener Frauenkirche, mit dem Umbau des Schlosses im Barocken Stil.

Mit dem Titel des`Bösen Bruders´ist hier keinenfalls mein eigener gemeint. Durch den Abbau von Felsen in früheren Zeiten entstand ein Felsvorsprung, der die Umrisse eines Gesichts hatte. Einer Sage nach lieben zwei Brüder dasselbe Mädchen. Nun musste sich die Angebetete der Beiden jedoch entscheiden. Der abgewiesene stieß seinen Bruder aus Eifersucht von einem Felsen. Zur Stafe wurde er in Stein verwandelt. Wie er entstand, verschwand er auch wieder. Durch Sprengungen ist heute nichts mehr von dem Gesicht an der 40 Meter hohen Gesteinswand  zwischen Diesbar und Seußlitz  zu erahnen.

***

The days are getting shorter, the nights colder. To make sure that all this is not quite so tragic, nature will show itself one last time from its colorful side in autumn. The time around All Saints‘ Day and the free days tempt you to linger in nature. In whom is not the little child awakened when there lay autumn leaves in dense layers on the ground? The foliage rustles when you shuffle through and familiar sounds put you back into the past. I use the time for a walk in the castle grounds at Diesbar-Seußlitz. Early in the morning it is still quiet and idyllic. Only the ducks chattered in the lake. Diesbar-Seußlitz is the largest wine-growing community in Saxony. In order to celebrate this, since the year 2001, the `Federweißermeile´ has been launched on the first weekend of October. A longer tradition is the marriages market, which is a further attraktion in the region. The small castle was built in its present form in 1722. The former owner commissioned George Bähr, the builder of the Dresden Frauenkirche, to reconstruct the castle in the Baroque style. The title of the „evil brother“ doesn´t affact my own brother. Through the dismantling of rocks in earlier times, a rock formation arose that had the outline of a face. According to one legend, two brothers love the same girls. But the girl had to decide between them. The rejected man throws his brother out of jealousy from a rock. He was turned into stone to penalty. As he came, he disappeared again. Because of explosions, today nothing is left of the face on the 40-meter-high rock face between Diesbar and Seußlitz.

diesbar_seuslitz_2
img_0926
img_0929img_0980
img_0994diesbar_seuslitz_24diesbar_seuslitz_21diesbar_seuslitz_20diesbar_seuslitz_19diesbar_seuslitz_18diesbar_seuslitz_16
img_1045

Inspiration

gust-of-wind-1896-lucien-levy-dhurmer
Gust of wind – Lucien-Levy-Dhurmer

WEGGEFÄHRTEN

Seither regen Schimmel die Menschen zu Mythen und Legenden an, spielen die eigentlichen Hauptrollen unter den Prinzen im Märchen und selbst die großen Herrscher fanden bevorzugt ihren Platz auf dem Rücken eines weißen Rosses. So auch der französische Kaiser Napolen, der sich auf seinem Pferd „Marengo“ reitend, malen ließ. Natürlich ein Schimmel. Vielleicht stimmt es ja, wenn man in  Polen einem alten Sprichwort zufolge behauptet:

„Hast Du nie auf einem Schimmel gesessen, hast Du nie ein gutes Pferd geritten.“

In Japan wird den weißen Pferden eine ganz besondere mystische Gabe zugeschrieben.  Frauen dort wird eine tiefe Beziehung zu Pferden, insbesondere zu Schimmeln zugesprochen. Um eine solche Verzauberung zu verhindern, muss eine Frau der Begegnung mit einem Pferd ausweichen. Ansonsten hat das Pferd die Frau verzaubert und hält beharrlich an ihr fest, selbst wenn es getötet wird. Dem kann ich nicht widersprechen, denn obwohl ich keine Japanerin bin, bin ich doch dem Bann des Pferdes mit dem treffenden Namen Prinz verfallen, der vierzehn Jahre mein treuer Wegbegleiter war. Er war auch meine Inspirationsquelle für den Entwurf mit Aquarellfarben für den Schal aus Kaschmir und Seide. Aufgrund seiner Größe von 1,40 x 1,40 m ist er auch gut als Cape tragbar und genau das Richtige für das wechselhafte Aprilwetter. Die Rosen am Kragen sind Broschen, welche ich aus dem selben Stoff, aus dem auch der Schal besteht, gefertigt habe. Sie können zur zierde von Kleidungsstücken oder auch als Verschluss für den Schal dienen, wenn man ihn als Cape tragen möchte. Somit hindert man ihn einfach und effektiv am Verrutschen und Prinz zeigt sich fast in voller Größe auf dem Stoff. Auf diese Weise wird er auch weiterhin die Wege seiner Trägerin begleiten.

*****

Since then grey horses inspire people to myths and legends, play the actual main roles among the princes in fairy tales and even the great ruler preferably found their place on the back of a white horse. So also the French Emperor Napoleon who got himsef painted riding his horse „Marengo“. Of cause a grey one. Perhaps it´s true, if an old saying in Poland asserts:

Have you never been sitting on a grey horse, you have never ridden a good horse.“

In Japan a very special mystical gift is attributed to white horses. Women there is a deep relationship with horses attributed, particularly to white ones. To prevent such an enchantment, a woman has to avoid to an encounter with a horse. Otherwise the horse has enchanted the woman and tenaciously holds to her, even if it´ll be killed .Which I can not disagree , because even though I am not Japanese , I am accursed of the horse with the aptly named Prince, who was my faithful companion for fourteen years . He was my source of inspiration for the design with water colors for the scarf made of cashmere and silk. Due to its size of 1.40 x 1.40 m, it is also wearable as Cape and perfect for the changeable April weather . The roses on the collar are brooches, which I have made of the same material of which is also the scarf . They can be used for decoration on garments or as closure for the scarf, if you want to wear it as a cape . Thus, simply and effectively prevents it from slipping and  Prince shows almost full size on the fabric . In this way he will continue to accompany the way of its wearer .

IMGP0014

IMGP9995

prinz_8

wegefaehrten_dirndl

09
Dirndl: Vintage | Boots (black): Vintage | Scarf: Designed by myself | Dress: Esprit | Hat: Vintage | Blouse: Vintage | Trousers: Mango | Belt: Etienne Aigner | Boots (brown): Botas y Botines

*unbezahlte Werbung durch Nennung der Marken*