WO MAN DEN CSÁRDÁS TANZT

Über den Dächern von Budapest

Nach der aufregenden und interessanten Zeit in Ägypten zieht es uns nach Ungarn. In den frühen Morgenstunden brechen wir auf zu unserem ersten Ziel, das die Hauptstadt Budapest sein wird. Am frühen Nachmittag erreichen wir Budapest und beziehen unser gemütliches Quartier. Begeistert stellen wir fest, dass wir von dem aus einen wunderbaren Blick über die Dächer der Stadt haben. Lange hält es uns jedoch nicht im Zimmer. Uns zieht es hinaus, um die fremde Stadt zu erkunden. Mit der Orientierung hapert es noch etwas und wir irren durch die Seitenstraßen, bis wir zu der St. Stephans Basilika gelangen. Von dort aus ist es nicht weit zu der Postsparkasse, die sich im schönsten Jugendstil-Baustil präsentiert und unter all den prunkvollen Gebäuden besonders hervor sticht. Weiter führt uns unser Weg vorbei an dem im neogothischen Stil erbauten Parlament, das durch seine strahlend weiße Fassade und der filigranen Architektur ein ganz besonderes Wahrzeichen für Budapest ist. Beim Schlendern entlang der Uferpromenade kommen wir vorbei an den Schuhen aus Metall. Diese 60 Paar Schuhe stehen auf 40 m der Kaimauer. Das Mahnmal wurde zum Gedenken an an das Schicksal von den Mitgliedern der Pfeilkreuzlerpartei ermordeten Juden durch den Bildhauer Gyula Pauer und den Regisseur Can Togay geschaffen. Nach Sonnenuntergang lassen wir uns an der Uferpromende nieder und lassen unseren ersten Abend in Budapest bei ein paar Cocktails ausklingen. Auf unserem Rückweg in unser temporäres zu Hause werden wir noch auf eine ganz besondere Art in der Stadt willkommen geheißen, indem ein Feuerwerk entzündet wird.

Nach einem kurzen Frühstück setzen wir unsere Erkundunstour durch Budapest fort. Vorbei an der Großen Synagoge und dem Parlamentsgebäude überqueren wir die Donau auf der Margaretenbrücke. Wir scheinen die heißen Temperaturen aus Ägypten mitgebracht zu haben. Bei bald 40°C suchen wir die Gül Baba Türbe mit ihrem Rosengarten. Der Derwisch und Poet Cafer ibn Kutbul wurde Gül Baba genannt, was so viel bedeutet wie „Vater der Rosen“, denn er soll die Rosenzucht in Ungarn eingeführt haben. Ein Zeugnis islamischer Kultur in Europa stellt sein Grabdenkmal dar. Es ist ein achteckiger Grabbau überwölbt von einer Kuppel mit Halbmond. Viele Maler treffen sich in dem Park an, die ihre Impressionen in ihrem Skizzenbuch festhalten. Im Gebäude befindet sich ein kleines Museum so wie eine Ausstellungsfläche, auf der die Porzellan-Manufaktur Herend Kunstwerke aus Porzellan präsentiert. Das nächste Ziel unseres Stadtrundgangs ist der Burgberg, auf dem sich die berühmte Fischerbastei befindet. Und da ist sicher das Ziel von allen, die gerade Budapest besichtigen und es herrscht lebhaftes Treiben. Ebenfalls auf der Anhöhe befinden sich der Magdaleneriturm und die Matthiaskirche. Auf dem Weg zu dem Gellértbad, das eines der letzten im Jugendstil erbauten großen Bauprojekte Budapests war, führt uns der Weg vorbei an der Nationalbibliothek, der Nationalgalerie und dem Burgpalast Historischem Museum. Dort ist eine sehr schön angelegte Anlage mit Rosengarten, in der wir noch ein bisschen verweilen, bevor wir den Weg fortsetzen. Am späten Nachmittag kommen wir am Gellértbad an und lassen unsere wundgelaufenen Füße im kühlen Nass entspannen. Zurück über die Szabadság hid gelangen wir wieder auf den anderen Teil der Donau. Total erschöpft kehren wir ein im Schiffsrestaurant mit dem Namen `Spoon´. Einen Wassermelonensalat und …. später setzen wir unseren Weg fort zum Panorama Hotel, von dem Dach aus sich ein schöner Blick über die Stadt bietet. Danach möchte ich nur noch zurück in das Hotel um die müden Beine hochlegen zu können.

Die Gül Baba Türbe dient der Inspiration zahlreicher Maler
Das Gellért Bad ist einen Besuch wert aufgrund des schönen Jugendstil Baustils

Für den dritten Tag in Budapest haben wir uns vorgenommen, die Margareteninsel in der Mitte der Donau zu erkunden. Über die Margaretenbrücke gelanden wir wie schon am Tag davor direkt zu der Insel. Gleich zu Beginn erwartet uns das Zentenariumsdenkmal, das an die Vereinigung von Buda und Pest erinnert inmitten eines ordendlich angelegten Blumenmeers. Einige Meter weiter kommen wir an den Springbrunnen, der sich eine beeindruckende Schau liefert mit seinem Wasserspiel. Ein kleiner Tierpark lässt uns ein bisschen verweilen um mit den Ponies schmusen und den Störchen beim Klappern zuzusehen. Im Gegensatz zu der sonstig allgegenwärtigen Blütenpracht im Park, geht der Rosengarten etwas unter. Vorbei an einem alten Kloster und einer Freilichtbühne gelangen wir zum Japanischen Garten. Danach zieht es uns in ein Restaurant und wir spannen einfach nur noch aus. In Ungarn scheint hausgemachter Eistee mit geeisten Beeren das Getränk schlechthin zu sein und wir trinken einen nach dem anderen. Bei den heißen Temperaturen ist es genau das Richtige für uns. Nur schwer können wir uns motivieren, in der Hitze weiter zu laufen, nachdem wir es uns erst einmal gemütlich gemacht haben. Nach einem Bummel auf der Seite Buda kehren wir über die Kettenbrücke zurück auf die andere Seite und in unsere Unterkunft. Nach einer kurzen Erholungsphase auf dem Zimmer motivieren wir uns noch einmal, mit der Metro Richtung Burgberg zu fahren, um uns die Fischerbastei und die umliegenden Attraktionen bei Nacht anzusehen. Alle Gebäude auf dem Berg sind strahlend erleuchtet. Auf dem Vorplatz tummeln sich bald genau so viele Menschen wie tagsüber. Brautpaare aus dem fernen Asien nutzen die romantischen Bauwerke als Kulisse für ihre Hochzeitsfotos. Sie stehen aufgereiht in Reih und Glied und warten darauf, dass sie an der Reihe sind um vor der Kamera des Fotografen zu posieren. Da wir den Burgberg erst zu recht fortgeschrittener Stunde erreicht haben, scheitert unser Plan noch einzukehren um den Abend bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen. So schlendern wir durch die Stadt, beobachten wie ein Restaurant nach dem anderen den Tagesbetrieb einstellt und kehren zurück in unser Hotel.

Die Margareteninsel mit der herrlichen, sommerlichen Blütenpracht.
In einem kleinen Tierpark auf der Insel klappern die Storche um die Wette.
Hősök tere , der Heldenplatz mit den beeindruckenden überlebensgroßen Statuen ist eingetragenes UNESCO-Kulturerbe
Die alt-ehrwürdigen Gemäuer in Városliget, dem Stadtwäldchen.
Das Elefantenhaus im Budapester Zoologisch-Botanischem Garten.

Am nächsten Morgen verabschieden uns von unserm schönen Blick über die Dächer Budapests. Für unseren letzten Tag in Budapest haben wir uns vorgenommen, den Nordosten der Stadt zu erkunden. Es ist ebenso heiß wie die Tage davor und die Hitze zehrt ganz schön an unseren Kräften. Des beeinruckende Denkmal der ungarischen Geschichte auf dem Heldenplatz zieht alle Blicke auf sich. Nur zu lebhaft kann ich mir dies als Kulisse dramatischer geschichtlicher Ereignisse vorstellen. Zur Zeit der Revolution wurde das Bildnis des Kaisers Franz Josefs als Zeichen des Bruchs mit dem Habsburger Adels vom aufgebrachten Volk zertrümmert. Die Statue von Árpárd, dem Großfürsten der Magyarenstämme, wurde durch Statuen von Marx und einem Arbeiter -und-Bauern-Monument ersetzt und der gesamte Platz mit roten Stoffdraperien ausgelegt. Nach dem 2. Weltkrieg fiel Ungarn in den Machtbereich von Stalin und wurde Kommunistisch. Nur durch Proteste der Bürger blieben die christlichen Symbole des Denkmals bestehen. Jedoch wurden die Statuen der Habsburger entfernt und durch solche von Freiheitskämpfern ersetzt. Gesäumt ist dieses Denkmal durch Museumsbauten.

Im angrenzenden Stadtwäldchen stossen wir auf einen zur Milleniumsausstellung im mittelalterlichen Stil errichteten Bau. Die Kapelle im östlichen Teil ist ein Nachbau der Kirche aus Ják. Die Burg schließt zum Osten hin mit einem schlossartigen Gebäudeteil im klassizistischen und Barockstil ab, in dem das Landwirtschaftsmuseum untergebracht ist. Nach einem Besuch im Zoologischen- und Botanischen Garten des Stadtteil Pest setzen wir unsere Reise fort. Wir verlassen die Hauptstadt und fahren durch die malereische Landschaft am Balaton. Leider muss ich an dieser Stelle gestehen, dass ich einen Großteil dieser Fahrt verschlafe durch die hitzebedingte Müdigkeit. Der Balaton ist eine kleine Welt für sich. Überall werden Weinverkostungen angeboten, viele Badegäste tummeln sich um den Platensee und es gibt zahlreiche Reithöfe, was mir als Pferdenärrän natürlich besonders ins Auge sticht. Unsere Panoramafahrt durch die idyllische Landschaft findet ein jähes Ende. Plötzlich ertönt ein lauter, undefinierbarer Knall. Wir sind erst einmal ratlos, ob das merkwürdige Geräusch von außen kommt, oder ob es eine interne Ursache hat. Als sich dann der Motor erhitzt und schließlich selbst abschaltet, wird uns klar, dass das Geräusch ein technisches Problem zur Ursache haben muss. Wir schaffen es gerade noch in Unterkunft. Der Motor kocht und brodelt. Trotz des Schreckens ist mir der Name der Unterkunf nicht entgangen. “Equital Nemesvita”. Wenn das nicht darauf hindeutet, dass es dort Pferde gibt. Dazu muss ich erwähnen, dass Max die Reise geplant hat und diese Unterkunft als Überraschung für mich gebucht hat. Die Überraschung ist allemal gelungen. Trotz des unschönen Vorfalls mit der Autopanne. Wir habern ja noch einemal Glück im Unglück gehabt. Zuerst machen wir einen kleinen Rundgang über das Gelände, nachdem wir unser Zimmer bezogen haben. Die Weiden der Anlage erstrecken sich weit über das Gelände. Sogleich werden wir von den Pferden begrüßt. Es gibt eine Reithalle, einen Roundpen sowie einen großen Reitplatz. Oberhalb befindet sich der Wellnessbereich mit Pool und Sauna, unterhalb die ordendlichen Stallungen. Beim Abendessen genießen wir die ländliche Ruhe auf dem Gutshof nach dem Trubel des quirligen Budapest. Auch von unserem Zimmer aus haben wir einen Blick auf die Koppeln mit den friedlich grasenden Pferden.

Equital
In den Lavendelfeldern von Tihany. Man muss schon genau hinsehen, um die beiden Hauptakteuere des Bildes zu entdecken.

Früh beginnen wir den Tag, um das Problem mit dem Auto aus der Welt zu schaffen. Der Tag beginnt mit einem perfekten Frühstück mit Melone, Brot mit frischer Gurke und Tomate, Donuts und dazu einer Tasse Tee. Danach treffen wir die Chefin des Anwesens. Sie kennt bereits unser Prolem und hat schon alles in die Wege geleitet. Im Ort ist ein Mechaniker ansässig, der uns bereits erwartet. So bringen wir das Auto zu Laszlo. Er versteht kein Wort deutsch oder englisch und da wir der ungarischen Sprache nicht mächtig sind, endet unser Zusammentreffen in einer Unterhaltung mit Händen und Füßen. Aber wir haben trotzdem ein gutes Gefühl, denn dieser Laszlo macht einen soliden Eindruck. Nach eiem kurzen Fußweg zurück zu Equital spreche ich mit dem Reitlehrer, um einen Reitstunde zu vereinbaren. Natürlich lasse ich mir das nicht nehemen, wenn wir schon auf einem Reithof wohnen die kommenden Tage. Für diesen Tag kann er mir leider keine Stunde mehr anbieten. So relaxen wir im Wellnessbereich, holen Schlaf nach und kommen in den Kontakt mit einer Familie aus meiner bayrischen Heimat, die auch hier Urlaub macht. Abends können wir das Auto schon wieder abholen. Unser Gefühl hat uns nicht getäuscht. Laszlo hat sich als sehr zuverlässig und kompetent erwiesen. Außerdem macht er einen so guten Preis für seine Arbeit, dass wir gerne noch Tinkgeld geben. Den weiteren Abend lassen wir bei einem Spaziergang nach dem Essen ausklingen.

Tapolca, oder zu deutsch Toppoltz ist eine wunderschöne, idyllische Kleinstadt nahe unserer Unterkunft im Equital.

Die Ruhe scheint mir nicht gut zu bekommen, denn trotz des gemütlichen Zimmers mit dem komfortablen Bett schlafe ich recht schlecht. Wahrscheinlich weil mein Rhythmus total durcheinander ist. Trotzdem bin ich hellwach und werfe mich in meine Reitklamotten, denn am Vormittag habe ich meine Reitstunde vereinbart. Nach dem Frühstück reite ich eine braune Stute auf dem Platz und merke, wie viel ich bereits verlernt habe in der Zeit, in der ich nicht mehr in der englischen Reitweise geritten bin. Ich kämpfe und bekomme langsam das Gefühl für das Pferd zurück. Nach nur 30 Minuten auf dem Reitplatz bin ich nassgeschwitzt aber glücklich. Glücklich wieder hoch zu Ross gesessen zu haben und darüber, dass sich gegen Ende des Unterrichts doch noch ein kleiner Erfolg eingestellt hat. Der Reitlehrer von Equital spricht fließend deutsch und ist äußerst erfahren in seinem Fach. Schade, dass unser Aufenthalt nur so kurz ist. Es ist immernoch heiß. Nachdem ich wieder Kräfte gesammelt habe nach dem Reiten, fahren wir nach Tihani. Unser erster Stop ist ein Lavendelfeld in dem sich die Insekten gerade so tummeln. Auch ein paar Smaragdechsen sonnen sich. Anschließend beschreiten wir einen Fußweg auf einen Aussichtsturm mit Blick über das Sumpf- und Grasland und die Seen der Halbinsel. Danach kehren wir in einem Cafe ein, trinken Kaffee und beobachten die zahlreichen Vogelscharen. Hier scheinen die gefiederten Freunde sich besonders wohl zu fühlen. Am Nachmittag bummeln wir durch Tapolca und lassen in der malerischen Innenstadt die Seele baumeln.

Bábolna Nemzeti Ménesbirtok

Am nächsten Tag reicht unsere Zeit leider nicht mehr für eine Reitstunde. Nach dem Frühstück packen wir und setzen die Reise fort. Wir fahren nach Bábolná. Dies ist eine kleine Herzensangelegenheit meinerseits. Als Kind habe ich ein Buch bekommen, in dem ein Gemälde abgebildet war, das die Stallungen des ungarischen Gestüts Bábolná zeigt. Seither hege ich den Wunsch, diesem Gestüt einen Besuch abzustatten. Was soll ich sagen? In Ungarn gehen Wünsche in Erfüllung, wenn sie sich um das Thema `Pferd´ drehen.

Die Stallungen von Bábolná, 1849 von Stotz, Otto (1805-73) war in meinem Pferdebuch abgebildet, das ich als Kind bekommen habe. So wurde der Wunsch in mir geboren, einmal dieses Gestüt zu besuchen.

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Photos von Maximilian Hagstotz

LAND DER PYRAMIDEN

Hurghada

Die Fahrt nach Hurghada führt uns wieder durch die Wüste. Die Sandwüste wandelt sich, je weiter wir uns der Küste nähern, zu einer Steinwüste mit bizarren Felsformation. Hurghada selbst ist definitiv ein starker Kontrast zu Ägypten entlang des Nils. Mächtige Hotelanlagen, die zum Teil mitten in der Wüste gebaut wurden, konkurrieren hier miteinander. Die Eselkarren und Tuk-Tuks werden durch Autos ersetzt. Auf den Straßen entlang der Hotelkomplexe herrscht geschäftiges Treiben. Nach der idyllischen Zeit auf dem Schiff fühle ich mich etwas überwältigt von all den Eindrücken. In der Stadt fehlt mir die Authentizität, das auf natürliche Weise gewachsene. Sie wurde viel mehr rasant schnell gebaut und stetig erweitert, als man merkte, dass die Tourismusbranche gerade einen Boom erlebt. Am Strand setzt sich das rege Treiben fort. Keine halbe Stunde vergeht, ohne dass uns übereifrig Massagen, Duftöle, Touren, Peelings, Masken, Cocktails und was man sich nur vorstellen kann, angeboten werden. Es ist wie auf dem Basar und kratzt etwas an meinem Nervenkostüm. Ich möchte raus. Raus um dem Trubel zu entkommen.

Das Glück dieser Erde

Und wo könnte man besser abschalten, als auf dem Rücken von Pferden? So genießen wir den Vormittag des zweiten Tages in Hurghada auf dem Rücken von zwei fuchsfarbenen Araberstuten. Zumindest genieße ich die Stunden. Max hat als Reitanfänger ganz schön zu kämpfen. Sein Pferd sucht sich gleich die erste Sandkuhle aus um sich dort nieder zu lassen. Als ich mich im Sattel umdrehe, bietet sich mir eine Szene, in der seine Stute am Boden hockt wie ein Kamel und wohl noch dabei ist zu analysieren, wie sie den lästigen Ballast nun von ihrem Rücken los wird, um sich ausgiebig im Sand zu aalen. Dazu kommt es natürlich nicht. Gleich stürzen unser Tourguide und ich uns auf die Stute und bringen sie dazu, ihre ungeplante Pause zu unterbrechen, indem wir sie zurück auf die Beine holen. Max sitzt wieder auf und wir reiten durch den trockenen Wüstensand. Nach einer Weile schwingt Max sich noch einmal aus dem Sattel. Diesmal um mit seinem Pferd am Zügel zu warten, während ich auf meinem Pferd die schnurgerade Strecke entlang einer Palmenallee jage. Obwohl es noch früh am Morgen ist, sind die Temperaturen schon wieder beträchtlich hinauf geklettert auf dem Thermometer. Die Pferde freuen sich also über eine Erfrischung im Meer nach dem Ritt durch die Wüste. Mein Pferd, das noch erhitzt ist vom Galopp, freut sich so sehr, dass es sich ohne jede Vorwahnung im Wasser nieder lässt und sich beginnt zu wälzen. Ich kann gerade noch abspringen und biege mich vor Lachen. Damit habe ich nicht gerechnet. Nicht so plötzlich. Irgendwo kann ich die Stute ja auch verstehen, dass ihr diese Art der Erfrischung gerade recht kommt. Genüsslich wälzt sie sich im kühlen Nass mitsamt Sattelzeug und es dauert eine Weile, bis sie sich wieder aufrichen lässt. Danach steht sie am Strand in vollständiger Glückseeligkeit, macht den Hals lang und lässt ihre Ohren links und rechts zur Seite hängen. Ich komme gar nicht mehr heraus aus dem Lachen, weil es einfach zu komisch aussieht. Zurück geht es durch die Hotelanlage zum Stall. Dort angekommen sind Pferd und Reiter schon fast wieder getrocknet. Nun bekommen wir noch den heißblütigen Deckhengst präsentiert. Er stürzt erhobenen Hauptes mit voller Körperspannung aus seiner Box, wiehert und schnaubt erregt, als er die Stuten begrüßt. „Die agyptischen Männer sind Schlingel.“, meint der Tourguide, der den Ausritt mit uns zusammen gemacht hat. Zu dieser Erkenntnis bin ich auch schon gekommen denke ich und grinse in mich hinein. Ich erzähle ihm von meinem früheren Pferd Prinz. Er fragt, ob er auch ein Hengst war. Ich verneine und erkläre, dass er bereits Wallach war, als er zu mir kam. Das missfällt ihm sichtlich und ihm entgleisen betroffen die Gesichtszüge. In Ägypten kastriert man die Pferde wohl ausschließlich in Ausnahmefällen, also dann, wenn außergewöhnliche Gefahr von ihnen ausgeht durch Beissen oder Schlagen. Ansonsten lässt man den Pferden ihren “Stolz”. Die meisten Ägypter, die sich mit Pferden befassen, sind männlich und würden sich durch die Kastration von ihrem Pferd bestimmt persönlich betroffen fühlen. So bin ich ganz froh, dass wir zwei Mädels reiten konnten und lediglich ein Sandbad und eine Erfrischung im Roten Meer mit ihnen erlebt haben. Wer weiß schon welche Dummheiten einem Hengst unterwegs eingefallen wären. Den Nachmittag verbringen wir am Strand. Heute ist es etwas diesig. Wenige Badegäste tummeln sich am Strand und wir genießen die Ruhe.

Der Ausdruck ihrer Augen ist der einer liebenden Frau,
ihr Gang ist der eines schönen Weibes,
ihre Brust die eines Löwen,
ihre Flanken sind die einer Gazelle.
Sie ist die Trinkerin des Windes,
ihre Nüstern sind geöffnet wie die Blütenblätter einer Rose.
Ihr Fell ist wie ein Spiegel,
ihr Haar so dicht wie die Federn auf Adlers Schwingen.
Ihr Huf ist so hart wie Stein, von dem man Feuer zu schlagen vermag.
Sie ist so sanft wie ein Lamm, jedoch wie ein Panther im Zorn,
wird sie geschlagen oder gereizt.

Aus dem Arabischen

Wenn ich auch glaube, dass es ihnen gelungen ist, wirklich edle arabische Pferde sich zu verschaffen, so dürfen sie deshalb doch nicht glauben, dass Sie arabische Pferde von ihnen züchten, denn das arabische Pferd ist nur so lange ein arabisches, als es die Luft der Wüste einatmet.

Abbas Pascha zu Baron von Hügel

Kairo

Die darauf folgende Nacht ist kurz, denn wir brechen um 2.00 Uhr auf nach Kairo. Während der Busfahrt durch die Wüste entlang der Küste des Roten Meeres wandelt die Nacht sich langsam zum Tag. Wir erreichen die Stadt am frühen Morgen. Zuerst besuchen wir das Ägyptische National Museum in der Innenstadt am Al-Tharir-Platz. Mit 150.000 Artefakten gilt es als weltweit größtes Museum für altägyptische Kunst. Besonders beeindruckend sind die Schätze aus Tutanchamuns Grab. Sie sind allesamt gut erhalten und zeugen von großer handwerklicher Fertigkeit. Die Totenmaske aus massivem Gold ist das wohl berühmteste Ausstellungsstück. Der äußerste und mittlere Sarg des Tutanchamun sind vergoldet. Der innerste Sarg besteht aus reinem Gold und hat ein Gewicht von 110,4 Kilogramm. In ihm befand sich die Mumie. Vergoldet waren auch die vier den Sarkophag umgebenden Holzschreine sowie der kleinere Kanopenschrein mit dem Kanopenkasten, weitere Schreine und Statuen des Königs und verschiedener Gottheiten. Die detailreichen Intarsienarbeiten finde ich besonders beeindruckend. Auch der Erhaltungszustand der Mumien ist faszinierend wie abschreckend zugleich in einer Zeit, in der man doch eher selten so offenkundig mit dem Tod konfrontiert wird. Nach dem Museumsbesuch machen wir uns auf den Weg zu den Pyramiden. Max, der als kleiner Junge schon einmal dort war, ist schockiert, wie sehr die Stadt seither gewachsen ist. Kairo ist dicht an dicht verbaut mit Lehmziegelhäusern. Dazwischen finden sich immer wieder Moscheen, die 500 – 700 Jahre alt sind und an den wunderschönen, detailreichen orientalischen Baustil der damaligen Zeit erinnern. Entlang des Nils befinden sich die Wohngebiete für die Ober- und Mittelschicht. Die Kluft zwischen den Reichen und der von weit verbreiteter Armut geprägten Vierteln ist deutlich spürbar. Ungefähr ein drittel der Ägypter hier fallen unter die Armutsgrenze. Viele Häuser verharren noch im Rohbau. Genauso wie das neue Große Ägyptische Museum, auch Gizeh Museum genannt, welches nur zwei Kilometer entfernt von den Pyramiden von Gizeh entfernt gebaut wird. Der Grundriss des Museums entspricht einem Dreieck, dessen Fassade wie das Sierpinski-Dreieck konstruiert werden soll. Während die Nord- und Südseite auf die Mykerinos- und die Cheops-Pyramide zeigen, wird vor dem Museum ein großer Platz mit Feigenbäumen angelegt. Besonders charakteristisch für den Bau wird die transparente Mauer aus Alabaster werden, welche die vordere Fassade des Gebäudes bildet. Es sollen in der Zukunft die vielen unpublizierten kunsthistorischen Schätze hier ausgestellt und so für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Auf diese Weise möchte man den Verkehr in der Stadt, welcher durch den Andrang im alten Ägyptischen National Museum entsteht, entasten.

Die Muhammad- Ali-Moschee – auch als “Alabaster Moschee” bekannt – wurde in Kairo 1824 bis 1884 im osmanischen Stil mit barocken Elementen erbaut. Die Südostansicht der Moschee ist auf der Vorderseite der ägyptischen 20 Pfund-Banknote abgebildet.
Detail des goldenen Schrein aus dem Grab des Tutanchamun im ägyptischen Museum, Kairo
Das alte Ägyptische National Museum, Kairo

Die Pyramiden

Gizeh bildet mit Kairo eine Metropolregion mit über 16 Millionen Einwohnern. Bekannt ist die Stadt für das Gizeh-Plateau mit seinen altägyptischen Königsgräbern, Pyramiden und Tempeln, einschließlich der Sphinx. Unser Weg um die Pyramiden in der Gluthitze ist gesäumt von Kamelen mit in bunten Farben gewebtem Sattelzeug und Bommel- und Quastenverziertem Zaumzeug. Kutschfahrer mit willenlos dreinblickenden Pferden, die durch ihre tägliche Arbeit deutlich gezeichnet sind, bieten ihre Dienste an, Besucher um die Pyramiden zu chauffieren. Sie streiten sich untereinander, wer die Touristen befördern darf. Es herrscht ein gewisser Kampf um das Überleben habe ich den Eindruck. Die Pyramiden zählen seit 1979 zum Weltkulturerbe. Es erscheint unglaublich, dass die Menschen damals vor 4600 Jahren mit den einfachsten Miteln diese Wunderwerke geschaffen haben, die bis heute erhalten sind. Mit dem Bau der Pyramiden sind damals auch Nebenpyramiden, Felder mit Gräbern, Tempeln und Arbeiterdörfer entstanden. Besonders erstaunlich ist, dass bei dem Bau der Pyramiden keine beräderten Hilfsmittel zum Einsatz gekommen sein sollen. Höhenunterschiede wurden wohl durch das Ziehen der Lasten überwunden. Das ist absolut unvorstellbar, wenn ich so neben den mächtigen Gesteinsblöcken stehe und mir deren eigentliche Ausmaße bewusst werden. Die größte Pyramide, die des Pharao Cheops, war ursprünglich 146,6 m hoch und wurde aus etwa 3 Millionen Steinblöcken erbaut, die durchschnittlich 2,5 t wiegen. Unvorstellbar, wie gesagt. Die Sphinx befindet sich etwas unterhalb der Pyramiden. In der Zeit der napoleonischen Ägyptenfeldzüge von 1798 bis 1799 begannen die wissenschaftlichen Erforschungen. Dem Mischwesen in der Gestalt eines Löwen mit dem Kopf eines Menschen fehlte schon vor den Feldzügen die Nase, die bis heute nicht ersetzt wurde. Damit haben sich die Gerüchte, dass die Nase den Gefechtsübungen der Truppen zum Opfer gefallen ist, als falsch erwiesen. Die mit Napoleon in das Land Ägypten gekommenen Wissenschaftler stellten die Sphinx schon damals ohne Nase dar. Napoleon selbst sprach von dem Land als „Wiege der Wissenschaften und Künste der gesamten Menschheit“.

Ein Rundgang in Ehrfurcht und Demut entlang der Pyramiden von Gizeh.

Was bleibt von uns?


Viel zu schnell verrinnt die Zeit. Die Rückfahrt führt uns wieder an der Küste des Roten Meeres entlang. Und betübt mich sehr. Ein beträchtlicher Teil der Küste wurde mit weitreichenden Hotelanlagen dicht an dicht bebaut. Sie sind mit Mauern umzäunt und gleichen kleinen Städten, bzw. Geisterstädten. Denn sie befinden sich oft im Bau, oder wurden nicht weiter gebaut und stehen leer. Von unberührter Natur ist hier leider nicht mehr viel zu sehen. Investoren gehen sogar so weit, dass sie im Streit mit der Konkurrenz um die besten Plätze, Bootsstege oder gleich ganze Hotelkomplexe auf das Riff bauen lassen. Das macht micht traurig, dass das Land wegen des Touismus so in Mitleidenschaft gezogen wird. Gerne möchte ich die Natur erforschen und die Kultur durch Land und Leute kennen lernen, aber möglichst ohne meinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Ein weiteres leidiges Thema ist der Umgang mit dem Müll in Ägypten. Gerne würde ich es vermeiden, doch es ist allgegenwärtig und somit möchte ich es auch an dieser Stelle nicht totschweigen. 80% des Abfalls landen auf unsortierten Deponien. Nicht nur, dass diese Berge von Müll auf der Straße, in der Wüste und dem Gewässer dem Tourismus schaden- der Abfall wird durch die Einwirkung von Wärme, Wind und Wasser zerrieben und endet als Mikropartikel in die Nahrung von Mensch und Tier. Grund für dieses Scheitern des Abfallsystems ist sicher, dass der Sektor der Abfallentsorgung unterfinanziert ist. Und das, obwohl die Bürger mit Abgaben zur Müllabfuhr durch die Steuerlast belangt werden. Eine Plastikflasche benötigt etwa einen Zeitraum von 1000 Jahren, bis sie verrottet. Wenn ich auf der einen Seite sehe, was von der Kultur der alten Ägypter nach tausenden von Jahren erhalten geblieben ist, will ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass dieser Plastikmüll das sein wird, was nach vielen Jahren von unser Kultur übrig bleibt.

Genug davon. Ich möchte meinen Bericht auf keinen Fall zu eurozentrisch verfassen, denn dazu habe ich viel zu wenig Hintergrundinformationen. Unsere Busfahrt entlang der Küste wird durch ein paar sehr schöne Momente begleitet. In der Ferne sehen wir im Meer einen Schwarm Delphine. In warmen Orange- und Rottönen geht die Sonne über der Wüste unter. Wie gerne würde ich die Nacht hier draußen verbringen unter dem Himmelszelt mit seinen, fern ab der Zivilisation, riesig erscheinenden Sternen.

Auf der traumgleichen Insel

Den nächsten Tag verbringen wir am Strand von Hurghada beim Schnorcheln und mit netten Gesprächen mit unseren Mitreisenden. Am Morgen unseres letzten Tages steigen wir noch einmal auf das Schiff. Unser Ziel ist die Insel Mahmya. Sie ist bekannt für ihren feinen Sandstrand und das türkisblaue Wasser, in dem sich eine faszinierende Unterwasserwelt verbirgt. Wir relaxen unter mit Palmenblätter bedeckten Sonnenschirmen. Beim Schnorcheln erkunden wir die Korallenriffe und die zahlreichen, farbenfrohen Fische.

Am Abend zieht es uns noch einmal hinaus in die ägyptische Nacht. Entlang der belebten Sharaton Street schlendern wir vorbei an den Läden und genießen den warmen Windhauch der die immernoch warme Temperatur sehr angenehm erscheinen lässt. Das Gefühl dieses Windhauchs, der mir durch das Haar fährt, speichere ich ab in meinen Gedanken. Er wird mich immer erinnern an die Tage und die zahlreichen aufregenden Erlebnisse in Ägypten, die mich so bewegt haben. Die Gebetsrufe aus den Minaretten hallen durch die sternenklare Nacht und intensivieren diese mystische Stimmung. Besonders beeindruckt bin ich von einem Laden, der neben orientalischen Lampen auch Antiquitäten führt, wie alte Krummdolche und Öllampen. Nun fühle ich mich vollständig in eine Geschichte aus 1001 Nacht versetzt.

“An dieser Stelle unterbrach das Morgengrauen Schahrasad und sie hörte auf zu erzählen.

Aus den Geschichen aus 1001 Nacht
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Pictures by Maximilian Hagstotz

LAND DER PHARAONEN

Néfertiti
Reine païenne
Tes bains de minuit
Belle égyptienne
Font rêver les crocodiles
Dans les eaux du Nil


. France Gall | Serge Gainsbourg – Néfertiti .

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Ägypten
Die Reise führt mich nach Ägypten. Das erste Ziel nach der Ankunft in Hurghada ist der Nil bei Luxor. Nachdem die Eisheiligen in Deutschland ihrem Namen nach einem kurzen Anflug von Frühlingswetter alle Ehre gemacht haben, freuen ich mich nun auf das heiße, trockene Klima im Land der Pharaonen.

mia und ich blog Oase Arabische Wüste Esel Ägypten Egypt

Hurghada

Die Reise durch Ägypten beginnt in Hurghada. Diese Stadt, deren Name sich von `Bootssteg´ ableitet, lebt eindeutig in erster Linie vom Touismus. Ein Großteil der Stadt besteht aus Hotelanlagen, die sich an orientalische Baustile anlehnen. Wer in Hurghada Arbeitet, der nimmt oft den weiten Weg von der Nilregion auf sich. Weshalb das so ist, wird mir deutlich vor Augen geführt, als wir durch die Arabische Wüste westlich von Hurghada in das Inland fahren. Bislang habe ich nur die australischen Wüsten kennen gelernt. Was dort als Wüste bezeichnet wird, ist kein Vergleich mit der trockenen Tristesse hier. Während in Australien trotz der Trockenheit Vegetation herrscht, die Felsen von Spinifex überzogen sind und hier und da Wildblumen sprießen, begegnet uns hier nichts dergleichen. Nichts als Steinwüste, Sand und poröses Gestein, das sich hier und da zu schroffem Gebirge erhebt. Doch Pflanzen sucht man hier vergebens, abgesehen von ein paar dürren Büschen. Es schockiert und fasziniert mich gleicher Maßen, wie die Normadenvölker und ihre Tiere, die ausschließlich in der Wüste leben, hier überleben können. Was hier trotzdem sehr gut zu wachsen scheint, das sind die Berge von Müll. Traurig aber wahr. Und leider ist das ein Anblick, der uns durch das ganze Land begleiten soll.

mia und ich blog Lady Sophia Nil Luxor Ägypten Egypt
Angekommen auf der `Lady Sophia´. Die Atmosphäre auf dem Schiff fühlt sich sofort ein wenig an wie zu Hause zu sein. Wenigstens für eine Woche.

Die Busfahrt durch die Wüste dauert vier Stunden. Bei einem kurzen Halt werden wir sogleich mit der ägyptischen Mentalität konfrontiert, die keinen größeren Kontrast zu der europäischen bilden könnte. Die Leute dort an der Oase möchten Geldmünzen tauschen- Euromünzen, in die sie immer wieder ägyptische Münzen mogeln, wie uns zuvor zum Glück erklärt wurde. Diese sind weit weniger Wert und es scheint sich so wohl um ein lukratives Geschäft zu handeln. Es wird geschachert was das Zeug hält. Angeboten werden Tücher, Tuniken, vermeindliche Figuren aus Alabaster, welche aber nur aus Gips oder Kunststoff sind und leider noch nicht mal in Ägypten, sondern billig in Asien hergestellt werden. Sofort fühle ich mich wie auf einem Basar. Die Verkäufer sind aufdringlich, aber sie werden nicht agressiv, wenn sie keinen Erfolg haben ihre Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. So ist es eben ein Leben und Leben lassen, mit dem ich mich gut arrangieren kann. Ein Verkäufer hat den Spieß sogar umgedreht, und wollte mir meinen Hut abkaufen. Die Sonne ist heiß und scheint erbarmungslos auf das trockene Land herunter. Meinen Hut behalte ich besser, denn ich werde ihn hier sicher noch gebrauchen.

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mia und ich blog Nil Wasserbüffel Ägypten Egypt
mia und ich blog Luxor Nil Ägypten Egypt
Die romantische Abendstimmung auf dem Nil

Luxor

Das Ziel der Reise durch die Wüste ist Luxor. Dort angekommen gehen wir an Bord eines Schiffes, der `Lady Sophia´. Wir werden mehr als freundlich von der Crew und unserem Reiseleiter Hamdi empfangen und fühlen uns gleich sehr willkommen. Die Vegetation hier am Nil ist deutlich reichhaltiger als in der Wüste. Das Ufer ist gesäumt von Palmen und gefüllter rosaroter, roter und gelber Hibiskus blüht ebenso wie die üppigen Azaleen. Die Vögel in den Palmenwäldern liefern sich ein Konzert bis spät in die Nacht hinein. Als die Sonne hinter den aus Lehm gebauten Häusern versinkt, färbt sich der Himmel in einen Farbton aus glühenden Rot- und Gelbtönen ein.

mia und ich blog Alabaster Ägypten Egypt Tal der Könige
Der Lichttest wird durchgeführt, um die hochwertige, dünnwandige Qualität der Gefäße aus Alabaster deutlich zu machen. Dadurch wird auch die einmalig schöne Struktur des Gesteins sichtbar.
mia und ich blog Memnokolosse Tal der Könige Ägypten Egypt
Memnonkolosse im Tal der Könige
mia und ich blog Hatschepsut Tempel Ägypten Egypt
Detail des Tempels der Hatschepsut. Das Ankh, auch bekannt als ägyptisches Kreuz, Henkelkreuz, Lebensschleife, Nilschlüssel oder koptisches Kreuz taucht immer wieder in den Reliefen der Tempel auf. Es symbolisiert das ewige Leben und die Vereinigung von Mann und Frau im Kreuz, denn der ovale Kreis repräsentiert die Empfänglichkeit der Frau und der untere Teil die Zeugungskraft des Mannes.

Im Tal der Könige

Die Gräber der Pharaonen befinden sich im sogenannten Tal der Könige. Bei diesem Tal handelt es sich viel mehr um einen Berg, in den die Gräber wie Höhlen hineingegraben wurden. Noch heute, viele tausend Jahre nach der Zeit der alten Ägypter, lässt sich die einstige Pracht der Grabstätten erahnen. Aufwendig in den Stein gehauene Reliefs wurden später mit Malereien veredelt. Die Reste der Naturpigmentfarben geben einen Eindruck der damaligen Opulenz. Besonders die rotbaunen und blauen Nuancen sind in den Gräbern erhalten. Neben den Gräbern der Könige befinden sich diverse weitere. Diese wurden von den Arbeitern gegraben, denn anders als der verbreitete Glaube, dass die Pyramiden und Gräber von Sklaven errichtet wurden, waren viel mehr bezahlte Arbeitskräfte mit dem Bau beauftragt. Sie erhielten in erster Linie Naturalien, wie heute bekannt ist. Selbst an Tagen, an denen die Arbeiter krank waren, wurden sie entlohnt, bis sie wieder einsatzfähig waren. Vor so langer Zeit gab es also schon frühe, funktionierene Formen von Arbeitsrecht und Krankenversicherung. Bedauerlich, dass sich dieses fortschrittliche Prinzip nicht bis heute in Ägypten durchgesetzt hat.

mia und ich blog Hatschepsut Tempel Ägypten Egypt
mia und ich blog Hatschepsut Tempel Ägypten Egypt
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Natürlich sind die Grabstätten der Pharaonen längst geplündert. Die Schätze, die noch gefunden wurden- etwa aus dem Grab des Tut-ench-amun- befinden sich heute im Museum in Kairo. Es werden noch viele weitere Gräber vermutet als die, die bisher bekannt sind. So wird künftig veranlasst werden, das Dorf, das sich am Fuße des Tals der Könige befindet, zu verlegen und die Leute als ihren angestammten Häusern umzusiedeln. Dies wird ein schwerer Schlag für die betroffenen Familien werden, die davon Leben, Alabaster zu verarbeiten um daraus Figuren und Gefäße mit traditionellen Methoden herzustellen. Wir bekommen einen kleinen Einblick in eine solche Werkstatt, in der diese Gesteine verarbeitet werden. Besonders wenn man das Gestein illuminiert. Ein Test um echte Handarbeit von falscher zu unterscheiden wird durchgeführt, indem eine Lampe in das Gefäß gehalten wird, wird ihre Dünwandigkeit erkennbar. Dadurch sind die Gegenstände sehr leicht. Das ist ein gutes Qualitätsmerkmal und es kommt die Schönheit und Struktur erst richtig zur Geltung. Wer ein traditionelles, ägyptisches Souvenier mit nach Hause nehmen möchte, der wird hier sicher fündig. Qualitative Handarbeit hat natürlich ihren Preis. Dafür bekommt man aber wirklich ein kleines Stück altägyptischer Tradition.

mia und ich blog Hatschepsut Tempel Ägypten Egypt
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Die Pharaonin Hatscheput ließ sich in maskuliner Statur darstellen, wie die Statuen von ihr im Museum in Kairo zeigen. Sie als Frau wollte somit Irritation bei ihren Untertan vermeiden und beweisen, dass sie ihren männlichen Kollegen in Sachen Macht und Stärke in nichts nachsteht.
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Was man immer mitbringen sollte, wenn man Ägypten erkunden möchte, ist Zeit. Davon haben wir leider zu wenig. Um das Tal der Königinnen zu besuchen reicht die Zeit jedenfalls nicht. Dafür statten wir dem Tempel, der durch die Pharaonin Hatschepsut in die Landschaft integriert gebaut wurde, einen Besuch ab. Auf beeindruckende Art ist der Tempel so gebaut, dass die übereinander gestaffelten Terassen die Steigung der Felshänge aufnehmen.

mia und ich blog Lady Sophia Nil Ägypten Egypt
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mia und ich blog Nil Ägypten Esel Reiter Egypt

Am Abend legt unser Schiff ab und wir kommen in den Genuss, das von Palmen gesäumte Nilufer und die karge, felsige Landschaft dahinter, vom Wasser aus zu bewundern. Sie ist geprägt von der Landwirtschaft, wie man sie in europäischen Ländern wohl vor hunderten von Jahren gekannt hat. Das Getreide auf dem Feld wird von Hand in kleine Bündel gebunden und zähe, robuste Esel ziehen schwer beladene Karren, dienen ihrem Herren als Reittier oder warten geduldig vor den Lehmhäusern auf ihren nächsten Einsatz. Aus den Dörfern strömen sogleich ganze Scharen von Kindern an das Nilufer, wenn sie ein Schiff entdecken und grüßen lautstark winkend. Die Bauern bauen hauptsächlich Zuckerrohr, Bananen oder Oliven an. Knappe Güter wie beispielsweise Weizen wird zusätzlich aus der USA und Russland importiert, um den massenhaften Bedarf in den Städten abzudecken. In einem flüchtigen Moment werden wir Zeuge, wie ein Zicklein das Licht der Welt auf freiem Feld erblickt. Die ganze Bauersfamilie ist vorort und leistet Geburtshilfe. Das Leben vieler Ägypter ist durch harte Arbeit in der Landwirtschaft, aber auch durch große Armut geprägt. In Ägypten studieren mehr Frauen als Männer und arbeiten häufig in staatlichen und politisch hohen Positionen. Hier setzt sich der Weg fort, den die im alten Ägypten regierenden Frauen bereits vor tausenden Jahren geebnet haben.

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Sobek, der krokodilköpfige Wasser- und Fruchtbarkeitsgott
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Der Kom Ombo-Tempel wurde als “Haus des Krokodils” oder als “Haus des Falken” bezeichnet

Haus des Krokodils

Schon vom Schiff aus sichtbar erhebt sich der Kom Ombo-Tempel auf einem Hügel empor. Es ist heiß. Die Hitze ist trocken und drückend. Der mächtige Doppeltempel ist zwei Gottheiten geweiht- dem Krokodilgott Sobek und Horus, dem Licht- und Himmelsgott, aber auch Kriegsgott. Von den Statuen, die dort einst gestanden haben mussten sind leider nur noch die Sockel vorhanden. Überhaupt hat das Bauwerk stark unter seiner Geschichte gelitten. Deutlich sind die Spuren weniger respektvollen Umgangs nach der Zeit der alten Ägypter sichtbar. Beispielsweise befinden sich Löcher im Gemäuer, in dem offenbar das Vieh einstiger Bewohner angebunden stand. Die glockenförmigen Komposit-Kapitelle der Säulen sind sehr charakteristisch. Sie tragen Symbole wie Lotus, Papyrus, Schilf und Palmblätter. Hier und da sind noch Spuren von Farbresten erkennbar, die von einer prunkvollen Zeit während der Erbauung künden. Überhaupt überrascht mich immer wieder, wie fortschrittlich die Menschen damals schon waren. So befindet sich neben dem Tempel das sogenannte Nilometer. Es hat natürlich den Wasserstand des Nils gemessen. Erstaunlich dabei ist aber, dass so anhand des Wasserstands und des damit verbundenen Ertrags die Steuerabgaben im alten Ägypten bestimmt wurden. Die Krokodile galten früher als heilige Tiere, wohl auch aufgrund der Gefahr, die von ihnen ausging. Seit der Erbauung des Staudammes sind sie leider aus diesem Teil des Nils verschwunden. Im angrenzenden Museum sind sie noch zu besichtigen. Allerdings als über 2000 Jahre alte Mumien. Sie wirken so unversehrt, als wären sie erst vor kurzem mumifiziert worden.

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mia und ich blog Kom Ombo Tempel Relief  Ägypten Egypt
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mia und ich blog Relief Ägypten Egypt
mia und ich blog Nilometer Kom Ombo Tempel Ägypten Egypt
Das Nilometer diente der Festlegung der Steuerabgaben. Je mehr Wasser durch einen höheren Flutpegel des Flusses zu Verfügung stand, umso besser fielen die Ernteerträge aus, so dass auch höhere Abgaben erhoben werden konnten.

Assuan

Schon die Einschiffung in Assuan beeindruckt mich sehr. Die Stadt ist hell erleuchtet in der Dunkelheit und der große Vollmond scheint ebenso hell über der Moschee. Das Schiff legt am Westufer direkt neben dem durch Scheinwerfer angestrahlten Grabhügel an und von Deck aus bietet sich uns ein mysthischer Anblick. Gaufürsten aus dem Alten und Mittleren Reich fanden hier ihre letzte Ruhe. Bei Anbruch des Tages besichtigen wir die Staudämme. Der alte Staudamm wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts von Briten gebaut. Dabei wurden die Eigenarten des Nils berücksichtigt und die hohe Flutwelle mit dem fruchtbaren Nilschlamm konnte ungehindert hindurch fließen. Der neuere Hochdamm wurde in den 1970er Jahren fertig getellt. Russland hat dem Land Ägypten dabei finanziell unter die Arme gegriffen- wohl auch um eigene finanzielle Interessen zu verfolgen. Der Nilschlamm, der dem Niltal früher als natürlicher Dünger zur Verfügung stand, bleibt aus und muss durch Kunstdünger ersetzt werden. Zeitgleich mit dem Bau des Dammes wurde von Russland ein Werk erbaut, das Kunstdünger herstellt. Ein Denkmal in Form einer Lotosblüte mit einem Zahnrad im Zentrum erinnert an diese ägyptisch-sowjetische Freundschaft? Vielleicht sollte man es eher als Zusammenarbeit betiteln. Denn leider ist durch diesen Zusammenschluss viel Schaden im Land Ägypten entstanden, wie ich in meinem weiteren Bereicht über unsere Reise schildern werde.

mia und ich blog Staudamm Assuan Ägypten Egypt
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Sadd el-Ali Staudamm
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Perle des Nils

Mit dem Boot geht es auf die Insel Agilika. Neben den bizarren Steinformationen rund um den Nil hier, ziehen die vielen Katzen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Der Philea-Tempel wurde durch den Bau des Staudammes auf der Insel Philae überschwemmt und musste so auf der gegenüberliegenden Insel Agilika ‘umziehen’. An den einstigen Standort mit den Schattigen Palmenhainen erinnert an dem neuen Standort leider nichts mehr. Die Göttin Isis war die Schwester und Gattin von Osiris. Dieser wurde von seinem Bruder Seth getötet und um sicher zu gehen, dass er nicht wieder auferstehen wird, in 14 Teile zerhackt und in ganz Ägypten versteckt. Isis suchte überall nach den Gliedmaßen. Sie spürte die Leichenteile auf und setzte sie mit Zauberkraft wieder zusammen. Ein Organ blieb allerdings verschwunden: der Penis des Osiris. Den hatte Seth in den Nil geworfen, wo er sofort von Fischen gefressen worden war. Isis formte ein Ersatzglied aus dem Nilschlamm und empfing von dem kurzzeitig noch einmal zum Leben erweckten Gemahl das Kind Horus. Osiris wurde daraufhin der Herrscher des Totenreichs, Horus aber besiegte als junger Mann den bösen Seth und regierte als Erbe des Osiris auf Erden – als der erste Pharao.

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Trajan-Kiosk des Augustus mit vierzehn Säulen mit Papyrus-Kapitellen in Anlehnung an die 14 Teile des Osiris.
mia und ich blog Philea Tempel Ägypten Egypt Katzen
Katzen als vierbeinige Tempelwächter
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mia und ich blog Philea Tempel Ägypten Egypt Pylon Isis
Erster Pylon des Isis-Tempels

Düfte und Essenzen

Die alten Ägypter waren ihrer Zeit so weit voraus. Auch in Dingen wie Naturheilkunde waren sie sehr bewandert. Assuan ist bis heute davon geprägt. Wir besuchen einen nubischen Duftheiler, der uns einen Einblick in die Geheimnisse seiner Öle und Essenzen gewährt. Mit Minzöl lassen sich Atemwegserkrankungen heilen, Eukalyptusöl wird bei Asthma oder Allergien angewendet, während Sandelholzöl den Schmerz in den Gelenken lindern soll. Typisch ägyptisch sind die natürlichen Düfte Lotus für die Frau und Papyrus für den Herrn der Schöpfung. Beide Düfte werden hier naturrein belassen ohne zusätzliche Stoff wie z.B.: Alkohol. Der Lotusduft ist für meinen Geschmack zu süß und blumig. Ich bleibe meinem `Shalimar´treu. Für meine empfindliche Haut aber empfiehlt der Duftheiler Bittermandelöl, von dem ich mir auch gleich ein Fläschchen mitnehme. Die Zeit in Ägypten wird für mich in meiner Erinnerung immer eine Note von Bittermandel haben.

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mia und ich blog Nubischer Duftheiler Assuan Ägypten Egypt
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Die Zeit in Ägypten wird für mich immer eine Note von Bittermandelöl haben in meiner Erinnerung.

Im Zick-Zack-Kurs

Feluken sind kleine, zweimastige Segelschiffe. Diese mit Setteesegeln getakelten Handelsschiffe werden vom Heck aus gesteuert. Die Besonderheit dieser Küstenfahrzeuge ist, dass sie sich stets im Zick-Zack-Kurs fortbewegen. So bekommt der Begriff “Kreuzfahrt” eine ganz neue, wie ich finde treffendere Bedeutung. Ein Verdeck aus Stoff spendet Schatten in der Hitze. Gleich nach Beginn der Fahrt hängen sich Kinder auf Surfbrettern seitlich an das Schiff und begleiten unseren Weg auf dem Nil eine Weile. Dabei trällern sie laute Lieder wie “Frere Jacques”, was mir noch bis abends im Ohr bleiben soll. Bald schon lassen die Kinder von unserem Schiff ab und warten auf ihr nächstes “Opfer” in der Hoffnung auf Bakschisch. Und so fahren wir langsam nilabwäts zurück zu unserem Schiff.

mia und ich blog Nil Feluke Schiff Segelschiff Assuan Ägypten Egypt
mia und ich blog Nil Feluke Schiff Segelschiff Assuan Ägypten Egypt
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Das Steuern der Feluke.

Ein Abend im Nubischen Dorf

Wir tauschen die Feluke ein gegen ein kleines Motorboot, das uns nilaufwärts fährt . Auf dem Weg zu dem Nubierdorf sehen wir das 130 Jahre alte Schiff „Sudan“, das als Schauplatz für die Verfilmung von Agatha Christie´s „Der Tod auf dem Nil“ gedient hat. Heute dient es als Beförderungsmittel für die Schönen und Reichen, sollten sich die einmal nach Ägypten begeben. Während sich unser kleines Boot durch ein paar kleinen Stromschnellen kämpft, sehen wir eine Kamelkarawane über die Sanddünen ziehen. Bald entdecken wir die bund gestrichenen und teilweise bemalten Häuser im typisch nubischen Baustil mit Kuppelüberdachung.

mia und ich blog Nil Nubier Dorf Feluke Assuan Ägypten Egypt
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mia und ich blog Nil Wasservogel Wüste Assuan Nubier Dorf Ägypten Egypt
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Die Nubier mit ihren Kamelen

Nubier sind sind ein zum Teil mit Arabern sowie schwarzafrikanischen Ehnien vermischter nilo-saharanisch-sprachiger Volksstamm. Eine nubische Familie lebt in einem Mehrgenerationenhaus zusammen. Es hält sich wacker die Behauptung, dass Nubier faul wären. Wenn sie Geld benötigen, so gehen sie einer Arbeit nach. Nachdem der Nubier all sein Geld ausgegeben hat, geht er wieder auf die Suche nach Arbeit. Sparen scheint so ein Fremdwort für dieses Volk zu sein und sie wären somit wohl ein Alptraum für jeden Finanzberater. Nun kann man natürlich die Frage stellen, wer sein Leben besser lebt. Der Vollzeitarbeitende, der seine Zeit und Gesundheit opfert, oder der Nubier, der nur arbeiten geht, wenn er es für nötig hält und ansonsten das Leben genießt. Bei Hochzeiten kommt das ganze Dorf zusammen und jeder bringt etwas mit für das leibliche Wohl. Diese Feste ziehen sich über Tage hin.

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Das Nubierdorf mit den typischen Kuppelbauten
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mia und ich blog Nil Ägypten Egypt Nubierdorf Assuan
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Tee ist ein fester Bestandteil des Alltags und Ägypten verfügt über eine stark ausgeprägte Teekultur, wie wir feststellen. Er dient nicht nur als Durstlöscher bei der Hitze, sondern auch als Hilfsmittel um Kontakte zu knüpfen und Verhandlungen zu führen. Eine junge Nubierin serviert uns Karkadeh, wobei es sich um Malventee handelt und Shay Masir Tee. So wird der importierte und sehr beliebte Schwarztee genannt. Hamdi erzählt uns dazu etwas über das Dorf und seine Bewohner. Im Dorf profitiert jeder von den Fertigkeiten des anderen. Es gibt Schulen, Moscheen und die Menschen verlassen ihr Dorf nur um einen Beruf zu erlernen oder um zu arbeiten, um anschließend in ihr Dorf zurück zu kehren. Die Nubier halten Krokodile als “Haustiere” in einem engen Schacht ohne Wasser. Andernorts würde diese Haltung sicher sofort Tierschützer auf den Plan rufen. Die Idee dahinter ist sie aufzuziehen um sie dann auf der anderen Seite des Staudamms in die Freiheit zu entlassen. Und wahrscheinlich um Touristen zu unterhalten. Zum Wohl der Tiere könnte ich jedoch gut auf diese Art der Unterhaltung verzichten. Die ausgestopften Exemplare, die hier und da als Wandschmuck dienen, sprechen eine andere Sprache und irritieren mich etwas. Ich hoffe ich irre mich und den Reptilien wird tatsächlich wieder die Freiheit geschenkt.

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Details des Gewürzmarkts in Assuan
mia und ich blog Abu Simbel Statuen Ramses II Tempel  Ägypten Egypt
mia und ich blog Abu Simbel Statuen Ramses II Tempel  Ägypten Egypt
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Abu Simbel

Der Tag beginnt früh. Bereits um 2.30 Uhr klingelt der Wecker und wir machen uns auf den Weg. Mit dem Bus fahren wir von Assuan nach Abu Simbel. Die Fahrt dauert 3 ½ Stunden und um den Menschenandrang als auch die größte Hitze zu umgehen, beginnen wir diesen Ausflug zu dieser nächtlichen Stunde. Schnell geht der glühende Sonnenball über der kargen Wüste auf und leutet den neuen Morgen ein. Unser Weg führt uns vorbei an einem Kamelmarkt. Dort werden Kamele aus dem Sudan feil geboten und nach ganz Ägypten transportiert. Die Tempel von Abu Simbel sind wie so vieles andere Opfer des großen Staudammes. Um sie vor dem ansteigenden Wasser des Nassersees, des durch den Assuan-Staudamm aufgestauten Stausees des Nils, zu retten, wurden sie in den Jahren 1963 bis 1968 abgetragen und 64 Meter höher auf der Hochebene von Abu Simbel wieder aufgebaut. Das Vorhaben, den Tempel in einem Stück zu versetzen scheiterte, und er musste in seinen Einzelteilen an seinen jetzigen Standort transportiert werden. Bei der Berechnung der astronomischen Gesichtspunkte unterlief jedoch ein Fehler und das „Sonnenwunder“ von Abu Simbel setzt nun einen Tag später ein. So bezeichnet man ein Ereignis, das zwei Mal im Jahr stattfindet. Hierbei beleuchten in einem bestimmten Zeitraum die durch den Tempeleingang eindringenden Sonnenstrahlen für etwa 20 Minuten drei der vier in sitzender Haltung dargestellten Götterstatuen des tief im Tempel liegenden Heiligtums: des Amun-Re von Theben, des vergöttlichten Ramses und des Re-Harachte von Heliopolis. Die Statue des ganz links sitzenden Ptah von Memphis, eines Erdgottes, der mit dem Reich der Toten verbunden war, bleibt mit Ausnahme seiner linken Schulter außerhalb des Sonnenlichts. Der große Tempel wurde zu Ehren des Pharao Ramses erbaut. Die Skulpturen, die vor der Fassasde des Tempels sitzen sind 20 Meter hoch. Ramses ließ sich gern athletisch gebaut, jung, gut aussehend und vor Allem überdimensional groß darstellen. Seine Mumie misst aber lediglich 1,65 m. Besonders beeindruckend an Ramses ist nicht nur die zahlreichen Kinder, die er mit seinen Frauen hatte. Er erreichte in der damaligen Zeit schon ein hohes Alter von etwa 90 Jahren und regierte ganze 66 Jahre lang. Der kleinere Tempel daneben wurde für die Göttin Hathor und seine Frau Nefertari errichtet. Sie ist genau so groß dargestellt wie Ramses selbst, was sehr ungewöhnlich ist. Dies zeugte von seiner besonderen Liebesbeziehung neben all seinen anderen Frauen zu ihr. Im Tempel erschlägt uns, gleich der sengende Hitze. Neben den Haupträumen führen seitlich Nebenkammern ab, die für Opfergaben gedacht waren. Nicht nur die Statuen außen- auch die stehenden Statuen im Inneren sind übergroß dargestellt. Alle Wände sind mit Abbildungen aus dem Leben des Ramses versehen so wohl als mit Abbildungen der Gottheiten. Wie beeindruckend muss der Tempel erst gewesen sein, als er in voller Farbenpracht und mit all den Schätzen bestückt war. Das Wasser um den Tempel in Abu Simbel erscheint in einem tiefen Türkisgrün und lässt den Ort noch unwirklicher erscheinen. Nach der Besichtigung des Tempels fahren wir zurück durch die Wüste und kehren zurück auf das Schiff. Wir entspannen uns an Deck und genießen die Fahrt zurück Richtung Esna. Zum Abendessen werden uns traditionelle orientalische Speisen angeboten. Anschließen tanzen und feiern wir zu ägyptischer Musik in der Bar. Spät am Abend entschließen wir uns zusammen mit einigen Mitreisenden zu einem Ausflug durch die Stadt. Die Straßenhändler versuchen lautstark ihre Waren an den Mann zu bringen. Vorbei an dem Tempel in Esna verlieren wir uns im lebhaften Gewirr der Gassen und Hinterhöfe. Insbesondere zur Zeit des Ramadan findet das aktive Leben erst nachts statt. Wir gehen vorbei an Händlern, Handwerkern und umher tobenden Kinderscharen. Letztendlich landen wir in einem Straßencafe. Wir lassen den Abend gemütlich bei philosophischen und politischen Gesprächen mit Shai Masir und Minztee ausklingen. Zurück auf dem Schiff werden die Gespräche fortgesetzt. Bis spät in die Nacht.

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Die lange Nacht in den Straßen von Esna.
mia und ich blog Esna Chnum Tempel  Ägypten Egypt Säulen Relief
Der altägyptische Tempel in Esna ist dem widderköpfigen Chnum geweiht.
mia und ich blog Esna Chum Säulen Kapitelle Tempel  Ägypten Egypt
Unter der Schwarzen Schicht des früher dort gelagerten Schießpulvers tritt die einstige farbenpracht des Tempels zu Tage.
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Auf dem Basar in Luxor.

Haus des Chnum

Nach ein paar Stunden schlaf beginnen wir den neuen Tag. Nach dem Frühstück besichtigen wir den Tempel in Esna. Der einzige erhaltene Teil ist die Vorhalle des eigentlichen Tempels. Sie liegt 8 m tiefer als die umliegenden Gebäude. Auch dies ist wieder dem Bau des großen Staudammes zuzuschreiben. Die Stadt musste wegen der Überschwemmung höher gelagert werden. Für den Tempel blieb das nicht ohne Folgen. Ständig hat man hier damit zu tun, das Grundwasser zu kontorllieren, das den Sandstein angreift und überlaufen würde, wenn es nicht immer abgepumpt werden würde. Von oben droht dem 2000 Jahre alten Gemäuer eine weitere Bedrohung. Die Tauben fühlen sich hier besonders wohl und richten leider schweren Schaden am empfindlichen Sandstein an. Im Tempel selbst ist man damit beschäftigt, die Säulen zu restaurieren, in dem man sie von schmutz und Staub der Jahrhunderte befreit. Die Franzosen hatten den Tempel als Lager für Schießpulver genutzt und der schwarze Staub hat sich überall vor allem an der Decke festgesetzt. Darunter erscheinen erstaunlicher Weise die ursprünglichen Farben aus Metalloxiden und fein gemalenem Gestein. Als Bindemittel diente Eiweiß und versiegelt wurde alles mittels Wachs. Es ist faszinierend diese leuchtenden Farben auf den Mauern zu sehen und das hilft sich vorzustellen, wie das Bauwerk einst ausgesehen haben muss. Unter den Häusern der Umgebung um den Tempel vermutet man weitere Teile des Tempels. Manchmal sei es jedoch besser, die Tempel im Sand begraben zu lassen, um sie vor äußeren Bedrohungen zu schützen, erklärt Hamdi. Zurück an den feilschenden Händlern gelangen wir wieder auf unser Schiff, das daraufhin ablegt und in Richtung Luxor fährt. Später beschließen wir einen Ausflug in das Stadtzentrum zu machen. Zusammen mit unseren Mitreisenden machen wir uns auf den Weg und suchen nach einem Taxi. Wir handeln einen Preis aus, denn ohne zu feilschen geht es hier einfach nicht. In einem uralten französischen Wagen mit Gangschaltung am Lenkrad düsen wir Richtung Stadt, so schnell es die zahlreichen Bodenwellen zulassen. Unser Fahrer bringt uns zu einem Geschäft, in dem Souvenirs für Touristen angeboten werden. Das war eigentlich nicht unser Ziel und unser schwäbischer Mitreisender lässt den Taxifahrer seinen Unmut deutlich spüren. Ganz ernst dabei bleiben kann ich nicht, denn es ist einfach eine zu komische Szene, wenn ein Ägypter und ein englisch sprechender Schwabe gereizt diskutieren. Ich muss mir ein Schmunzeln verdrücken. Außerdem weiß ich nicht, in wie weit man einen Mann bei dieser Hitze reizen sollte, der den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, da ja Ramadan ist. Aber irgendwann beruhigen sich die Gemüter wieder und wir werden zu einem Markt gefahren. Unser Fahrer verucht verzweifelt zu erklären, dass während des Ramadan nichts los ist tagsüber auf dem Markt. Aber uns ist da nur recht, wenn es ruhiger zugeht. Wir schlendern duch die Gasse vorbei an Tuch-, Souvenir-, Kupfer und Gewürzhändlern und kehren dann zurück auf die “Lady Sophia”. Kurz befürchte ich eine Eskalation der Situation, als der Taxifahrer noch beginnt das Thema Bakschisch auf den Plan zu rufen. Doch die Befürchtung bleibt unbegründet. Auch ohne Bakschisch. Abends kommen wir in den Genuss einer Tanzeinlage. Genauer gesagt sind es zwei Tanzeinlagen. Nachdem eine Bauchtänzerin ihr Können unter Beweis gestellt hat, tritt ein Derwisch auf die Tanzfläche und versetzt mich in Staunen von der erten Sekunde an. Der Tanura-Drehtanz der ägyptischen Derwische hat einen religösen Ursprung und wird nur von Männern getanzt. Die unermüdliche Drehbewegung symbolisiert die Sonne, die sich um die eigene Achse dreht. Beim Drehen löst der Tänzer einen Rock nach dem anderen zieht ihn über den Kopf, wo er zu einer Art Scheibe wird, die den Tänzer leichter machen soll, so dass er zum Himmel fliegen kann. Mich beeindruckt der Tänzer ungemein, denn wer als Kind zu Gaufesten in bayrischen Landen mitgeschleift wurde und dort einmal probiert hat, sich zu drehen wie die tanzenden Gautrachtlerinnen, der weiß, wie schnell einem in der Drehbewegung schwindlig wird. Und wie lange sich die Umgebung danach noch dreht.

mia und ich blog Luxor Obelisk Tempel  Ägypten Egypt Pylon
Der Pylon des Luxor Tempels. Der fehlende Obelisk auf der rechten Seite ziert heute den Place de la Concorde in Paris. Er war ein Geschenk Sultan Muhamad Alis an den König von Frankreich.
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Die Sphingenallee als Verbindungsglied zum Karnak Tempel.

Zurück in Luxor

Hamdi bereitet uns heute morgen darauf vor, dass die Temperaturen heute bis zu 50°C auf dem Thermometer hinauf klettern sollen. Der Ausflug in den Luxor Tempel beginnt also früh morgens. Es ist schon sehr beeindruckend die Überreste dieses Bauwerks zu sehen. Auf dem Pylon sind Szenen der Schlacht zu sehen, die Ramses II gegen die Hethiter geführt hat, als versenktes Relief dargestellt. Hinter dem Pylon betritt man den Hof Ramses II, der mit einer doppelten Kollonade umgeben ist. Sie besteht aus Säulen mit geschlossenen Papyrus-Kapitellen. Je nach Standort, ob sonnig oder schattig glegen, wurden die Papyrus-Kapitelle entweder gechlossen oder geöffnet platziert. Der östliche Teil des Hofes ist mit der Moschee Abu el-Haggag überbaut. Sie liegt heute erhöht, denn zum Zeitpunkt ihres Baus lag der Tempel bis zu diesem Niveau im Sand verschüttet. Noch heute scheinen die Menschen auf den wundersamen Beistand der altägyptischen Gottheiten zu hoffen, was die abgegriffenen schwarzen Verfärbungen an manchen Stellen des Tempels zeigen. Der Tempel erfüllte einst den Zweck, das Opet-Fest zur Zeit des ägyptichen Neujahrs zu zelebrieren.

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Karnak Tempel
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Amun, Gott des Windes und der Fruchtbarkeit dargestellt mit Widderkopf
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Fotos: Maximilian Hagstotz

Wir besuchen im Anschluss an den Luxor-Tempel den 2,5 Kilometer nördlich entfernten Karnak-Tempel und staunen über die große Fläche, die der Tempel einnimmt. Der Tempel steht auf 80ha Fläche. Ein kleiner Park vor dem Tempel, in dem schattenspendende Bäume mit wunderschönen Blüten wachsen, füllen den Platz mit ihrem Duft. Hamdi erzählt uns, dass am Tempel selbst 2000 Jahre gearbeitet wurde. Vor ca. 4000Jahren wurde mit dem Bau begonnen. Von innen nach außen wurde die Tempelanlage in zwei Achsrichtungen gegliedert, eine dieser Achsen weist direkt zum Luxor Tempel. Wie viele Generationen an Pharaonen daran gearbeitet haben ist unglablich. Übrigens wurde hier ein James Bond Film gedreht, den ich natürlich auch nicht geehen habe. Aber Hamdi meint, dass jeder Ägypter sich kaputt lacht wenn er den Film sieht, denn in einer Szene, in der sich Bond hinter einer Säule des Karnak-Tempels versteckt um dem Bösewicht zu entkommen, flieht er in der nächte Szene bereits entlang der Pyramiden im über 700 km entfernten Kairo. Ich weiß schon, weshalb ich keinen Fernseher habe und mir lieber alte Filme ohne viel technischen Schnickschnack ansehe. Der Säulensaal zählt 134 Säulen mit 3,5m Durchmesser und erstaunlich gut erhaltenen Farben. Der Nil ist nur wenige hundert Meter entfernt. Dadurch steht das Grundwasser sehr hoch und besonders bei den Säulen fällt mir auf, dass sie im unteren Bereich Feuchtigkeit abgekommen haben müssen und dunkler verfärbt sind. Beim Schlendern über das Gelände tauchen immer wieder Leute auf, die dringend auf Besonderheiten hier und da hinweisen möchten, um ich ein kleines Trinkgeld zu verdienen. Es ist etwas lästig, aber nach all den Besuchen der Sehenswürdikeiten ist es irgendwo zur Gewohnheit geworden und ich bleibe freundlich, aber betimmt. Anschließen besuchen wir eine Werkstatt, in der Papyrus hergetellt wird. Wir erhalten einen Einblich in die Herstellung von Papyrus. Die Pflanze wird geschält und in dünne Streifen zerteilt. Der obere Teil erinnert an Sonnenstrahlen und der Querschnitt des Stängels hat die Dreiecksform einer Pyramide, so wird uns erklärt. Sechs Tage müssen nun die Papyrusstreifen im Wasser liegen, danach werden sie nacheinander über kreuz auf ein Baumwolltuch gelegt und weitere sechs Tage lang gepresst. Damals gab es noch keine Pressen aus Metall, deshalb haben die Ägypter Granitplatten zur Hilfe genommen. Ich bin beeindruckt und staune darüber, wie raffiniert die Ägypter damals waren um auf die Idee zu gekommen diese Pflanze zur Papierherstellung zu benutzen. Mit dem Bus geht es zurück zum Schiff.

Mitlerweile hat es 48°C und es ist noch nich einmal Mittag. Wir ziehen uns zurück und verbringen den restlichen Tag damit etwas zu relaxen. Heute ist der letzte Tag auf dem Schiff bevor es nach Hurghada zurückgeht. Bereits heut morgen haben wir uns von einigen Mitreisenden verabschieden müssen, da sie einen anderen Reiseverlauf haben. Wenn sie geraden meinen Blogbeitrag lesen, dann möchte ich sie an dieser Stelle lieb Grüßen. Mein besonderer Dank richtet sich an unseren Reieleiter Hamdi für die vielen interessanten Ausführungen zu all den Wundern, die dieses erstaunliche Land für uns bereit gehalten hat. Schukran für die schönen Momente.

NORDWÄRTS

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Mirima-Nationalpark

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Wir setzen unseren Weg Richtung Norden fort. Kununurra ist im äußersten Nordosten des Bundesstaats Western Australia gelegen. In den Außenbezirken der Stadt finden wir den Mirima-Nationalpark, der von den Anwohnern auch als “Mini-Bungle Bungle” betitelt wird. Das liegt daran, dass die karminroten Sandsteinhügel in der Form von Bienenkörben denen im Purnululu-Nationalpark wirklich sehr stark ähneln. Die Fläche dieses Parks entspricht allerdings nicht mal einem Prozent seines großen Bruders. Eben die Miniaturausgabe. Sehr interessant ist es dort trotzdem, da ein kleiner Lehrpfad die dort wachsenden Pflanzen sehr aufschlussreich beschreibt und auchderen Nutzung. Das ist ein absoluter Vorteil gegenüber den großen Nationalparks. Wie oft habe ich schon Pflanzen gesehen, die mich fasziniert haben, doch ich keine Ahnung hatte, was das eigentlich ist. So nehme ich mir vor, es später nachzuschlagen, was ich dann doch meist vergesse. Die Schilder sind so schön gestaltet, dass ich mir einen Laden herbei wünsche, der die Produkte in diesen nostalgischen Verpackungen vertreibt. Die Felsformationen sind ebenfalls sehr beeindruckend. Vier Walkingtrails führen durch das Gelände und bieten außerdem einen guten Blick über Kununurra.

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Purnululu-Nationalpark

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Die Livistona-Palmen können eine Höhe von bis zu 12 m erreichen und wachsen entlang des ausgetrockneten Bachbetts und auf  den Felsen an den unmöglichsten, steilsten Plätzen.

Wir verbringen die Nacht auf einem Campingplatz vor dem Purnululu-Park. Gerade als wir unser Abendessen in der Dunkelheit genießen wollen, raschelt es hinter uns. Und es ist kein Wallaby. Es muss etwas größeres sein. Langsam kauend schlendert ein mächtiger Bulle auf uns zu. Er hat einen friedlichen Gesichtsausdruck, doch die Mimik von Rindern zu lesen ist eine Kunst für sich. In meinen Kopf hat sich ein Erlebnis meiner ersten Australienreise eingebrannt. Wir haben Rinder mit den Pferden zusammen getrieben und sie wurden in kleinen Yards sortiert. Vor mir stand ein gewaltiger Bulle und visierte mich. Ehe ich mich versah, stürzte er auf mich zu und rammte seinen Kopf mit voller Wucht in die Metallstäbe, die uns trennten. Zum Glück, denn sonst könnte ich jetzt sicherlich nicht mehr hier sitzen und von meiner Reise berichten. Ich wedle mit dem Hut und vertreibe den Bullen mit meiner Stimme. Nach ein paar Trabschritten verlangsamt er das Tempo jedoch wieder und grast gemütlich vor den Toilettenanlagen. Die Betreiber des Campingplatzes feiern gerade ein Schlachtfest. Kinder tollen umher und blieben wie angewurzelt stehen, als sie den Bullen entdecken. Aufgeregt rennen sie zurück auf das Fest. Sie kehren zurück mit einer Frau. Sie schreitet zielsicher auf den Bullen zu und streichelt ihn zwischen den Hörnern. Er hebt den Kopf und genießt es sichtlich. Na schön, der erste Eindruck war also richtig. Der Bulle gehört hier wohl  zum Campingplatz wie ein Hütehund. Aber man weiß ja nie.

Bei Sonnenaufgang machen wir uns auf. Am Vortag haben wir uns noch mit unseren Nachbarn auf dem Campground unterhalten, die uns vor dem unwegsamen Gelände in den Park warnen. Zurecht. Der Weg schlängelt sich in Serpentinen durch die Landschaft und als wir endlich bei der Parkinformation ankommen, ist uns beiden richtig übel. Doch der Erkundungsdrang ist stärker. Angekommen im Purnululu-Park folgen wir zum Einstieg der Wanderrute namens Echidna-Chasm. Die Felsformationen sind einzigartig und gehören nicht wurden nicht ohne Grund als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Der Weg führt uns etwa zwei Kilometer durch enge Felsschluchten. Der Sandstein ist mit Kieseln und Flechten bedeckt und hat sich vor etwa 419 Millionen Jahren gebildet.

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Echidna-Chasm

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Bungle Bungles. Die runde Form ist durch die starken Witterungseinflüsse während der Regenzeit entstanden. Sie sind auf der Südroute zu finden. Nach dem Abendspaziergang zum Cathedral-Gorge sehen wir uns noch den Sonnenuntergang an.

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Auf dem Weg zum Cathedral Gorge

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Details

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Cathedral Gorge

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Australian Bustard

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WILDNIS

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Cockburn Range

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Regenbogen Bienenfresser

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Langsam erreichen wir das Ende der Gibb River Road. Einerseits genießen wir die wilde Schönheit der Gegend und die abenteuerliche Fahrt auf den Schotterstraßen, andererseits freuen wir uns aber auch auf die befestigten Straßen, damit das permanente Rütteln während der Fahrt ein Ende hat. Der Geräuschpegel während der Fahrt kann nach einigen Tagen schon sehr anstrengend werden. Aber wie gesagt- die Landschaft, durch die unsere Reise führt, macht einiges wieder wett. Nach einem Frühstück auf dem Campingplatz der Mount Elizabeth Station in der Gesellschaft von Wallaby “Chloe” und eines vorwitzigen Federviehs, das es auf mein Frühstück abgesehen hat, setzen wir unseren Weg fort. Natürlich nicht ohne noch einmal ausgiebig den weichen Pelz des zahmen Wallabies gekrault zu haben.

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Pigeon Hole Lookout mit Blick auf den Chamberlain River

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Unser nächstes Ziel ist der El Questro Wildnispark. Eigentlich bin ich immer skeptisch gegenüber touristischen Attraktionen. Und obwohl die einstige Rinderfarm sehr auf Tourismus ausgerichtet ist, bin ich trotzdem begeistert. Der Campingplatz ist direkt an einem kleinen Fluss gelegen, der bei der Hitze sehr zu einem Bad einläd. Vorausgesetzt dass einen die kleinen Fische nicht stören, die gerne mal an einem herumknabbern. Um das Wasser herum lassen sich auch verschiedene Vogelarten wie Corellas oder die farbenfroh schillernden Lories gut beobachten. Mittags essen wir in dem Restaurant. Was soll ich sagen. Australien hat so viele Facetten, die eine Reise wirklich lohnen. Was die australische Küche betrifft, so sollte man als Europäer vielleicht nicht zu große Erwartungen haben. Gleich drei Kookaburras gleichzeitig leisten uns Gesellschaft in der Hoffnung, dass auch etwas für sie abfällt von unseren Speisen. Am Abend fahren wir zu dem sogenannten “Pigeon Hole Lookout”. Von dort aus hat man einen wunderbaren Ausblick über das Areal und begreift erst wirklich, wie gigantisch groß El Questro eigentlich ist. Es umfasst bald fünf mal die Fläche von Berlin. Am Abend besuchen wir noch die Bar und lassen den Tag entspannt bei Gitarrenmusik und einem `Stubbie´Bier ausklingen.

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Früh am nächsten Morgen brechen wir auf. Unser Ziel ist das El Questro Gorge. Schon der Weg dort hin ist spektakulär.

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Auch an unserem 2. Tag in El Questro können wir nicht genug bekommen von dem Blick über die Kimberley Region

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Die Tage vergehen wie im Flug. Den letzten Tag beginnen wir in den Zebedee Thermal Springs. Sie sind nur bis mittags geöffnet und es lohnt sich früh aufzustehen, da der Andrang sehr groß ist. Inmitten von riesigen Livistonia Palmen befinden sich kleine Pools, die sich kaskadenförmig furch die Felsen schrauben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gorges ist das Wasser in den Zebedee Springs sehr warm. Oben ist das Wasser am wärmsten uns kühlt auf seiem Weg nach unten etwas ab. Dem Wasser wird eine heilende Wirkung nachgesagt.

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Zebedee Springs

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Der berühmteste Anlaufpunkt auf El Questro ist wohl das Emma Gorge. Es führen gut gekennzeichnete Wege durch die felsige Landschaft in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Auch wenn der Weg etwas lang erscheint, so lohnt er sich am Ende auf jeden Fall. Das kalte Wasser ist erfrischend, auch wenn diese Erfrischung bei den heißen Temperaturen nicht lange vor hält. Der Blick auf die Felsen, die ein beeindruckendes Farbspiel je nach Lichteinfall bieten und über die kleine Rinnsäle herabfallen, ist sehr faszinierend. Auf dem Rückweg bin ich einen Moment unachtsam und stürze. Wie schnell doch ein Misgeschick Pläne durchkreuzen kann. Zum Glück kann ich mich noch abstützen, bevor mein Kopf auf dem Stein aufschlägt und so sind nur meine Knie in Mitleidenschaft gezogen. Die Rast für die Glieder kommt mir auf der  anschließenden Fahrt nach Kununurra sehr gelegen.

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Emma Gorge

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HINTERLAND

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Wenn man eine Reise tut, so trifft man von Zeit zu Zeit auf Gleichgesinnte. Man tauscht sich aus über die Reisepläne und gibt, bzw. erhält auch gerne die ein oder andere Empfehlung. So geschehen ist uns das in der Shark Bay Region beispielsweise. Eine Amerikanerin schwärmte uns dort so vor von einer Übernachtungsmöglichkeit namens Bullarra Station, dass wir diese Unterkunft in unserer Reiseplanung mit berücksichtigen. Erst spät in der Nacht erreichen wir unser Ziel. Gerade noch wundern wir uns, wer denn hier große Steine auf die Zufahrtsstraße der Ranch gelegt hat, da sehen wir, dass der vermeintliche Stein bei genauerer Betrachtung mit den Ohren wackelt. Die farblich der roten Erde angepassten Kühe sehen liegend in der Dunkelheit durch ihre Silhouette wirklich ein wenig aus wie ein Stein. Tatsächlich ist der Hof so spät abends noch belebt. Nach dem wir uns angemeldet haben, verweilen wir noch eine Weile mit Reisenden aus Südaustralien in der Küche. Doch dann gehen wir zu Bett. Wie schön es ist, auf dem Autodach zu schlafen. Über uns dieser gigantische Mond, der auf dem Rücken liegt und millionen von Sterne, die mitten im Nirgendwo und ohne all die künstliche Beleuchtung so viel größer und klarer erscheinen. Nur wir, die warme Nachtluft und dieser beeindruckende Sternenhimmel.

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Tags darauf sehen wir uns erst eimal um auf der Station. Wir beginnen den Tag so, wie unsere amerikanische Bekannte es uns empfohlen hat: Mit Kaffee und frisch gebackenen Scones mit Marmelade und Sahne. Wir bewundern, mit wie viel Liebe zum Detail alles hier gestaltet wurde. Auf einem alten Herd neben unserem Tisch steht ein großer Strauß mit Wildblumen und überall auf dem Gelände sind nette, handwerkliche Spielereien zu finden. Wir werden sehr aufmerksam umsorgt und können unseren Aufenthalt in vollen Zügen genießen. An unser Frühstück schließen wir noch einen kleinen Spaziergang an. Wir wandern über den von der Sonne verbrannten, roten Boden und sehen neben den Rindern und Pferden unterschiedliche Vögel wie Corellas und winzige Finken, die durch die trockenen Büsche huschen. Mein Opa hat Vögel gezüchtet, als ich noch klein war und sie haben mich immer schon fasziniert. Ich bin mir sicher, dass auch er begeistert gewesen wäre, wenn er seine geliebten Nymphensittiche in freier Natur hätte bewundern können.

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MEERESGEYSIRE

mia_und_ich_ontheroad_westaustralien_blog_reise_travelIMG_5257Was bei einem Roadtrip durch Australien in Kauf genommen werden muss, sind die gewaltigen Entfernungen, die gut und gerne endlos erscheinen. So ergeht es uns bei der Strecke zwischen der Shark Bay Region und dem Ort Carnarvon. Die Straße zieht sich hier oft schnurgerade durch die Landschaft und scheint in der etwas trostlosen Landschaft nahezu unendlich. Interessant ist allerdings, wie häufig sich die Vegetation innerhalb der Strecke verändert. Der Boden um Carnarvon ist sehr fruchtbar und so ist es nicht erstaunlich, dass dort eine große Vielfalt an Obst angebaut wird. Natürlich musste ich das testen und ich bin begeistert. Mein Testobjekt ist die in Australien gezüchtete Apfelsorte namens `Bravo´. Schon als Kind war habe ich die `Roten Delicious´Äpfel aus Opa´s Garten geliebt und die Sorte`Bravo´ toppt ihn sogar noch mit seiner dunkelroten Schale und dem sehr hellen, fast schon weißen Fruchtfleich. Dabei geht es mir natürlich nicht um die Äußerlichkeiten. Der Geschmack ist einfach unbeschreiblich. Er schmeckt förmlich von der Sonne geküsst und die knackige, saftige Konsistenz ergänzt dies wunderbar. In Carnarvon habe ich also meine neue liebste Apfelsorte gefunden. Doch ansonsten sehen wir nicht viel davon, denn wir verbringen hier nur die Nacht und setzen unsere Reise am Morgen fort.

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Unser Weg führt uns durch die Schaffarm in Quobba. Dort erwartet uns das Naturschauspiel der Blowholes. In Höhlen, welche sich in den Klippen befinden, sammelt sich Wasser und wird je nach Wasserstand und Wellenbewegung nach oben gedrückt. Wir hatten Glück und konnten diese Meeresgeysire in voller Aktion bewundern. Zahlreiche Lebewesen wie Krebse und kleine Fische finden in den ausgeschwemmten Felsen, die oft wie eine bizarre, ausserirdische Landschaft erscheint, ihre Heimat.

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Die bizarr ausgewaschenen Felsen erscheinen wie eine Landschaft eines andern Planeten.

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Erst am späten Nachmittag erreichen wir Coral Bay. Immer wieder ist es interessant, wenn man stundenlang nichts und niemanden ausser ein paar vereinzelten Autofahrern sieht, in Ballungsgebiete gelangt. Nur diesmal sind wir besonders überrascht über den Andrang. Wohin man auch blickt schlendern überall entpannt junge Menschen umher, Musik schallt über den Strand und einige Leute machen es sich bereits auf einer Decke mit einer Flasche Wein gemütlich und fiebern dem Sonnenuntergang entgegen. Wir sind total ermüdet und verschwitzt von der Fahrt. So springen wir sofort bewaffnet mit Schnorchelausrüstung ins Wasser um uns zu erfrischen. Was wir dort erleben, versetzt uns abermals in Staunen. Denn sofort befinden wir uns mitten im Riff und eine Vielzahl unterschiedlicher Fische tummelt sich um uns herum. Wir hören leise Knuspergeräusche und sehen, dass einige Papageienfische an Korallen knabbern. Die Zeit vergeht rasend schnell und wir würden diese fabelhafte Unterwasserwelt am liebsten gar nicht mehr verlassen. Die Abendfrische zwingt uns dann aber doch dazu. Frierend in Handtücher eingehüllt warten dann auch wir auf den großen, pastellfarbenen Ball, der in das Meer eintaucht und den Tag beendet.

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DAS KAISERLICHE BAD

Wieder ist ein Jahr vorbei. Im April wiederholt sich unser Jahrestag bereits zum 6. Mal und so stehe ich abermals vor der Frage: “Was soll ich ihm schenken?” Etwas materielles? Wenn ich dann die Wunschliste meines Freundes durchgehe, merke ich schnell, dass das wenig romantische Geschenke werden würden, sondern eher praktische. Also finde ich es schöner ein Geschenk zu machen, bei dem man etwas Zeit zu zweit verbringen kann. Und gemeinsame Erlebnisse verbinden. So habe ich mir überlegt, dass wir ja mal dieses “Wellness-Ding” ausprobieren könnten, von dem alle so schwärmen. Direkt im Anschluss an die Tage in Venedig war das auch wirklich eine gute Idee, um uns von den zahlreichen Erkundungstouren durch die Stadt ein wenig zu erholen und die schmerzenden Füße zu kurieren.

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Auch wenn Wellness gerade erscheint wie eine Erfindung der Neuzeit geht dieser Badekult doch weit zurück in die Zeit um 2.500 v. Chr. in die Kultur der Indus. Es muss damals schon Badeanlagen gegeben haben, die wohl nicht nur der Reinigung, sondern auch dem Vergnügen gedient haben sollen. Das Antike Griechenland und später das Antike Rom war ebenfalls bekannt dafür, dass des Körperbewusstsein dort schon weit verbreitet gewesen sein muss. Es gab nicht nur Badeanstalten für die Allgemeinheit, sondern auch in Privatäusern muss es Wannen und Waschbecken gegeben haben. Die Badeanlagen ließen sich bereits temperieren und man erkannte die jeweiligen Vor- und Nachteile des Badens in warmem oder kaltem Wasser. Im europäischen Raum geriet Körperhygiene zur Zeit des Mittelalters bekanntlich wieder völlig in Vergessenheit, was Krankheiten und Seuchen zur Folge hatte. Erst durch Kreuzfahrer wurde die Badekultur neu entdeckt in den islamischen Ländern. Zahlreiche Maler haben sich dadurch inspirieren lassen.

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Aber erst einmal zurück in das Hier und Heute. Kössen in Österreich ist Schifahrern sicher am ehesten ein Begriff. Doch uns verschlägt es dort bei sommerlich warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein hin. Und wir staunen nicht schlecht, denn uns erwartet ein regelrechter Palast, der die kommenden Tage unsere Bleibe sein wird. Die goldenen Kuppeln reflektieren die Sonne und lässt das ganze Anwesen noch prunkvoller erscheinen. Auch das Interieur in unserem Chalet ist sehr geschmackvoll gewählt und verbindet neue Elemente mit Traditionellem, wie beispielsweise der Verwendung von Zirbenholz. Die Zirbe wächst nur im Hochgebirge und sondert einen ganz besonderen Geruch ab. Bei Interesse an diesem Gehölz kann ich den Zirbenweg auf dem Patscherkofel ans Herz legen. An der Wand unseres Zimmers hängt über dem schlichten Sofa ein nostalgisches Bild einer Trachtlerin, das natürlich wunderbar in diese Alpenregion passt.

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Wir durchwandern während unseres Aufenthalts allerdings viele Themenbereiche und glatt könnten wir vergessen, dass wir in uns nicht im fernen Marrakesch, sondern im ländlichen Österreich befinden. Um dem herrlichen Wetter zu fröhnen, gibt es einen groß angelegen Außenbereich  mit mehreren Bade- und Liegemöglichkeiten. Ansonsten hat es mir vor allem das schön gestaltete Becken angetan, über dem sich eine Metalltreppe hoch zu einem Liegebereich windet, das Dampfbad, in dem es nach Blüten duftet und die Infarotkabine, bei der sich die Bestrahlung hauptsächlich auf die Wirbelsäule konzentriert. Unser Mittagessen genießen wir auf der Terasse mit Blick in die Bergkulisse, während nebenan einige Haflinger gemütlich grasen. Selten haben wir ein so gut organisiertes Team an Personal erlebt wie hier. Das Abendessen war perfekt nach saisonalen Gesichtspunkten abgestimmt und das Frühstücksbuffet mit frischem Obst und Honig aus der Wabe ließ ebenfalls keine Wünsche offen.

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Unser Fazit ist, dass es uns sicher wieder einmal in diese schöne Gegend ziehen wird um zu Wandern oder auch an den nahe gelegenen Walchsee. Jetzt wird es erst einmal schwer, sich nach all dem Gesehenen und Erlebtem in Venedig und der vollkommenen Entspannung im Kaiserwinkl, sich wieder in den Alltag einzufinden.

 

INSPIRATION:

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Jean Léon Gérôme | Femmes au bain

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John Reinhard Weguelin | Reflection

CIAO, VENEZIA

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Wir waren gerade 18 Jahre alt und zumindest für mich war es mein erster Urlaub ohne meine Eltern. Die meisten Urlaube hatten wir bislang eher in Ungarn oder im hohen Norden, in Dänemark verbracht. So hatte ich noch nicht viel gesehen von Italien. Also habe ich mich damals zusammen mit drei Freundinnen in den Tren Italia gesetzt auf der Suche nach neuen Abenteuern. Zugegeben- Venedig ist vielleicht nicht die erste Wahl, wenn man auf der Suche nach Unterhaltung ist und abends feiern gehen möchte. Das wurde uns schnell bewusst. Dennoch hatten wir so viel Spaß in unserem jugendlichen Leichtsinn, dass es völlig egal war, wo wir uns aufhalten. Es war und bleibt ein unvergesslicher Urlaub und es zaubert mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen, wenn ich in alten Fotoalben stöbere.

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Viele Jahre sind seit dem vergangen seit dem ersten Mal in Venedig. Nun zieht es mich wieder dort hin. Diesmal ohne die Mädels, dafür mit meiner besseren Hälfte. Und diesmal denke ich haben wir unser Reiseziel ganz gut gewählt, denn Venedig ist für mich bislang eine der romantischsten Städte. Hier möchte ich meine absoluten Highlights der Stadt zusammenfassen, die man sich bei einer Reise nach Venedig nicht entgehen lassen sollte.

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1. Markusplatz und Rialtobrücke  am Morgen
Wenn die Sonne aufgeht, erwacht Venedig langsam. Es lohnt sich also, sich den Wecker auf eine frühe Morgenstunde zu stellen. Das Licht der aufgehenden Sonne färbt die Stadt in einen warmen Goldton und die Orte, an denen tagsüber Schlangen von Menschen auf Einlass warten sind weitestgehend menschenleer. Nur die Venizianer auf dem Weg zur Arbeit kreuzen unseren Weg. Dies ist nicht nur ein idealer Zeitpunkt, um Fotos zu schießen sondern auch um ein entschleunigtes Venedig kennen zu lernen

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2. Canale Grande
Nichts ist so typisch für Venedig wie seine Wasserstraßen. Die ersten Gondeln kamen wohl im 11. Jahrhundert auf. Sie sind etwa 1,5 m breit und können bis zu 11 m lang sein. Natürlich sind sie heute nicht mehr zeitgemäß und wurden durch Motorboote ersetzt. Leider richten diese großen Schaden an den historischen Gebäuden durch die Bugwellen an, die sie verursachen. Die Tradition des Gondelbaus bleibt den Venezianern jedoch erhalten, auch wenn sie lediglich zur Pflege von Traditionen und als Anziehungmagnet für Touristen dient. Die Gondeln werden in kleien Werkstätten gefertigt wie der am Squero di San Trovaso. Dort kann man mit etwas Glück den Gondelbauern zusehen, wie sie ihr Handwerk so ausüben, wie es schon ihre Ahnen vor hunderten von Jahren getan haben.

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Ein weiteres Highlight entlang den Wasserstraßen ist das Ca ´Tron, ein Gebäude, welches nach der venezianischen Patrizierfamilie benannt wurde, die dort einst gelebt hat. Das Ca´Tron war zu früheren Zeiten Dreh- und Angelpunkt großer Berühmtheiten, die dort als Gäste der Familie verkehrt hatten. Heute ist das Gebäude im Besitz der venezianischen Universität der Architektur. Neben dem Garten bietet der lichtdurchflutete Palast noch weitere prunkvolle Sehenswürdigkeiten verborgen im Inneren. Und vom Balkon aus hat man einen atemberaubenden Blick über den Canale Grande.

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3. Handwerkskünste bewundern
Für Liebhaber von Handwerk kann ich eine Bootsfahrt zu den nahegelegenen Inseln empfehlen. Murano ist weltweit bekannt für sein kunstvoll verarbeitetes Glas. Das erste Glas in Venedig wurde vor dem Jahr 1.000 nach Christus hergestellt und ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftszweig der Stadt. Besonders beeindruckt waren wir von den akuraten Miniaturen von Cesare Toffolo und orientalisch anmutenden Lampen von Fortuny, in die Metalle wie sogar Gold und Platin eingearbeitet werden.

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Burano zeichnet neben der seit dem 16. Jahrhundert angewandten, aufwendigen Spitzenstickerei, der Nadelspitzen-Technik Reticella, vor allem die Farbgebung der Häuser aus.

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4. Nicht vom Schein trügen lassen
Venedig war einst eine florierende Handelsstadt und Umschlagplatz für Waren aus aller Welt. Davon zeugen bis heute die herrschaftlichen Paläste. Diese Schätze sind oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich. So ein Fall ist wohl die Kirche San Pantalon im Stadtteil Dorsoduro. Gegen die zahlreichen, reich mit Ornamenten ausgeschmückten Fassaden geht die relativ schlichte Außengestaltung dieser Kirche etwas unter. Im Inneren befindet sich jedoch eines der größten Leinwandgemälde der Welt. Das Deckengemälde von Gian Antonio Fumiani, das das Martyrium und die Apotheose des Namenspatrons darstellt. Es besteht aus 40 einzelnen, aneinander gefügten Leinwänden und ist für den Betrachter schlichtweg atemberaubend in der perspektivischen Darstellungsweise.

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5. Verloren gehen
Ansonsten kann ich nur empfehlen, den Stadtplan zu Hause zu lassen und auf Erkundunstour zu gehen. Wer sich östlich oder nördlich der Insel fern ab von all dem Trubel aufhält, der kann das wahre Venedig erleben, in dem die Zeit irgendwann stehen geblieben ist. Bei einem spritz all’aperol lässt sich so ein Tag in Venedig am besten ausklingen.

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ZURÜCK IM SATTEL

Die Dior Saddle Bag ist zurück. Meine erste Begegnung mit diesem Taschenmodell fand vor mehr als zehn Jahren statt.  Als Pferdeliebhaberin und Reiterin hat mich die Form und die verspielten Details natürlich sofort angesprochen. Und als ich die Version mit dem pinken Logo- und Blütenprint auf weißem Leinen in einer Anzeige einer Modezeitschrift gesehen habe, war es um mich geschehen. Leider blieb es aber dabei, dass ich die Tasche als Print-Version bewundern musste, denn ich konnte sie mir damals einfach nicht leisten und ein Kauf lag in weiter Ferne.

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Die Saddle Bag wurde 1999 von John Galliano entworfen. Ihre Form ist im vorderen Bereich bauchig, verläuft schräg abgerundet nach hinten und erinnert somit- wie der Name ja auch sagt- an einen Sattel. An Stelle eines Steigbügels ist ein D aus Messing oder Edelstahl an einem schmalen Riemen befestigt. Ihren Kultstatus erlangte die Saddle Bag dann dank der Serie Sex and the City. Es ist, als wäre es erst gestern gewesen, dass Sarah Jessica Parker in ihrer Rolle als Carrie Bradshaw mit einer ihrer farbenfrohen Saddle Bags unter dem Arm durch die Straßen von New York flanierte.

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John Galliano  verließ das Haus Dior im Jahr 2011. Infolge dessen wurde auch die Produktion dieser Tasche eingestellt. Unter der derzeitigen Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri wird dieser Taschenform nun neues Leben eingehaucht und sie feierte ihr Comeback in der Herbst-/ Winterkollektion. Die schlichte Variante im Monogramm-Design ist fast identisch mit ihren Vorgängern. Passend zu der Kollektion, die an die Studentenproteste in den 1968er Jahren erinnert, erscheint die Saddle Bag reich bestickt mit ethnischen Mustern, breiten Schultergurten mit Fransen und folkloristischen Elementen.

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Nun haben wir also Frühling im Jahr 2018. Es ist nun schon eine Weile her, dass ich von der Saddle Bag im Flower-Diorissimo-Monogramm-Design geträumt habe und auch mein Geschmack hat sich etwas geändert. Trotzdem freue ich mich, dass ich nun endlich ein  Vintage-Modell der Saddle Bag mein eigen nennen darf. Sie durfte mich nach Bella Italia begleiten, das ist das Land, in dem sie auch hergestellt wurde. Bald werde ich mehr über die Reise nach Venedig hier berichten.

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